Babesiose der Hunde
Die Babesiose der Hunde (Syn. ?Hundemalaria?) ist eine durch Einzeller hervorgerufene Infektionskrankheit bei Hunden, die eine Zerstörung der roten_Blutkörperchen und damit eine Blutarmut (Anämie) verschiedenen Grades hervorruft. Die Erkrankung verläuft in Deutschland meistens akut mit Fieber, Zerstörung der roten_Blutkörperchen oder neurologischen Symptomen und endet ohne Behandlung zumeist binnen weniger Tage tödlich. Die Übertragung erfolgt durch Zecken. Während die Babesiose bis in die 1970er Jahre vor allem eine ?Reisekrankheit? war, kommt sie durch die Ausdehnung des Verbreitungsgebiets der Auwaldzecke mittlerweile natürlich in Deutschland vor.Ätiologie und Epizootiologie
Zwischenwirt Zecke statt. Die Babesiose der Hunde wird durch zwei Arten hervorgerufen.
Babesia canis ist eine relative große Babesien-Art (2?4 x 4?7 ?m), die weltweit vorkommt. Man unterscheidet heute drei Unterarten, die sich hinsichtlich ihrer DNA und ihres Vektors, aber nicht morphologisch unterscheiden:
*Babesia canis canis wird durch die Auwaldzecke (Dermacentor reticularis) übertragen, die sich mittlerweile in ganz Europa ausgebreitet hat. Diese Unterart ist im deutschsprachigen Raum am häufigsten für Erkrankungen bei Hunden verantwortlich.
*Babesia canis vogeli wird durch die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen. Infektionen durch diesen Erreger sind in Mitteleuropa selten und verlaufen mild.
*Babesia canis rossi wird durch Haemaphysalis leachi verbreitet und kommt nur in Afrika, südlich der Sahara vor.
Babesia gibsoni ist die zweite bei Hunden vorkommende Babesienart. Sie ist kleiner (1,1?2 x 1,2?4 ?m) und damit auch morphologisch von B. canis zu unterscheiden. Der Erreger ist vor allem in Südostasien verbreitet, Infektionen im deutschsprachigen Raum sind äußerst selten.
Das natürliche Vorkommen der Babesiose (Endemiegebiet) innerhalb Europas beschränkte sich bis in die 1970er Jahre auf Südeuropa, so dass die Erkrankung in Deutschland nahezu ausschließlich bei Hunden auftrat, die mit in den Urlaub in den Mittelmeerraum genommen wurden. Mit der Ausbreitung der Auwaldzecke auf ganz Mitteleuropa tritt die Krankheit endemisch auch in Deutschland verstärkt auf: Etwa ein Drittel der erkrankten Hunde hatte niemals einen Auslandsaufenthalt.
Neben der Übertragung durch Zecken ist eine Infektion über eine Bluttransfusion oder durch Blut-Blut-Kontakte z. B. bei Beißereien möglich. Auch eine vertikale Übertragung von der Hündin auf ihre Nachkommen wird vermutet.
Symptome
In Deutschland herrscht gegenwärtig die akute Form vor. Sie zeigt sich nach einer Inkubationszeit von einer bis drei Wochen nach dem Zeckenstich in gestörtem Allgemeinbefinden, Fieber, Anorexie und Abgeschlagenheit (Apathie). Ein bis zwei Tage später kommt es aufgrund des Zerfalls der roten Blutkörperchen zu Blutarmut und Blutharnen und gegebenenfalls auch Gelbsucht. Auch eine cerebrale Form mit epilepsieähnlichen_Anfällen, Bewegungsstörungen und Lähmungen ist möglich. Die akute Form endet unbehandelt binnen weniger Tage mit dem Tod durch Atemnot, Anämie und Nierenversagen. Der seltene perakute Verlauf endet ohne deutliche Symptome binnen ein bis zwei Tagen tödlich.
Die klinischen Erscheinungen hängen stark von der Schwere der Erkrankung ab. In den klassischen Endemiegebieten (Südösterreich, Ungarn, Norditalien) sind die Jungtiere aufgrund einer hohen Durchseuchung im allgemeinen durch Antikörper aus dem Kolostrum der Hündin geschützt und werden zu immunen Überträgern. Hier dominiert die chronische oder subklinische Infektion. Sie zeigt sich unspezifisch in intermittierendem Fieber, Fressunlust (Anorexie) und allgemeiner Schwäche.
Diagnose
Die Erkrankung kann klinisch mit einer Vielzahl von fieberhafter Erkrankungen verwechselt werden. Ein Diagnose ist über einen normalen Blutausstrich (Dünner Tropfen) oder dem so genannten Dicken_Tropfen möglich, wobei die Erreger in der Frühphase der Infektion und in den Phasen zwischen den Parasitämieschüben wenig zahlreich sein können. Die Babesien können unter dem Mikroskop nachgewiesen werden, wobei die Giemsa-Färbung am zuverlässigsten ist, die üblichen Schnellfärbungen dagegen weniger sicher. Ein PCR-Test zum Nachweis der DNA der Erreger ist ebenfalls möglich.
Serologische_Untersuchungen (IFAT, ELISA) sind bei akutem Verlauf ohne Bedeutung, da die Tiere noch keine Antikörper gebildet haben. Bei chronischem Verlauf sind zyklische Veränderungen der Antikörper nachweisbar.
Behandlung
Da die Krankheit ohne Behandlung schnell tödlich endet, sollte bei Verdacht die Behandlung unverzüglich beginnen. Antiprotozoika wie Imidocarb oder Diminazen sind wirksam. Eine Kombination aus Atovaquon und Azithromycin konnte auch chronische Infektionen mit B. gibsoni heilen. In akuten Fällen kann eine Bluttransfusion angezeigt sein.
Die wichtigste Prophylaxe ist das Absuchen des Tieres nach Zecken nach jedem Spaziergang und deren sofortige Entfernung. Eine medikamentelle Prophylaxe gegen Zecken (z. B. mit Permethrin) ist sinnvoll, da sie auch weitere durch Zecken übertragene Erkrankungen verhindert.
Literatur
Dieter Barutzki et al.: Die Babesiose des Hundes. Deutsches Tierärzteblatt 55 (2007), S. 284-293.

