Bad Simple English
Bad Simple English ist eine im deutschsprachigen Raum entstandene abwertende Bezeichnung für ein vereinfachtes ?schlechtes? Englisch, das sowohl in der Wissenschaft als auch in der Geschäftswelt als Mittel der interkulturellen Kommunikation allgemein Einzug gehalten hat.Zum Begriff ?Bad Simple English?
Den Begriff ?Bad Simple English?, seltener auch ?Bad Silly English? und ?International Broken English?, verwenden vornehmlich so genannte ?Sprachhüter? und Journalisten bis hin zu linguistischen ?Sprachkritikern?. ?Bad Simple English? zeichnet sich durch einfache sprachliche Ausdrucksweisen aus, die im Vergleich zum ?normalen? Englisch semantische, stilistische oder grammatische Mängel aufweisen, aber dennoch zur Not eine Kommunikation ermöglichen.
Das Kunstwort (Akronym) ?BSE? soll andeuten, dass es sich bei diesen sprachlichen Mischformen um ?Sprachkrankheiten? handele. [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22325/1.html Krystian Woznicki: Schlechtes Englisch. BSE, Engleutsch oder Denglisch: Sprachpflege im linguistischen Dschungel der Globalisierung, Telepolis vom 25. März 2006] Mit dem zum Begriff Bad Simple English gehörigen Akronym BSE soll vermutlich absichtlich eine Assoziation zum so genannten ?Rinderwahn? (Bovine Spongiforme Enzephalopathie kurz BSE) geweckt werden. Der Begriff ?BSE? ist außerhalb des deutschsprachigen Raumes wenig verbreitet (Als Beispiel für eine fremdsprachige Sichtung eine französische Fundstelle [http://www.lyc-montesquieu-herblay.ac-versailles.fr/pedago/discipl/langues/allemand/Pres_DE.htm L'allemand] .)
Beispiele für Bad Simple English
Das so genannte Bad Simple English stellt einen kleinsten gemeinsamen Nenner dar, auf den sich Gesprächsteilnehmer unterschiedlicher Herkunft, die in ihrer Muttersprache teilweise vollkommen unterschiedliche Strukturen des Satzaufbaus und Wortausdruck verwenden, verständigen können.
Die Folge ist ein simplifiziertes und reduziertes Ausdruckssystem, welches über weniger Facetten zur Beschreibung von Details verfügt. Zudem werden im Grunde festgelegte Wortbedeutungen oftmals in völlig anderem, teils neuem oder falschem Zusammenhang verwendet, was zu neuen Wortschöpfungen führen kann.
Die falsche Verwendung von Begriffen kann jedoch auch zu nicht unerheblichen Missverständnissen führen. Ein Beispiel hierfür ist die im Deutschen oft missverständliche Deutung des englischen Ausdrucks ?must not?: Der inhaltliche Verbotscharakter ?nicht dürfen? wird im Deutschen oft nicht wahrgenommen und als ?nicht müssen? verstanden.
Ursachen für Bad Simple English
?Bad Simple English? als Lingua franca
Das so genannte Bad Simple English ist eine Konsequenz der Verbreitung der englischen Sprache als lingua franca zwischen Menschen, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Ähnliche Entwicklungen bei derartigen Kommunikationsbedürfnissen hin zu einer vereinfachten Verkehrssprache gab es schon früher (siehe Pidginsprachen). Während die Nutzung aber oft auf ein bestimmtes Areal oder Volksgruppe beschränkt war, dehnte sich die Verwendung von English aufgrund der Globalisierung stetig aus.
Englisch als einfachere, weniger differenzierte Sprache
Basic English
Charles Kay Ogden analysierte in den zwanziger Jahren den englischen Wortschatz und fand, dass dieser viel einfacher als der des Französischen oder Lateinischen sei. Daraufhin schuf er im Jahr 1930 als Englischvariante ein Basic English, eine vereinfachte Form des Englischen, in der lediglich die wichtigsten Wörter der englischen Sprache vorkommen. Diese Plansprache sollte einst als Welthilfssprache dienen. Ogden benutzte dann auch Basic English, um Englisch zu unterrichten.
Simple English
Hinzu kommt ein noch mehr vereinfachtes Englisch, das Simple English. Es soll ein einfaches Englisch sein, das als Kunstsprache dienen soll. Der Wortschatz soll dabei frei von Redewendungen (engl. idioms) sein, um auch neu Englisch-Lernenden ein Verstehen und eine Kommunikation zu ermöglichen. Kritiker sehen in ?Simple English? einen Versuch, die Vorherrschaft des Englischen und der englischsprachigen Welt zu festigen. Simple English ist nicht zu verwechseln mit Basic English, von dem Kritiker ebenfalls behaupten, es sei nur ein Instrument zur Verschleierung des englischen Sprachimperialismus.
Nachteilige Auswirkungen von Bad Simple English
Während englische Sprachwissenschaftler überwiegend die negativen Rückwirkungen der so neu entstandenen Begriffe auf die eigene Landessprache beklagen und auf Reinhaltung ihrer englischen Muttersprache drängen, warnen internationale Sprachwissenschaftler vor der zunehmenden Verarmung der Muttersprachen der Nutzer von Bad Simple English. Des weiteren besteht die Möglichkeit, beim Gespräch mit englischen Muttersprachlern rhetorisch im Nachteil zu sein, was insbesondere in Geschäftsbeziehungen unvorteilhaft sein kann.
Dazu kommt, dass sich Nicht-Muttersprachler bei der Benutzung von Englisch in ihrer Rhetorik und Ausdrucksform beschränkt fühlen. Dies beschreibt zum Beispiel der Berliner Romanist Jürgen Trabant: ?Ich bin dann einfach nicht so gut. Mir fehlt mein Instrumentarium.? Wer Englisch nicht gut beherrsche, benutze einfache Wendungen. Dadurch simplifizieren sich auch seine Sätze, so dass er ?allzu schlicht, wenn nicht gar blamabel inkompetent? wirkt. Spiegel-Titel-Geschichte: ?Rettet dem Deutsch! ? Die Verlotterung der Sprache?. Mathias Schreiber: Deutsch for sale. Die deutsche Sprache wird so schlampig gesprochen und geschrieben wie wohl nie zuvor. Auffälligstes Symptom der dramatischen Verlotterung ist die Mode, fast alles angelsächsisch ?aufzupeppen?. Aber es gibt eine Gegenbewegung. Der Spiegel Nr. 40 vom 2. Oktober 2006, S. 182-198; S. 194f..Wie sehr sich diese Aspekte tatsächlich auswirken, ist schwer zu ermitteln. Allerdings bringen Wissenschaftler die geistigen Leistungen von Menschen mit der als Kind erlernten Sprache in Zusammenhang und weisen eine Sprache mit weniger differenziertem begrenzten Wortschatz als Hemmnis für die Entwicklung von Abstraktionsvermögen und Darstellungsfähigkeit aus.
Die ?Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung? als Kritiker von ?Bad Simple English?
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung stellte am 17. Januar 2002 in Berlin ein Memorandum vor, das sie gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder und Sprachwissenschaftlern erarbeitet hatte. Wenn immer mehr Bürger auf Gebieten wie Gentechnik oder Globalisierung nur noch ?Bahnhof? verstünden, sei der ?demokratische Diskurs? in Gefahr, so Professor Christian Meier, der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der Historiker sieht eine ?Zwei-Klassen-Gesellschaft der Sprachkenntnisse? aufkommen. Die Frage laute: Können diese Themen hinreichend öffentlich erörtert werden, wenn alle fachinternen Debatten ausschließlich auf Englisch ablaufen? Meist handle es sich um ?BSE?, also ?bad simple English?. Dieses verdränge an Universitäten überall auf der Welt zunehmend die jeweilige Muttersprache. Das Akademiemitglied Peter Eisenberg, Germanistikprofessor an der Universität Potsdam, erklärte, ganze Wissenschaftszweige würden in Deutschland und weltweit nur noch auf Englisch betrieben. Deutsche Universitäten würden dies oft fälschlich als Indiz für eine Modernisierung begreifen. Er empfahl den Wissenschaftlern mehr Selbstbewusstsein und den bewussten Gebrauch des Deutschen. Durch die Ausgrenzung in der Wissenschaft werde die deutsche Sprache in innovativen Bereichen nicht weiterentwickelt. [http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,177617,00.html Sprachwächter - An den Unis grassiert ?BSE? - Dass ?bad simple English? (BSE) an den Hochschulen Deutsch verdrängt, bereitet den Sprachhütern allerdings Kopfzerbrechen. SPIEGEL ONLINE, UniSPIEGEL vom 17. Januar 2002]
Literatur
• Meier] (Hrsg.): Sprache in Not? Zur Lage des heutigen Deutsch. Hrsg. von Christian Meier im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zu Darmstadt. Göttingen: Wallstein Verlag, 1999, 112 S., ISBN 3-89244-341-6
• Pörksen] (Hrsg.): Die Wissenschaft spricht Englisch? Versuch einer Standortbestimmung. Göttingen: Wallstein-Verlag, 2005, 114 S., ISBN 3-89244-978-3 (Heftreihe ?Valerio? der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Band Nr. 1, 2005)
Siehe auch
• Denglisch
*Küchenlatein
*Neusprech' target='blank'>Newspeak
*Sprachkritik]
• Weblinks
• Telepolis-Artikel zum Thema
* [http://science.orf.at/science/news/2021 ORF-Beitrag zum Thema
• Sprache lebt. Die Veränderung der deutschen Sprache. 3Sat-nano (mit c im Englischen) 30. Mai 2000
• Gerallt, gepeilt, gecheckt. Der Standard (at) 2. November 2006

