Autoimmunhepatitis
Die Autoimmunhepatitis (AIH) ist eine seltene, akute oder chronisch-entzündliche Autoimmunkrankheit der Leber. Das eigene Immunsystem greift hierbei Leberzellen an, wodurch es zur Leberentzündung (Hepatitis) kommt. Bei der Autoimmunhepatitis hat die Leber ihre Immuntoleranz verloren.
Vorkommen und Ursache
Die Krankheit befällt Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren dreimal häufiger als Männer. Sie kann möglicherweise durch andere Erkrankungen ausgelöst werden. Als Auslöser der Autoimmunhepatitis werden Umwelttoxine, bakterielle Antigene (z. B. Salmonellen-Antigene) und Viren diskutiert, wie z. B. die Viren der Hepatitis A, B, C und D oder auch Masern- und Herpesviren, die zwar als Auslöser (Induktoren) der Krankheit in Frage kommen, in der Phase der Autoimmunhepatitis aber nicht nachweisbar sind.
Diagnose
Laborchemisch zeichnet sich die Krankheit durch Transaminasenerhöhung und durch einen Anstieg der Gammaglobuline, besonders von Immunglobulin (IgG) aus. Charakteristisch ist aber das Vorkommen von Antikörpern, wie Antikörper gegen Zellkerne (ANA), glatte Muskelfasern (SMA), Mikrosomen von Leber- und Nierenzellen (LKM) oder ein lösliches Leberprotein (SLA). Diese Antikörper finden sich gelegentlich auch bei anderen Krankheiten. Sie sind nicht für die Pathogenese der chronischen Autoimmunhepatitis verantwortlich, stellen aber für die Diagnose führende serologische Marker der Krankheit dar. Aufgrund verschiedener Antikörperspektren unterscheidet man heute drei Hepatitistypen, zwischen denen es allerdings Überlappungen gibt, die Behandlung der drei Typen unterscheidet sich nicht.
Formen
Typ I
Die häufigste Form, nachweisbare Antikörper sind ANA (50 bis 80 %), ASMA (50 bis 70 %), AMA (niedrigtitrig <1:160) 20 %, weiblich:männlich = 8:1, hohes Gamma-Globulin (IgG) 1,5-fach der oberen Normgrenze, begleitende Autoimmunerkrankungen (Thyreoiditis, Basedow, Coombs-pos. hämolytische Anämie, perniziöse Anämie, Colitis ulcerosa) in bis zu 50 %, Zirrhose in 45 % der Fälle.
Typ II
Hier treten Anti-LKM-1-Antikörper auf, keine ANA, keine ASMA. Typischerweise sind junge Mädchen betroffen (Beginn in 70 bis 80 % der Fälle im Alter von 2 bis 14 Jahren, bei Erwachsenen in 20 bis 30 %), in 40 % der Fälle liegen auch andere immunologische Erkrankungen vor; akuter Beginn und rasche Progredienz zur Zirrhose möglich, die in etwa 80 % der Fälle auftritt.
Typ III
Umstritten, ob eigener Subtyp oder Variante von Typ I; niedrigtitrige Anti-LKM, reagieren gut auf Immunsuppression; Anti-LKM-1 wird vielfach als Epiphänomen betrachtet; Typ IIb ist vielleicht keine eigene Autoimmunerkrankung. Zirrhose in 75 % der Fälle.
Verteilungsmuster der Antikörper
Erläuterungen der Abkürzungen
Therapie
Mögliche Behandlungsmaßnahmen sind:
# Cortisontherapie in möglichst niedriger Dosis z. B. mit Prednison
# Azathioprin (Immunsuppressivum); häufig in Verbindung mit Prednison (Kortison) bzw. als Erhaltungstherapie
# Off-Label-Use bzw. nur in Studien: Budenosid, Ciclosporin, Mycophenolat-Mofetil und andere Immunsuppressiva
Weblinks
• www.autoimmune-hepatitis.de Leberambulanz Universität Mainz
• Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Autoimmune Lebererkrankungen
• Artikel auf www.autoimmun.org
• www.dgvs.de Leitlinien der DGVS, u. a. zur Diagnose und Therapie der Autoimmunhepatitis

