Schloss Azay-le-Rideau
thumb|260_px|Château_d'Azay-le-RideauDie Gemeinde
Die Ortschaft Azay le Rideau (3.175 Einwohner - Stand: 2004) befindet sich in der französischen Region Centre und liegt im Departement Indre-et-Loire auf einer Höhe von 45 Metern über dem Meeresspiegel.
Wahrscheinlich aus Gallo-Romanischer Zeit stammend findet der Ort im 10. Jahrhundert mit Aziacus erste Erwähnung. Gegen Ende des elften oder zu Beginn des zwölften Jahrhunderts entstand dort unter dem Ritter Ridel d?Azay, ein Feudalherr der wegen seiner Grausamkeit einen zweifelhaften Ruf genoss, eine Festung. Dieser Seigneur war der Namensgeber der Ortschaft, die seit seiner Herrschaft Azium Ridelli (1118) hieß.
Der Vertrag von Azay le Rideau
Am 4. Juli des Jahres 1189 wurde in der Burg von Azay englisch-französische Nationalgeschichte geschrieben. der Vertrag von Azay beendete den Krieg zwischen König Heinrich_II. von England und König Philipp_II._August von Frankreich, der mit Heinrichs Sohn Richard (später König Richard_Löwenherz) verbündet war.
Der vollständig besiegte Heinrich musste alle seine Besitzungen in der Auvergne, im Berry und die Städte Issoudun, Graçay und Châteauroux an den französischen König abtreten. Darüberhinaus verpflichtete sich der englische König, seinen Sohn mit der Schwester Philipps II. zu verheiraten, hohe Reparationskosten an die französische Krone zu leisten und Richard, dem die Barone den Lehnseid schwören mussten, seine Eroberungen zu überlassen.
Neben dem vorübergehenden Ende des Krieges zwischen England und Frankreich, wurde in Azay auch über einen gemeinsamen Kreuzzug verhandelt und der Aufbruch auf Mittfasten 1190 von Vézelay aus festgelegt.
Zwei Tage nach den Verhandlungen starb König Heinrich II. von England.
Die Burg und das Schloss
Im Jahre 1417 ließ Herzog Johann ohne Furcht eine burgundische Garnison in der Burg aufstellen. Ein Jahr später beleidigten einige der Soldaten den damaligen Dauphin (später König_Karl_VII.), der gerade auf dem Weg von Chinon nach Tours war. Die Bestrafung folgte auf den Fuß und Karl ließ die gesamte Mannschaft der Garnison (etwa 350 Männer) hinrichten, sowie die Burg und den Ort schleifen. Bis ins 16. Jahrhundert trug Azay den Beinamen le Brûlé (das verbrannte Azay)
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erwarb Martin Berthelot, Vorsteher des königlichen Rechnungshofes unter Karl_VII und Ludwig_XII., die Herrschaft Azay. Sein Sohn Gilles Berthelot erbte im Februar 1515. Als Bürgermeister von Tours und Schatzmeister König Franz?_I., wurde ihm durch königlichen Beschluss vom 4. April 1515 erlaubt, die Burg wieder in Stand zu setzen. Drei Jahre später begannen Berthelot und seine Ehefrau Philippa Lesbahy mit dem Bau des heutigen Schlosses. Auf einer künstlichen Insel aus tausenden Eichenpfählen im Indre gelegen entstand 1518-1527 das heutige Renaissance-Wasserschloss. Die Position als Schatzmeister machte Berthelot bald zu einem der reichsten Männer Frankreichs und das Schloss sollte den Reichtum und seine Macht demonstrieren. Doch obwohl Berthelot seit seiner Erbschaft ein echter Seigneur war, wurde er von den alten Adelsfamilien argwöhnisch beobachtet, war er doch eigentlich bürgerlicher Herkunft. Der Hof ließ keine Gelegenheit aus, ihm seine niedere Herkunft vorzuhalten.
1527 klagten ihn einige Adelige bei Franz I. wegen Unterschlagung an. Der ständig bankrotte König schenkte den Anschuldigungen Glauben, vermied es jedoch seinen Schatzmeister ohne Beweise den Prozess zu machen. Dennoch wurde die Situation für Berthelot bald akut: noch im gleichen Jahr wurde der Oberintendant der Finanzen Jacques de Beaune-Semblançay, ein Cousin des Herren von Azay, wegen Unterschlagung verhaftet, verurteilt und gehängt. Berthelot erkannte die Gefahr und floh 1528 zusammen mit seiner Frau nach Cambrai, welches damals zum Heiligen Römischen Reich gehörte, wo er einige Jahre später verstarb.
Der König beschloss daraufhin Azay seinem jahrelangen Waffengefährten Antoine Raffin zu schenken. Die Nachfahren Raffins waren bis zu ihrem Aussterben 1791 die neuen Seigneurs. Im Gegensatz zu vielen Loire Schlössern, wurde Azay in der Revolution nicht verwüstet oder zerstört, was größtenteils an den Besitzern lag, die stets ein gutes Verhältnis zur einfachen Bevölkerung hatten.
Zwei Jahre nach dem Sturm auf die Bastille kaufte Marquis Charles de Biencourt 1791 das Schloss. Im Deutsch Französischen Krieg wurde Azay 1871 vom preußischen Prinzen Friedrich Karl besetzt, ohne jedoch in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Für die Summe von 200.000 Francs wurde das Schloss 1905 durch Charles Marie Christian de Biencourt an den französischen Staat verkauft.
Touristisch wird das Schloss von Azay-le-Rideau zu den Loire-Schlössern gezählt.

