Avaldsnes
thumb|OlavskircheAvaldsnes auf der Insel Karmøy (Rogaland Fylke) in Norwegen ist bekannt als alter norwegischer Häuptlingssitz und erster norwegischer Königshof. Im 19. Jahrhundert war Avaldsnes eine eigenständige Kommune. Heute ist der Ort Teil der Kommune Karmøy, der gleich südlich der Karmsundbrücke liegt.
Geschichte
Der Ort soll nach dem sagenhaften König Augvald benannt sein, der sein Kleinkönigreich am Karmsund hatte. Nach der Schacht am Hafrsfjord 872 legte Harald Schönhaar seinen Hof nach Avaldsnes und begründete damit den ersten Königssitz in Norwegen. Der Schiffsverkehr durch den Karmsund mit seiner Enge eben Avaldsnes waren die Quelle von Rechtum und Macht der Region.
Sankt Olavs-Kirche
Die Saga erzählt, dass Olav_Tryggvason eine Kirche als Hofkapelle in Avaldsnes erbauen ließ. Vermutlich war diese Kirche eine kleine Stabkirche. Der Königshof verfiel und das wichtigste Wahrzeichen wurde die noch heute erhaltene Steinkirche von Avaldsnes, die Håkon Håkonsson 1250 erbauen ließ. Die frühromatische Kirche ist die größte Steinkirche des Mittelalters in Norwegen und hatte den Status als königliche Kollegiatkirche. Sie wurde dem heiligen_Olav geweiht. Die Kirche war eine wichtige Station auf dem Pilgerpfad nach Nidaros (heute Trondheim) entlang der Küste. Auf der Nordseite der Kirche steht ?Jungfrau Marias Nähnadel? (norw. Jomfru Marias synål), ein über 7 Meter hoher Bautastein, einer der höchsten in Norwegen. Der Stein steht schräg zu Kirchenwand geneigt ohne diese zu berühren. Der Legende nach soll die Welt untergehen, wenn die ?Nähnadel? die Kirchenwand berührt. Sich dessen bewusst sollen die Gemeindepfarrer ein Stück des Steines abgeschlagen haben, wenn dieser der Kirchenwand zu nahe kam.
Archäologische Funde
In der Gegend um Avaldsnes wurden umfangreiche archäologische Ausgrabungen gemacht. Etwa 1 Kilometer westlich der Kirche liegt der Höhenzug Reheia (dt. etwa: Rehhügel) mit den einzigen bronzezeitlichen norwegischen Grabhügeln, die in Reihe angeordnet sind (Funde dieser Art sind sonst nur in Südschweden und Dänemark gemacht worden). Mehrere Gräber wurden geöffnet und gaben reiche Funde aus dem Spätbronzealter frei.
Am Karmsund, ein paar Kilometer nördlich des Kirchenortes liegt Storhaug, ein größer Grabhügel mit über 40 Meter Durchmesser, der typologisch und radiologisch in das 8. Jahrhundert n. Chr. datiert wurde. In ihm wurden eine Schiffsbeisetzung gefunden. Der Fund gilt als ältestes Schiffsgrab in den Nordischen_Ländern. Die Datierung des Schiffsgrabes von Storhaug gab Anlass zu weitreichenden Spekulationen. Die frühesten norwegische Könige der Schriftüberlieferung sind damit aus dem westlichen Landesteil Norwegens überliefert. Somit befand sich die Wiege des norwegischen Königtums wahrscheinlich im Westen und nicht, wie von den Saga-Schreibern behauptet, im Osten des Landes.
Grønhaug war ein weiteres Schiffsgrab. Es liegt etwa einen Kilometer nördlich der Kirche bei einer Schule (Bø ungdomsskole). Dieser Grabhügel wurde 1902 von Haakon Shetelig untersucht und enthielt ein zirka 15 Meter langes Boot mit Resten eines Männergrabes um aus dem 10. Jahrhundert.
Unmittelbar nördlich der Kirche zeichnen sich die Umrisse eines weiteren Grabhügels ab, der Flagghaug genannt wurde. Der Grabhügel hatte ursprünglich einen Durchmesser von 43 Metern und war über 5 Meter hoch, wurde jedoch während der Ausgrabungen, die 1835 durch den Gemeindepfarrer Lyder Brun geleitet wurden, abgetragen. Es zeigte sich, dass der Hügel das reichste jemals in Norwegen gefundene Grab aus der Römerzeit enthielt. Der Fund bestand unter anderem aus einem Halsring von über 600g reinem Gold, Waffen, Gurtbeschläge und verschiedene römische Gefäße aus Silber und Bronze.
Kommunalgeschichte 1837-1965
1837 wurde der Avaldsnes formannskapsdistrikt als Verwaltungsbezirk gegründet. Aus ihm ging 1866 die eigenständige Avaldsnes-Kommune hervor, die bis 1965 bestand hatte. Am 16. August 1866 wurde Kopervik als eigene Kommune aus der Kommune ausgegliedert. Avaldsnes hatte zu diesem Zeitpunkt 4 735 Einwohner. Am 1. Januar 1909 wurde Stangaland (Kopervik) ausgegliedert. Die Einwohnerzahl betrug danach 3 213.
Am 1. Januar 1965 wurde die Kommune Avaldsnes geteilt und zwischen den Kommunen Karmøy und Tysvær aufgeteilt. Dabei wurde ein Teil der Avaldsnes-Kommune mit 4 153 Einwohner mit den Kommunen Kopervik, Skudenes, Skudeneshavn, Torvastad und Åkra zur Karmøy-Kommune. Der andere Teil bestehend aus Førre, Gismarvik und Stegaberg mit einer Bevölkerung von 994 Personen wurde der Kommune Tysvær zugeschlagen.
Sehenswürdigkeiten
thumb|Rekonstruktion_eines_Bootshauses_der_Wikinger_auf_Bokkøya
Neben der Olavskirche und den Grabhügeln wurde im Jahre 2005 das Nordvegen historiesenter eröffnet, das Einblicke in die lange Geschichte des Ortes vermitteln soll. Auf der im Geh-Abstand liegenden Insel Bokkøya wurde ein Wikingerhof mit verschiedenen Gebäuden aus der Wikingerzeit rekonstruiert. Dort finden auch regelmäßig Wikingerfestivals mit Konzerten, Ausstellungen, historische Wanderungen sowie ein Wikingermarkt statt.

