Babylonisches Weltbild
Das Babylonische Weltbild entstand etwa 150 u.z. Christus und ist neben dem chinesischen I Ging und ägyptischen Kosmogonien eine der ältesten überlieferten Versuche, Gestalt und Ursprung der Welt zu erklären und darzustellen. Es gibt keine kanonisierte Form der Weltvorstellung der Babylonier. Vielmehr müssen die kosmologischen Vorstellungen der Babylonier aus verschiedenen Textstellen, etwa dem Weltschöpfungsepos Enuma Elisch, rekonstruiert werden. Zudem darf angenommen werden, dass die kosmologischen Vorstellungen der Babylonier, soweit sie nicht dem Enuma Elisch folgen, sich im wesentlichen aus den mythischen Versepen der Sumerer speisten (etwa dem Gilgamesch Epos).Das babylonische Weltbild beschreibt die Erde, welche von den Weltmeeren umgeben ist, als Mittelpunkt des damaligen Weltbildes. Der Weltberg welcher sich im Zentrum befindet ist innen hohl und in diesem Hohlraum befindet sich die Unterwelt. Umhüllt ist das ganze von einer Himmelskugel, samt aller Gestirne, welche von Götterhand gehalten wird.
Strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen ägyptischer (s.a.: Achtheit_von_Hermupolis), sumerischer (s.a.: Enlil), babylonischer (s.a.: Marduk) und dann auch alttestamentlicher Genesis-Dichtung, sind zumeist die Vorstellungen:
* dass die Götter oder Gott der materiellen Schöpfung vorausgeht,
* dass die Trennung oder Schöpfung von Himmel und Erde, der von Land und Meer vorausgeht,
* dass das Land oder ein Berg, sich aus dem Wasser, einem Urozean oder Urschlamm erhebt.
Daraus ergibt sich nur hier die Vorstellung, dass die Landscheibe der bekannten Welt durch einen Ozean umgeben sei und sich daher die betreffende Kultur im Mittelpunkt der Welt befinde (Nabel der Erde). Der Zikkurat von Etemenanki ? also der "Turm von Babel", könnte eine religiös-mythische Funktion in diesem Sinne gehabt haben.
Zu den ältesten erhaltenen Weltkarten überhaupt, gehört ein aus spätmesopotamischer Zeit stammender Stein, der vermutlich aus Sippar stammt, auf 700-500 v. Chr. datiert wird und sich heute im British Museum befindet. Er zeigt eine von Wasser umgebene kreisförmige Erdscheibe, durch die Euphrat und Tigris fließen. Dabei handelt es sich weniger um eine Abbildung genauer topographischer Verhältnisse, als um eine Darstellung der mythologischen Sicht der Babylonier. ([http://www.thebritishmuseum.ac.uk/compass/ixbin/hixclient.exe?_IXDB_=compass&_IXFIRST_=1&_IXMAXHITS_=1&_IXSPFX_=text/full/lg&$+with+all_unique_id_index+is+$=OBJ4611&_IXimg=ps319688.jpg&submit-button=summary Eine Abbildung findet sich hier.])
Die allgemeine Vorstellung des von Meer umgebenen Landes erhielt sich bis in die griechische Zeit (etwa Anaximander_von_Milet, Hekataios von Milet) und hat in der frühen Kartographie ihren Niederschlag gefunden.
Allgemein kann gesagt werden, dass jedes mythisch-religiöse Weltbild, sofern es eine Gesamtdarstellung der menschlichen Lebenswelt und seines Lebensraumes beansprucht, verschiedene Fragen -dichterisch- zu beantworten sucht:
* die nach dem Ursprung der Welt (Kosmogonie),
* die nach dem Ursprung der Götter oder nach Gründen für ihr Handeln (Theogonie),
* die nach der gegenwärtigen Gestalt der Welt, von Land und Meer (Geographie), von Himmel, Sonne, Mond und Sternen (Astronomie, Astralmythen),
* die nach dem Ursprung des Menschen und seinem Verhältnis zu den Göttern (Anthropogonie),
* sowie die, nach dem Ort des Menschen in der Welt.
An der babylonischen Kosmosvorstellung wurde dann jedoch gegen 300 v. Chr. durch Eratosthenes, der zu dieser Zeit erstmalig den exakten Umfang der Erde durch präzise Beobachtungen errechnete, gezweifelt. Wenige Jahrhunderte später wurde das babylonische Weltbild endgültig verworfen, da um 150 n. Chr. der griechische Astronom Ptolemäus die Beobachtungen des Hipparch zum geozentrischen oder auch ptolemäischen Weltbild ausbaute.
Später wurde dieses durch das heliozentrische_Weltbild, dessen Entwickler Johannes Kepler, Nikolaus Kopernikus und Tycho Brahe waren, ersetzt.
Siehe auch
Weltanschauung

