Avermectine
Als Avermectine wird eine Gruppe von Neurotoxinen bezeichnet, die als Endprodukte der Fermentation des Strahlenpilzes Streptomyces_avermitilis entstehen. In manchen Fällen werden die Fermentationsprodukte anschließend chemisch behandelt; dabei entstehen sogenannte halbsynthetische Avermectine.
Chemie und Vertreter
Chemisch gesehen sind die Avermectine Makrolide, d.h. makrozyklische Lactone, zu denen Ivermectin, Selamectin, Doramectin und Abamectin zählen.
Anwendung und Wirkungsweise
Avermectine werden bei der Parasitenbekämpfung von Haus- und Nutztieren sowie prohylaktisch bei Nutzpflanzen gegen MilbenbefallAtanas Georgiev Dimitrov (2005): Integrierte Produktion von Tomaten ..., S.42, Tenea Verlag Ltd., ISBN 3865041167 verwendet. Sie zeigen eine breite Wirksamkeit gegen Nematoden und Milben. Sinnvolle Dosen bewegen sich bei Tieren im Bereich von 300 ?g pro kg Körpergewicht oder darunter; für Pflanzenapplikation wird eine 2%-ige wäßrige Emulsion eingesetzt. Anders als die meisten weiteren Makrolide zeigen Avermectine keine antibakterielle oder fungizide Wirkung.Hotson, I.K. (1982): The avermectins: A new family of antiparasitic agents. In: J. S. Afr. Vet. Assoc. Bd. 53, S. 87-90. PMID 6750121
Die Avermectin-Neurotoxine erhöhen bei Wirbellosen die Membrandurchlässigkeit der Nerven- bzw. der Muskelzellen für Chlorid-Ionen durch Bindung an Glutamat-aktivierte Chloridkanäle. Dadurch kommt es zur Hyperpolarisation der Zellmembran und zu einer Blockierung der Erregungsüberleitung.
Daneben beeinflussen Avermectine auch die Rezeptoren für ?-Aminobuttersäure (GABA) in Synapsen, die GABA als Neurotransmitter nutzen.Campbell, W.C. et al. (1983): Ivermectin: a potent new antiparasitic agent. In: Science. Bd. 221, S. 823-828. PMID 6308762 Durch erhöhte Ausschüttung von GABA werden die betroffenen Schädlinge paralysiert und sterben. Zweitere Wirkungsweise betrifft auch Wirbeltiere, was die Verwendung der Avermectine einschränkt.

