Autania
Die Autania Aktiengesellschaft für Industriebeteiligungen ist eine Managementholding für sechs mittelständische Unternehmen im europäischen Maschinenbau. Das in Kelkheim bei Frankfurt ansässige Unternehmen ist im CDAX der Deutschen_Börse notiert, allerdings kündigte die Fässler & Partner Treuhand AG (heute AUTANIA Holding AG) am 12. Juli 2006 ein Squeeze-out der verbliebenen Aktionäre an und plant die Aktie vom Markt zu nehmen. Das Unternehmen erwirtschaftete 2005 bei einem Umsatz von 127,1 Mio. Euro einen Nettogewinn von 8,1 Mio. Euro.
Geschichte
Auto Union (1932-1948; 1948-1979)
Die Autania AG geht zurück auf die am 29. Juni 1932 gegründete Auto Union AG mit Sitz in Chemnitz. Bei der Auto Union handelte es sich um einen Zusammenschluss der vier Automobilproduzenten DKW, Audi, Horch und Wanderer. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das zuvor zu 90% im Besitz des sächsischen Staates befindliche Unternehmen in der sowjetischen_Besatzungszone enteignet und die Auto Union AG am 17. August 1948 aus dem Handelsregister in Chemnitz gelöscht.
Kurz darauf kam es in Essen zur Neugründung der Auto Union AG, welche die rechtliche Nachfolge antrat und den im Westteil befindlichen Immobilienbesitz des Unternehmens, sowie die Patente und Namensrechte übernahm. In der Zwischenzeit hatten ehemalige Mitarbeiter der Auto Union in Ingolstadt unter eigener Regie die Automobilproduktion wieder aufgenommen und gründeten hierzu am 3. September 1949 die Zentraldepot für AUTO UNION-Ersatzteile GmbH, aus welcher später die Auto Union GmbH hervorging. Die Auto Union AG hingegen beschränkte sich auf die Verwaltung des Immobilienbesitzes und der Namens- und Patentrechte, da die ehemaligen Produktionsstandorte allesamt im Ostteil Deutschlands lagen. Ende 1949 verkaufte die Auto Union AG sämtliche Patent- und Namensrechte an die Auto Union GmbH aus Ingolstadt. In der Folgezeit beschränkte sich das Unternehmen auf die Verwaltung des noch gehaltenen Immobilienbestandes.
1959 wurde die Auto Union GmbH in Ingolstadt von Mercedes-Benz übernommen und schließlich 1964 an Volkswagen weitergereicht. Volkswagen benannte sein neues Tochterunternehmen 1965 in Audi um. 1979 erwarb schließlich Audi die noch verbliebenen Namensrechte an Auto Union von der Auto Union AG, die sich nun in AUTANIA Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft AG umbenannte.
AUTANIA Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft AG (1979-1990)
Die AUTANIA Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft AG war in den 1980er Jahren an einigen kleineren Unternehmen der Umwelttechnikbranche beteiligt, trat ansonsten aber kaum in Erscheinung. 1990 stieg die Rothenberger-Gruppe, tätig in der Umwelt- und Werkzeugtechnik, der hessischen Industriellenfamilie Rothenberger in das Unternehmen ein und erwarb eine Mehrheitsbeteiligung. Hierzu wurde (auch in Hinblick auf den anstehenden Konzernumbau) eine Kapitalerhöhung von 4 Mill. auf 64 Mio. DM in Form einer Sacheinlage der WMB Beteiligungsgesellschaft für Werkzeugmaschinenbau mbH (in welcher die Industrieaktivitäten der Familie Rothenberger - u. a. die Hermann Kolb GmbH, die Buderus Schleiftechnik GmbH und die Mauser Waldeck AG - gebündelt sind) getätigt. In den folgenden Jahren wurde die Autania rasant umgebaut. Noch 1990 wurde der Firmensitz des Konzerns nach Frankfurt verlegt und der Firmenname in Autania Aktiengesellschaft für Industriebeteiligungen geändert. Geplant war, die Autania in eine Holding für Minderheitsbeteiligungen in der Werkzeugbaubranche umzuwandeln.
Autania Aktiengesellschaft für Industriebeteiligungen (1990 bis heute)
Ab 1991 erwarb die Autania Teile der ehemaligen Auto Union-Immobilien sowie eine Reihe von Unternehmen in Ostdeutschland von der Treuhandanstalt. Viele von ihnen meldeten kurz nach dem Erwerb durch die Autania Konkurs an. Ab 1992 änderte das Unternehmen zudem seine Investitionsstrategie und überahm Mehrheitsbeteiligungen an rund zwei Dutzend Industrieunternehmen, vornehmlich aus der Werkzeugbau-Branche, oder übernahm diese ganz. 1993 stand die Autania schließlich vor dem Konkurs, nachdem Forderungen der Treuhandnachfolgerin BVS (Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben) in Höhe von 100 Mio. DM für den Erwerb der Ostunternehmen nicht beglichen werden konnten. Nach längeren Verhandlungen mit dem Management der Autania verzichtete die BVS auf einen Großteil ihrer Forderungen. Bei diesem Vorgang handelte es sich um eine der teuersten und größten Pannen in der Geschichte der BVS. Trotzdem musste das Unternehmen, auch aufgrund der Krise im Maschinenbau Anfang der 1990er Jahre, in der Folgezeit einen Großteil seiner erworbenen Beteiligungen wieder verkaufen und für einige Tochterunternehmen Insolvenz anmelden.
1995 wurde ein Verlust von 125 Mio. DM ausgewiesen, 1996 bestanden nur noch Beteiligungen an zwei Immobiliengesellschaften (ELTEK Verwaltungsgesellschaft mbH und Konrad-Adenauer-Ufer B.V) sowie der WFL-Werkzeugmaschinenfabrik Linz GesmbH (heute WFL Millturn Technologies GesmbH & Co. KG). Aufgrund der zweifelhaften Vorgehensweise des Autania-Managements um Dr. Helmut Rothenberger beim Erwerb von Ostunternehmen sowie dem Missmanagement und der verfehlten Investionspolitik blieb die Autania lange Zeit für Investoren uninteressant. Bis zum Ende des Jahrzehnts konnten allerdings fast die gesamten Verbindlichkeiten des Konzerns abgebaut sowie wieder Gewinne erwirtschaftet werden.
Ab Mitte 2000 begann die Autania unter dem neuen Leitmotiv ADVANCED TECHNOLOGIES und einer Ausrichtung auf den Werkzeugbau wieder damit, Beteiligungen an Unternehmen der Werkzeugtechnikbranche zu übernehmen. Finanziert wurde dies durch den Verkauf der verbliebenen Immobiliengesellschaften an die REAL AG. Am 23. Dezember 2002 wurde die Aktie der Autania in den Kleinwerteindex SDAX der Deutschen_Börse aufgenommen. 2003 übernahm die in Arbon in der Schweiz ansässige ISOSOLAR Nordic Holding AG 93,45% der Anteile an der Autania zu einen Stückpreis von 13,00 ?. Die HR Vermögensverwaltungs GmbH Dr. Helmut Rothenbergers hielt anschließend noch 4,87% der Anteile. Die ISOSOLAR Nordic Holding AG (seit dem 21. April 2004 firmierend unter Autania International AG) gehörte zu jeweils 50% der Mithril GmbH - alleiniger Inhaber der Investor Immo Ströher (Q-Cells_AG) - und Ralf E. Hess aus Kronberg. Nach der Übernahme behielten Dr. Helmut Rothenberger und Ralf Weber ihre Ämter im Vorstand, während Ralf E. Hess und Immo Ströher in den Aufsichtsrat einzogen.
Mitte 2004 schied die Aktie aufgrund einer zu geringen Marktkapitalisierung aus dem SDAX aus und ist seit dem im CDAX notiert. Am 29. Mai 2006 übernahm nun die Fässler & Partner Treuhand AG (firmiert heute unter AUTANIA Holding AG) mit Sitz in Amriswil in der Schweiz (eine 100%ige Tochtergesellschaft der Dr. Helmut Rothenberger Holding GmbH mit Sitz in Anif/Salzburg in Österreich - welche sich wiederum zu 100% im Besitz von Dr. Helmut Rothenberger befindet) das inzwischen komplett von der Mithril GmbH gehaltene Aktienpaket von 93,45%, deren Ausstieg in einem gescheiterten Squeeze-out begründet lag. Nun hält Dr. Helmut Rothenberger über die AUTANIA Holding AG sowie über die HR Vermögensverwaltungs GmbH die für ein Squeeze-out nötigen 95 % der Aktien, so dass am 12. Juli 2006 dieser Schritt offiziell mit einem Pflichtangebot von 28,13 ? an die verbliebenen Aktionäre angekündigt wurde. Mittlerweile wurde der Firmensitz der Autania von Frankfurt nach Kelkheim in die Zentrale der Rothenberger-Gruppe verlegt. Mittelfristig soll das Unternehmen zu einer reinen Zwischenholding innerhalb der Rothenberger-Gruppe umgewandelt werden.
Konzernüberblick
Beteiligungen
*AUTANIA Services GmbH, Chemnitz - Service-Dienstleistungen für Kunden der Autania AG
*WFL Millturn Technologies GesmbH & Co. KG, Linz (Österreich)
*WIRTH ET GRUFFAT S.A. Pringy (Frankreich)
*SIEBER Forming Solutions GmbH, Henstedt-Ulzburg
*PROFIROLL Technologies GmbH, Bad Düben
*ELB-SCHLIFF Werkzeugmaschinen GmbH, Babenhausen
Aktuelle Kennzahlen aktuelle Geschäftszahlen auf [http://www.autania.de/index.php?view=investor-Kennziffern www.autania.de]
Aktionärsstruktur
Von den 4 Mio. sich im Umlauf befindlichen Aktien sind 93,45% im Besitz der AUTANIA Holding AG mit Sitz in Amriswil (Schweiz), 4,87% im Besitz der HR Vermögensverwaltungs GmbH mit Sitz in Kelkheim (beide Gesellschaften sind mittelbar oder unmittelbar im alleinigen Besitz von Dr. Helmut Rothenberger) woraus sich ein verbleibender Streubesitz von 1,68% ergibt. Am 12. Juli 2006 gab die Autania Holding AG ein Pflichtangebot über 28,13 ? für alle verbleibenden Aktion im Rahmen eines Audi wirbt heute mit seinen historischen Wurzeln in der Auto Union. Das Unternehmen hatte zwar 1949 bzw. 1979 sämtliche Namens- und Patentrechte erworben, allerdings ist das gesellschaftsrechtliche Nachfolgeunternehmen der Auto_Union_AG die Autania, auch wenn sie nie ein Automobil produziert hat.
Um einen Rechtsstreit zu vermeiden, befinden sich beide Unternehmen in Gesprächen zu diesem Thema.
Quellen
Weblinks
• Website der Autania Aktiengesellschaft für Industriebeteiligungen

