Bad Doberan
Bad Doberan ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist auch Sitz des Amtes Bad_Doberan-Land, dem neun Gemeinden angehören, selbst aber nicht amtsangehörig.
Geografie
Bad Doberan liegt zwischen Rostock und Wismar, am Nordostrand der Kühlung, einer Stauchmoräne mit größeren Wäldern. Im knapp 6 km entfernten Ortsteil Heiligendamm verfügt die Stadt über einen etwa 1 km langen Seestrand, im Westen am Kleinen Wohld mit Steilküste, im Osten mit Flachküste, die in den Heiligen Damm übergeht. Im Stadtgebiet wie in Stadtnähe befinden sich größere Waldungen, u. a. Großer und Kleiner Wohld, Kellerswald, Doberaner Holz. Im Nordwesten grenzt die Stadt an den Conventer See.
Stadtgliederung
Neben Heiligendamm gehören die Ortsteile Althof und Vorder Bollhagen zu Bad Doberan.
Geschichte
Bad Doberan wurde 1177 urkundlich als ?villa Slavica Doberan? erwähnt, doch bereits 1171 gründeten Zisterziensermönche aus dem Kloster Amelungsborn im Weserbergland in dem 3 km südöstlich gelegenen Althof, heute ein Ortsteil von Bad Doberan, ein Kloster. In einem Slawenaufstand wurden 1179 diese Klosterbauten großteils zerstört. Sieben Jahre später unternahmen die Zisterzienser einen zweiten Versuch an der Stelle der heutigen Klosteranlagen. Die 1232 geweihte romanische Klosterkirche wurde nach dem Brand 1291 durch eine hochgotische Kirche ersetzt, deren Baubeginn man mit 1295 annehmen kann, wobei erhaltene Teile der romanischen Kirche in den neuen Baukörper einbezogen wurden. Die Einweihung des Münsters, eines gotischen Kathedralbaus, fand 1368 statt. Das Doberaner_Kloster war durch seine wirtschaftlichen Aktivitäten sehr reich und verfügte über umfangreichen Grundbesitz. Bis zur Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation im Jahr 1552 bestimmte das Kloster die Entwicklung des Ortes Doberan, dessen Name von dem slawischen dobr (= gut) abzuleiten ist. Neben dem Kloster gab es eine Handwerkersiedlung, den Kammerhof (ehemaliger Bauhof des Klosters), zwei Gastwirtschaften, eine Ziegelei, eine Schmiede und einige Kötter. Daran änderte sich wenig, nachdem das Kloster 1552 an den Landesherrn übergegangen war. Im Kloster wurde ein herzogliches Amt eingerichtet, eine Mühle und ein Jägerhaus entstanden.
Der Dreißigjährige_Krieg hatte nachhaltige Folgen. Die Kaiserlichen hausten, ?daß es einem Stein in der Erde hätte erbarmen mögen?, wie der Chronist berichtet. Eine grundlegende Änderung trat erst ein, als der Mecklenburger Herzog Friedrich_Franz_I. Doberan zum Erholungs- und Vergnügungsort der herzoglichen Familie, des mecklenburgischen Adels und später auch des wohlhabenden Bürgertums bestimmte. Aus England war bekannt geworden, dass Baden in der See besonders gesundheitsfördernd sein solle. Im Jahr 1793 badete der Herzog deshalb auf Anraten seines Rostocker Leibarztes Prof. Dr. Samuel Gottlieb Vogel am ?Heiligen Damm? in der Ostsee und markierte damit die Geburt des ersten deutschen Seebades: Heiligendamm. In Doberan wohnten die Badegäste und vergnügten sich mit Geldspiel (die herzogliche Badekasse kassierte jährlich 30.000 Taler Abgaben von den Doberaner Spielbanken), Tanz und Pferderennen (die ersten Pferderennen auf dem europäischen Kontinent). Namhafte Baumeister wie Carl Theodor Severin, Schüler der zwei Altmeister klassizistischer Baukunst, Carl Gotthard Langhans und Friedrich Gilly, und auch J. C. H von Seydewitz bauten in rascher Folge im rein klassizistischen Stil das Logierhaus, das Salongebäude mit dem repräsentativen Festsaal im Empirestil, das Palais des Fürsten, das Prinzenpalais, das Stahlbad, mehrere Bürgerhäuser und die vielgerühmten Pavillons im chinesischen Stil einschließlich des Kleinods der Gartenbauarchitektur, des sogenannten Kamps. Des Fürsten Dank für den Baumeister, der das Gesicht Doberans wesentlich prägte, war sehr gering; Severin starb in Armut und Vergessenheit irgendwo auf einer Reise. Die Blütezeit (1793: 900, 1840: 3000, 1870: 4000 Einwohner) hielt nur wenige Jahrzehnte vor, denn allmählich entwickelte sich Heiligendamm, das einstige Anhängsel Doberans, zu einem eigenständigen Seebad, und um Doberan wurde es wieder still.
Daran änderte auch nichts das 1879 dem Ort verliehene Stadtrecht (Wappenspruch: Hirsch, Krummstab und Schwan / sind das Wappen von Doberan), der Bau der Eisenbahnlinie Rostock ? Bad Doberan ? Wismar 1883/84 und von 1886 bis 1910 die Einrichtung einer Dampf-Schmalspurbahn, im Volksmund ?Molli? genannt, über Heiligendamm nach Kühlungsborn, die noch heute durch die Straßen der Stadt rumpelt.
Heiligendamm ist das älteste deutsche Seebad, eingerichtet 1793 im Auftrage des damaligen mecklenburgischen Herzogs Friedrich Franz I., ist Ortsteil von Bad Doberan und von diesem 5,5 km entfernt. Der große Findling neben dem klassizistischen Kurhaus, der aus der Umgebung von Elmenhorst hierhergebracht worden ist, weist auf dieses Ereignis hin. Die Bauten am Strand mit ihrer einheitlichen architektonischen Linie schuf der herzogliche Landbaumeister Carl Theodor Severin, der auch in Bad Doberan wesentlichen Einfluss auf das Baugeschehen hatte. Die Wandlung Heiligendamms zum Kurort (ganzjährig belegte Kurhäuser) vollzog sich vor allem nach 1945. Die Anlagen wurden bis 1989 hauptsächlich für Ferien-und Kuraufenthalte der DDR-Bürger nach strengen Platzvergaberichtlinien genutzt. Individualtourismus war, wie in den meisten Ostseebädern in der DDR nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich (durch Nutzung von Privatwohnungen oder Camping). Eine grundgelegende Rekonstruktion der zunehmend baufälligen Gebäude fand bis 1989 nicht statt. 1996 erwarb die in Düren ansässige Fundus-Gruppe die historischen Gebäude Heiligendamms zusammen mit 500 Hektar Land. Nach drei Jahren Rekonstruktion wurde am 1. Juni 2003 das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm eröffnet.
Nach der politischen Wende wird ab 1991 der historische_Stadtkern und der Klosterbereich von Bad Doberan im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert.
Politik
Städtepartnerschaften
Die Stadt Bad Doberan unterhält mit folgenden Städten eine Partnerschaft:
Bad Schwartau (Schleswig-Holstein) seit 1989
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
* Stadt- und Bädermuseum: Dauerausstellung zur Geschichte von Doberan-Heiligendamm im ehemaligen Wohnhaus des Architekten und Baumeisters Gotthilf Ludwig Möckel, der diese neogotische Villa 1886 bis 1888 baute.
* Ehm Welk-Haus: kulturelle Begegnungsstätte im ehemaligen Wohnsitz des Schriftstellers Ehm Welk
Bauwerke
* das Heiligendamm, ältester Seebadeort Deutschlands
* Der Kamp, eine Parkanlage im englischen Stil mit prachtvollen Eichen, Linden, Kastanien- und Rüstern, und die mit ihm eine künstlerische Einheit bildenden Gebäude im reinsten klassizistischen Stil, hierzu gehören:
* das Kurhaus, einstiges Logierhaus (1793 von v. Seydewitz erbaut);
* das Salongebäude, 1802 von Severin erbaut, sein Festsaal gilt als der besterhaltene klassizistische Innenraum Bad Doberans;
* das Große Palais 1806/09 von Severin erbaut, birgt als besondere Kostbarkeit im ovalen Gartensaal eine bemalte Decke und Tapeten mit Darstellung zur Amor-und-Psyche-Sage des Apuleius (nach Entwürfen von Lois Lafitte und Mary Blonder 1820 in Paris gedruckt).
* In der sich anschließenden Severinstraße ist das Haus des herzoglichen Leibkochs Medini (Nr. 5), von Severin 1825 erbaut, besonders durch seine überaus lebendig gegliederte Fassade beachtenswert.
* Am anderen Ende des Kamps sind es das kleine Palais und das gegenüberliegende Haus ?Gottesfrieden?, die sich Baumeister Severin nacheinander als Wohnhäuser schuf; das erste musste er an den Landesherrn abtreten.
* Die chinesischen Pavillons (1808/09 und 1810 bis 1813) inmitten des Grüns des Kamps sind die einzige und dazu verspätete Chinoiserie in Mecklenburg und enthielten damals zunächst einen Musikpavillon und Kaufmannsboutiquen.
Sport
* Ostseerennbahn: erste Pferderennbahn Deutschlands, 1823 nach englischem Vorbild angelegt
* Fussball: Doberaner SV, Einheit Doberan
* Radsport/Triathlon: Doberaner SV, Abt. Radsport/Triathlon
Sonstiges
* Ortsdurchfahrt der Bäderbahn Molli
* Bad Doberan ist der Austragungsort des jährlich stattfindenden Musikfestivals Zappanale
Wirtschaft und Infrastruktur
Bad Doberan ist Sitz der _Glashäger_Brunnen_GmbH, die mit ihren Mineralwasser-Produkten Marktführer im Mehrwegsegment in Mecklenburg-Vorpommern ist.
Des Weiteren sind die Kreisverwaltung Bad Doberan und das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm einer der größten Arbeitgeber der Stadt.
Bad Doberan verfügt über 2 Gewerbegebiete, Eikboom (28,5 ha) und Walkenhagen (19,1 ha). Beide liegen an der B 105 am Ortsausgang Richtung Rostock.
Verkehrsanbindung
Die _Ostseeautobahn_A_20 führt in 15 km Entfernung südlich an der Stadt vorbei. Bad Doberan ist mit der L 13 und der Anschlussstelle (13) Bad Doberan an die Autobahn angebunden. Die B_105 durchquert die Stadt und verbindet sie so mit den Hansestädten Rostock und Wismar.
Durch Bad Doberan führt die Trasse der Ostsee-Recknitz-Bahn. Wismar ist in 43 Minuten zu erreichen, eine Fahrt zum Rostocker Hauptbahnhof dauert 21 Minuten.
Mit der Bäderbahn Molli gibt es einen Anschluss zum Ortsteil Heiligendamm sowie dem Ostseebad Kühlungsborn.
Bad Doberan befindet sich in der Zone 8 des Verkehrsverbund Warnow. Mehrere Buslinien verbinden Bad Doberan mit der umliegenden Region.
Etwa 40 km südöstlich befindet sich der Flughafen Rostock-Laage.
Bildung
Bad Doberan ist Sitz des alt-ehrwürdigen Friderico-Francisceum_Gymnasiums, gegründet am 21. April 1879 durch Friedrich_Franz_II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Darüber hinaus befindet sich die Berufliche Schule des Landkreises Bad Doberan mit den Schwerpunkten Ernährung/Hauswirtschaft und Wirtschaft/Verwaltung in Bad Doberan. Der Landkreis ist ebenfalls Träger der Förderschule am Kellerswald sowie der Regenbogenschule auf dem Doberaner Buchenberg, eine Schule zur individuellen Lebensbewältigung.
Die Stadt Bad Doberan unterhält auf dem Buchenberg, am Kamp und in der Lessingstraße drei weitere Schulstandorte. Seit dem Jahr 2004 wird vom christlichen Schulverein Bad Doberan eine private Grundschule mit reformpädagogischem Ansatz betrieben.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Joachim Schmettau (* 5. Februar 1937 in Bad Doberan), Bildhauer, lebt seit 1945 in Berlin
Frank Paschek (* 25. Juni 1956 in Bad Doberan), Leichtathlet
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Ehm Welk (* 29. August 1884 in Biesenbrow, ? 19. Dezember 1966 in Bad Doberan), Schriftsteller, lebte seit 1950 in Bad Doberan
Herman Wirth (* 6. Mai 1885 in Utrecht, ? 16. Februar 1981 in Kusel), Mitbegründer des Projekts Ahnenerbe
Ehrenbürger
Adolf Hitler wurde im August 1932 zum Ehrenbürger von Bad Doberan erklärt. Bad Doberan war die erste Stadt Deutschlands, die Hitler zum Ehrenbürger erklärte. Da aber die Verleihungsurkunde verloren ging, gab es jahrelangen Streit um die Existenz der Ehrenbürgerschaft. Da aber die NSDAP im Frühjahr 1932 die absolute Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung hatte und es Veröffentlichungen aus der damaligen Zeit gibt, gilt es als erwiesen, dass es die Ehrenbürgerschaft wirklich gab.[http://www.mvregio.de/mvr/28779.html Hitler immer noch Ehrenbürger von Bad Doberan - Politik will zügig handeln]. In: MVregio Bad Doberan. 11. März 2007 Am 2. April 2007 beschloss der Stadtrat einstimmig, Hitler die Ehrenbürgerschaft zu entziehen obwohl eine Ehrenbürgerschaft in Bad Doberan eigentlich mit dem Tod endet.[http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,475336,00.html Bad Doberan befreit sich von Ehrenbürger Hitler]. In: Spiegel online. 02. April 2007Björn Hengst: [http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,471522,00.html Ende eines Ehrenbürgers]. In: Spiegel online. 13. März 2007[http://www.sueddeutsche.de/,ra1m2/deutschland/artikel/322/105217/ Posthum staatenlos? : Kontroverse um Hitlers Staatsbürgerschaft]. In: Süddeutsche Zeitung. 13. März 2007[http://www.mvregio.de/mvr/30929.html Adolf Hitler nicht mehr Ehrenbürger von Bad Doberan]. In: MVregio Bad Doberan. 3. April 2007
Literatur
*
* Literatur ist auch über die Heiligendamm der Austragungsort des jährlich stattfindenden Treffens der führenden Industrienationen (Gruppe der Acht, G8) sein.
Siehe auch: G8-Gipfel in Heiligendamm 2007
Weblinks
*
• www.bad-doberan.de Offizielle Seite der Stadt
• Grossherzogliches Palais
• Ensemble Heiligendamm
Quellen
lmo:Bad Doberan

