Austernzucht
Unter Austernzucht (engl.: , franz.: ) versteht man die kommerzielle Kultivierung von Austern in Aquakultur. Für allgemeine Informationen über diese Muschelart siehe Austern.
Allgemeines
Austern leben in der Gezeitenzone vieler Meere. Traditionell wurden diese Austernbänke mit Schürfnetzen abgefischt, gelegentlich wurden die Muscheln auch von Tauchern geborgen. Bei Ebbe können Austern gelegentlich trockenen Fußes eingesammelt werden, wie zum Beispiel in der Blidsel-Bucht auf Sylt (Deutschland), wo Inhaber von Fischereischeinen zehn Liter Austern pro Tag einsammeln dürfen.
Da Austern eine begehrte Speise sind, ist es bereits ab dem 18. Jahrhundert zu einer starken Überfischung gekommen. Im 20. Jahrhundert kam dann Umweltverschmutzung und das Auftreten von Viruserkrankungen hinzu. Dies hat zu einem starken Rückgang der natürlichen Austernpopulationen geführt. Als Folge werden heute Austern hauptsächlich in kontrollierter Aquakultur gezüchtet. Global kommen 95,8 Prozent aller Austern aus Zuchtbetrieben, nur 4,2 Prozent werden traditionell gefischt (2003).
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Geschichtliches
In der Frühzeit wurden Austern in der Gezeitenzone eingesammelt oder von Tauchern geborgen. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. begann man in Griechenland mit gezielter Austernzucht. Man entdeckte durch Zufall, dass sich Austern besonders gern an Tonscherben festsetzen und versenkte in der Folge größere Mengen davon im Meer. Auch die Tatsache, dass der Standort einen Einfluss auf den Geschmack der Austern hat, wurde von den Griechen erkannt und ausgenützt.
Im Antiken_Rom wurde die Technik der Austernkultivierung weiterentwickelt und verfeinert. Üblicherweise wurden Jungaustern im Meer eingesammelt und dann in geeigneten Buchten aufgezogen. Eine römische Darstellung (siehe Abbildung rechts) zeigt unter dem Wort ?Ostriaria? ein Gerüst, von dem wahrscheinlich mit Austern gefüllte Säcke ins Wasser hängen. In der römischen Antike tauchen bereits ?Markennamen? auf. Ein gewisser Gaius Sergius Orata produzierte im Lukrinersee Austern, die er unter dem Handelsnamen ?Calliblephara? auf den Markt brachte, und die als besonders hochwertig galten.
Nach dem Untergang des römischen Reichs scheint die Technik der Austernkultivierung in Vergessenheit geraten zu sein, sie wurde erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurden lediglich Bestände wilder Austern eingesammelt, später dann mit Booten und Schürfnetzen abgefischt, seltener mit Booten und Rechen. Die französische Stadt nach Paris transportiert.
Ab 1720 wurde die Überfischung der Austernbänke merkbar und zu einem zunehmenden Problem. 1750 wurde die Austernfischerei in der Bucht von studierte die Zuchttechniken der Antike und regte erfolgreich diverse Kultivierungsmethoden an. Derartige Maßnahmen wurden üblicherweise wohlwollend von den französischen Königen unterstützt, die meist große Austernliebhaber waren.
Traditionell wurde in ganz Europa die einheimische Europäische Auster gezüchtet bzw. gefischt. Im 19. Jahrhundert wurde die Austernart Crassostrea angulata aus dem fernen_Osten nach Portugal eingeführt. Diese Austernart, die der heutigen Pazifischen Felsenauster sehr ähnlich ist, vermehrte sich stark und wurde kommerziell genutzt. Im Jahr 1868 suchte ein mit diesen Austern beladenes Schiff in der -Mündung bei mehrere Tage lang Schutz vor einem Sturm. Durch diese Verzögerung nahm der Kapitän an, dass die Ladung bereits verdorben wäre und ließ die 600.000 Austern ins Meer werfen. Diese ?Portugiesischen Austern? fühlten sich aber in Frankreich sehr wohl, sie breiteten sich rasch entlang der gesamten Atlantikküste aus. Um das Jahr 1900 machten sie bereits die Hälfte der französischen Austernproduktion aus.
thumb|Austernkultur_in_der_Rivière_d'Etel,_Frankreich
Ab 1920 wurde in Japan die Langleinenzucht entwickelt, die Austernkultivierung auch außerhalb der Gezeitenzone ermöglicht. In den 1970er-Jahren wurde diese Technik auch in Korea und China eingeführt, was zu einem außerordentlich starken Anstieg der Austernproduktion geführt hat.
Der Winter 1962?63 entwickelte sich in Europa zum kältesten Winter seit es meteorologische Aufzeichnungen gibt, sogar der , franz.: ) können im Meer oder im Labor gezüchtet werden. Bei Vermehrung im Meer muss zunächst für einen geeigneten Untergrund gesorgt werden, da sich Austern vorzugsweise an harten Objekten festsetzen. Da Austernlarven Dachziegel besonders schätzen werden in Zuchtbetrieben zu Beginn des Sommers oft große Mengen gekalkter Dachziegel im Meer versenkt. Sobald auf den Ziegeln kleine Austern herangewachsen sind werden sie aus dem Meer geholt, die Austernbabys vorsichtig abgelöst und verkauft. Alternativ können Saataustern auch in Labors unter kontrollierten Bedingungen in Tanks oder Becken gezogen werden.
Arten der Kultivierung
Bodenkultivierung
Die Bodenkultivierung ist die einfachste und billigste Form der Austernzucht. Dabei werden Austernbabys über geeignetem Untergrund ausgesät. Nach drei bis sechs Jahren sind sie zu Marktgröße herangewachsen und werden dann mit Schürfnetzen eingebracht. Diese Methode ist in Europa vor allem in ökologische Störung des Meeresbodens durch die Schürfnetze und das Einbringen von unerwünschtem Beifang. Problematisch ist auch dass ? im Gegensatz zu den anderen Methoden ? im Bereich der Austernzucht Seefahrt möglich ist. Schiffe und Boote, die über den Austernbänken fahren, können zu Gewässerverunreinigung führen.
Tischkultivierung
Die Tischkultivierung ist nur an flachen Küsten mit einer ausreichend breiten Gezeitenzone möglich. Bei dieser Methode werden in der Tidenzone ca. 50 cm hohe Eisentische (franz.: ) aufgestellt. Auf diesen liegen grobmaschige Säcke (franz.: ), in denen die Austern heranwachsen. Sie sind bei Flut im Wasser und bei Ebbe im Trockenen. Die Aufzucht auf Tischen verhindert einerseits, dass die Austern einen schlammigen Geschmack annehmen und schützt weiters die Tiere vor bodenlebenden Räubern. Die Säcke werden in regelmäßigen Abständen gerüttelt und gewendet, damit die Austern nicht zusammenwachsen oder eine krumme Form bekommen, außerdem muss ständig der Italien exportiert.
Frankreich
Aus europäischer Perspektive ist Frankreich das bedeutendste Herkunftsland für Austern; 88 Prozent aller europäischen Austern kommen aus Frankreich. Im globalen Vergleich relativiert sich das etwas, Frankreichs Anteil an der Weltproduktion beträgt lediglich 2,5 Prozent. Jährlich werden in Frankreich etwa 125.000 Tonnen Austern produziert (2005). Da Austern in Frankreich traditionell zur Weihnachtszeit gegessen werden, entfällt fast die Hälfte des Jahresumsatzes auf den Monat Dezember (60.000 t).
Austern kommen in Frankreich nahezu ausschließlich als frische Ware (lebend) auf den Markt. Austern in Konserven oder derivate Produkte aus Austern werden kaum produziert. Rund 99 Prozent der Produktion entfällt auf die Pazifische Felsenauster (Crassostrea gigas). Die Europäische Auster (Ostrea edulis) ist ein Nischenprodukt, die Jahresproduktion beträgt ca. 1.000 Tonnen.
Die überwiegende Mehrheit der Austern wird in Frankreich selbst konsumiert. Etwa 6.500 Tonnen werden exportiert, davon zwei Drittel (4.260 t) nach Italien (2005). In der Exportstatistik folgen dann mit deutlichem Abstand Belgien (650 t), Deutschland (390 t) und die Schweiz (220 t) (2004). Interessanterweise importiert Frankreich eine nicht unbeträchtliche Menge an Austern (6.600 t), davon 3.400 t aus Irland und 1.400 t aus England. Ein Teil dieser Importe wird über den Feinkost-Großhandel wieder re-exportiert.
Hinsichtlich der Kultivierung von Austern wird Frankreich in acht Regionen eingeteilt, wobei in der Literatur üblicherweise auf Korsika vergessen wird.
=
=In der . Bedeutend ist vor allem die Halbinsel , also die Gegend südlich und östlich von . Unter Kennern beliebt sind die ?? und die fleischigen ??
= Nördliche
=Wie in der herrschen auch in der im Westen bis zur Grenze der bei . Besonders populär sind die Austern aus der Gegend um die Stadt , die man als die ?Austernhauptstadt? der nördlichen bezeichnen kann.
= Südliche
=Die Südküste der , südlich der Stadt . Hier werden neben normalen die weltberühmten Europäischen Austern () gezüchtet, die als ?? die Speisekarten zieren und die Geldbörse belasten. Die -Austern haben einen subtilen und leicht nussigen Geschmack. Sie werden von vielen Liebhabern als die besten aller Austern betrachtet.
=
=An der Atlantikküste südlich der -Mündung werden jährlich 9.000 Tonnen Austern produziert, nahezu ausschließlich (Pazifische Felsenaustern). Zahlreiche Flüsse bringen hier wertvolle Nährstoffe in die Küstenregion.
Die Produktion erstreckt sich im Norden von der -Mündung bis zur Bucht von , weiters an den Küsten der gegenüberliegenden Insel , und im Süden an der Küste bei . Die Austern sind als ?? und als ?? bekannt. Sie werden vorwiegend lokal konsumiert.
= Poitou Charentes
=In diesem Sektor der Atlantikküste findet sich die mengenmäßig bedeutendste Austernproduktion Europas. Die Jahresproduktion beträgt 30.000 Tonnen an , also der Pazifischen Felsenauster (2004). (Europäische Austern) werden nicht mehr produziert.
Die Region erstreckt sich von ?). Besonders hochwertige Austern werden als ?? angeboten. Eine weitere Besonderheit sind die bei Feinschmeckern begehrten Austern von . Die namentliche Nennung des Austernzüchters ist sehr ungewöhnlich, da Meeresfrüchte normalerweise ohne Angabe des Erzeugers vermarktet werden.
= Arcachon
=In diesem südlichen Teil der französischen Atlantikküste werden von 350 Betrieben 9.000 Tonnen Austern pro Jahr produziert (2004), ausschließlich die Pazifische Felsenauster ('), die als ?? vermarktet wird. Austernkulturen finden sich grundsätzlich entlang der gesamten Küste von der -Mündung im Norden bis zur spanischen Grenze im Süden. Das Zentrum der Austernzucht befindet sich in der Bucht von Arcachon, 50 km südwestlich von Bordeaux.
Die Bedeutung dieser Region liegt weniger in der Produktion fertiger Austern als in der Aufzucht junger Saataustern. In dem reinen und relativ warmen Wasser der Bucht von entwickeln sich junge Austern besser und verlässlicher als im kühleren Norden. Die Saataustern von werden im Alter von acht bis zehn Monaten vom Substrat gelöst und vermarktet. Sie sind in diesem Alter rund fünf Zentimeter groß. Mit diesen Austernbabys werden die Austernparks in Nordfrankreich und Irland beliefert, die stark vom Nachschub aus abhängig sind.
= Mittelmeer
=Die überwiegende Mehrheit aller französischen Austern stammt aus dem Mittelmeer (2004). Die Austernzucht konzentriert sich auf die Gegend zwischen im Osten, und hier vor allem auf das . Dieses Salzwasserbecken umfasst 7.500 ha und wird aus diversen Zuflüssen mit nährstoffreichem Süßwasser versorgt. Produziert wird die Pazifische Felsenauster ().
Da die Gezeiten im Mittelmeer wesentlich geringer sind als im Atlantik werden die Austern hier nicht in der Gezeitenzone kultiviert sondern im tieferen Wasser. Sie wachsen auf Muschelschalen heran die an Seilen oder Netzen befestigt sind und von Flössen ins Wasser hängen. Die begehrtesten Austern stammen aus dem Dorf , bekannt sind auch jene aus den Ortschaften und .
= Korsika
=?.
Ausgehend von den Austernfarmen haben sich in den Küstenbereichen der Oosterschelde beträchtliche Mengen an wilden Austern festgesetzt. Das Trockengewicht dieser Austernbestände wird auf 150.000 Tonnen geschätzt (2000), eine wirtschaftliche Nutzung erfolgt derzeit aber nicht. Die Verbreitung der wilden Pazifischen Felsenaustern reicht bereits bis nach
Im Jahr 2001 hat die Firma Dittmeyer den Antrag gestellt, diese wilden Austern einsammeln und kommerziell nutzen zu dürfen. Der Antrag wurde 2004 aus Umweltschutzgründen abgelehnt. Kurze Zeit darauf erlaubte das Nationalparkamt allen Inhabern von Fischereischeinen, pro Tag bis zu zehn Liter Austern für den Eigenbedarf zu sammeln. Mit dem Argument der Gleichbehandlung hat nun die Firma Dittmeyer ein Gerichtsverfahren angestrengt, um ebenfalls die Genehmigung zum Sammeln von Austern zu erhalten. Das Verfahren ist anhängig.
Der Jahresverbrauch an Austern beträgt in Deutschland knapp 500 Tonnen, überwiegend abgedeckt durch Importe aus Frankreich und Irland.
Dänemark
In der großen Bucht Limfjord im Norden Dänemarks wurden vor einiger Zeit steinzeitliche Siedlungen entdeckt und erforscht. Nach Berechnungen der Archäologen haben sich die Menschen der Steinzeit oft und gerne von Austern ernährt und in der Zeit von 4600 bis 4000 v. Chr. rund 20 Millionen Austern verspeist.
Auch heute noch werden im Limfjord die klassischen Europäischen Austern gefischt. Nachdem ? wie überall in Europa ? diese Austernart stark zurückgegangen ist, konnten nach einer kräftigen Aussaat im Jahr 1997 ab 2002 wieder große Mengen der Ostrea edulis eingebracht werden. Die Austern wachsen ?wild? am Boden heran und werden nach ca. fünf Jahren abgefischt. Sie kommen normalerweise als ?Limfjord? in den Handel und gelten als sehr hochwertig. Die FAO gibt die Jahresproduktion für 2003 mit 876 Tonnen an, was sehr hoch und nicht ganz glaubwürdig erscheint.
Großbritannien
In Großbritannien gab es einst bedeutende Austernfischerei, die sich vor allem in der Themsemündung konzentrierte. Im Jahr 1864 wurden in London 500 Millionen Austern verkauft. Durch Überfischung und Umweltverschmutzung ist die Austernproduktion stark zurück gegangen. Derzeit werden 1.900 Tonnen pro Jahr produziert (2003), hauptsächlich die Pazifische Felsenauster. Wie auch in anderen Ländern ist die traditionelle Europäische Auster am Aussterben, es werden nur mehr 800 Tonnen pro Jahr auf den Markt gebracht (2003), davon 70 Tonnen aus der Region Colchester.
Da Pazifische Felsenaustern in den kalten Gewässern rund um England nur selten laichen, werden die Kulturen oft mittels Saataustern aus wärmeren Gewässern angelegt. Im Winter müssen die Austern in geschützte Becken gebracht werden. Die Europäische Auster laicht auch in kühlem Wasser und findet sich in natürlichen Austernbänken. Es gibt in England daher neben der Austernzucht auch traditionelle Austernfischerei. Englische Austern müssen vor dem Verkauf für mindestens 42 Stunden in Tanks gereinigt werden, deren Wasser durch UV-Bestrahlung sterilisiert worden ist.
Die Austernzucht findet sich in der Themsemündung südlich von ), weiters bei () und in der Mündung des Flusses bei der Ortschaft (, der Meerenge zwischen der englischen Südküste und der existieren bedeutende Vorkommen der Europäischen Auster. Durch Gewässerverschmutzung ist die Austernfischerei in diesem Gebiet aber stark behindert, sie wird zeitweise sogar behördlich verboten. Die Austernfischerei in (bei und ) ist derzeit nicht aktiv.
In Irland bietet gute Bedingungen für die Austernzucht. Die Republik Irland ist der zweitgrößte Austernproduzent in Europa, mit einer jährlichen Menge von 5.500 Tonnen (2004). Die irische Austernzucht befindet sich in einer Phase der Expansion, es wird kurzfristig eine Verdopplung der Produktion angestrebt. Auch in Irland überwiegt die Pazifische Felsenauster, die von 149 Betrieben gezüchtet wird. Die Europäische Auster hat nur mehr einen Anteil von 5,5 Prozent, sechs Betriebe bringen pro Jahr 390 Tonnen ein (2004). Insgesamt sind in Irland 760 Menschen in der Austernzucht beschäftigt, die meisten im Nebenerwerb.
Obwohl Irland zur Gänze von Wasser umgeben ist, haben die Iren ein eher gespanntes Verhältnis zum Meer. Das führt unter anderem dazu dass Meeresfrüchte nicht allzu geschätzt werden, und Austern sind besonders unbeliebt. Nur 3,5 Prozent der Austernproduktion werden in Irland selbst konsumiert. 85 Prozent der Austern werden nach Frankreich exportiert (2004), der Rest nach Italien, Spanien, Holland und Großbritannien. Irische Austern kommen oft als ?? oder ?? in den Handel.
Die Pazifische Felsenauster wird zumeist in der Nordirland findet sich Austernzucht vor allem im ().
Jedes Jahr werden in Irland die besten Austernzüchter mit dem ? ? ausgezeichnet. Damit auch Lyrik und Poesie nicht zu kurz kommen gibt es einen Wettbewerb mit dem komplizierten Namen ??. Und schließlich gibt es in den jährlichen Bewerb im Austernöffnen. Dabei müssen 30 Austern in möglichst kurzer Zeit geöffnet werden; der Rekord steht bei 91 Sekunden.#
Sonstiges Europa
Auf den gezüchtet. Heute wird sie vor allem in fünf Regionen kultiviert, nämlich in der , der , der , der und im . Die Größenstufen heißen ??, ??, ??, ?? und ??.
Praktisch alle Austern in Australien kommen sie als ?Schlürfaustern? (engl.: ) auf den Markt. Fleischaustern bzw. Dosenware wird kaum produziert. Australische Austern werden fast ausschließlich für den Gourmet-Markt produziert. Sie werden mehrheitlich im Land selbst konsumiert, wobei die Nachfrage das Angebot übersteigt; sechs Prozent werden exportiert. Die gesamte Jahresproduktion beträgt 9.900 Tonnen (2003).
Neuseeland
Neuseeland hat eine relativ kleine, aber hochwertige Austernproduktion. Ein Drittel aller Austern werden traditionell mit Schürfnetzen gefischt, vor allem im Bereich / . Es handelt sich dabei um die Chilenische Auster (Ostrea chilensis), die als Gourmet-Auster auf den Markt kommt und zur Gänze im Land selbst konsumiert wird. Die Fangsaison dauert von Mitte März bis Ende August. Die Austernbestände leiden sehr unter dem Parasiten Bonamia, so dass in manchen Jahren die Fischerei ausgesetzt oder zumindest eingeschränkt werden muss.
Ab dem Jahr 1967 wurde mit kommerzieller Austernzucht begonnen, wobei zunächst die einheimische -Felsenauster (Saccostrea glomerata) kultiviert wurde. Ab 1971 wurden an den Rümpfen japanischer und koreanischer Schiffe Pazifische Felsenaustern eingeschleppt, die sich durch ihre Wüchsigkeit und Robustheit gegen die -Felsenauster durchgesetzt haben. Pazifische Felsenaustern werden auf 2.200 Hektar gezüchtet, sie machen heute zwei Drittel der Austernproduktion aus.
Die größten Austernzuchten finden sich an der Nordinsel in der , im , im und in der Gegend um . Ein weiters Zentrum der Austernkultivierung ist die zwischen der Südspitze Neuseelands und . Die Hafenstadt liefert die in Neuseeland berühmten -Austern. Die gesamte neuseeländische Austernproduktion beträgt 2.700 Tonnen pro Jahr. (2003)
Mexiko
Schon die Maya wussten Austern zu schätzen, sie assen sie nicht nur sondern verwendeten auch den Kalk aus gemahlenen Austernschalen als Baumaterial. Noch heute besteht eine bedeutende Austernproduktion in Mexiko, wobei der Großteil gefischt und nur eine kleine Menge (3 %) gezüchtet wird.
Austernfischerei wird vor allem an der Ostküste betrieben, in den zahlreichen Buchten innerhalb des Golf von Mexiko, von der Laguna Madre im Norden bis zur Laguna de Terminos im Süden. Die Austern von der Laguna Tamiahua werden besonders geschätzt. An der Ostküste ist fast ausschließlich die Amerikanische Auster heimisch. Im warmen Wasser des Golfs wachsen diese Austern um einen Zentimeter pro Monat und erreichen so schon nach weniger als einem Jahr Marktgröße.
Die Austern werden entweder mit Schürfnetzen gefischt, durch Taucher geborgen oder in der Gezeitenzone eingesammelt. Sie werden normalerweise bereits auf den Booten geöffnet und die Schalen wieder ins Wasser geworfen, damit ausreichend Substrat für künftige Austerngenerationen zur Verfügung steht. Seit 1976 dürfen nur maximal 20 Prozent der Austern in der Schale auf den Markt gebracht werden.
An der Westküste, in der Baja_California, werden in geringem Ausmaß Pazifische Felsenaustern gezüchtet. Mexiko ist eines der wenigen Länder der Welt in denen diese Austernart nicht dominant ist, der Anteil beträgt lediglich 2,4 Prozent.
Die Nachfrage nach Austern ist in Mexiko normalerweise groß, wenn auch mit starken konjunkturellen Schwankungen. In einigen Küstenstrichen ist allerdings Gewässerverschmutzung ein Problem, Fälle von Vergiftungen durch Austern haben die Nachfrage zeitweise gedämpft und behindern auch den Export.
USA
Die USA sind ein mengenmäßig bedeutender Produzent von Austern. Etwa zwei Drittel davon entfällt auf die Ostküste der USA, wo hauptsächlich die Amerikanische Auster (Crassostrea virginica) kultiviert wird. Man findet Austernzucht entlang der gesamten Ostküste, die größten Mengen werden aber in den südlichen Bundesstaaten und im Golf von Mexiko produziert. Die Amerikanische Auster der Ostküste wird selten kultiviert, in der Regel werden Austernriffe mit Schleppnetzen () abgefischt. Durch Überfischung und Gewässerverschmutzung gehen die Bestände aber zurück, vor allem in den nördlichen Bundesstaaten.
Die bedeutendsten Austernvorkommen befanden sich ursprünglich in der ) geschlürft, zum Teil industriell verarbeitet. Die bekannteste Gourmet-Auster ist die ??, benannt nach dem gleichnamigen Austernzuchtbetrieb in ( (, wird aber heute für Austern unterschiedlichster Herkunft verwendet und ist einfach nur synonym für ?gute Austern?. In den USA werden auch kleine Mengen der Europäischen Auster (Ostrea edulis) sowie der japanischen Kumamoto-Auster (Crassostrea sikamea) produziert.
Kanada
In Kanada werden 14.000 Tonnen Austern pro Jahr produziert, zu ziemlich genau gleichen Teilen die Amerikanische Auster und die Pazifische Felsenauster. 90 Prozent der Austern stammen aus Austernkultur, 10 Prozent werden durch Austernfischerei gewonnen.
Die Austernproduktion konzentriert sich im südwestlichen Teil des Sankt-Lorenz-Golfs, wo das Wasser für kanadische Verhältnisse warm ist. Das Zentrum findet sich auf den , speziell in der großen Bucht von . Die dort gewonnen Amerikanischen Austern gelten als die besten Kanadas. Auch aus dem südlich der -Bucht gelegenen kommen hochwertige Austern. Ein weiteres wichtiges Gebiet für Austernzucht ist die Bucht von an der Küste von .
In Kanada werden Austern gelegentlich geschlürft, meist aber auf viele verschiedene Arten zubereitet. Die Qualitätsstufen kanadischer Austern heißen in aufsteigender Folge ??, ?, ?? und ??. Gourmet-Austern werden oft nach dem Herkunftsort benannt, wobei neben der berühmten ?? auch die ??, die ?? und die ?? einen guten Ruf genießen.
Zahlen und Daten
Pro Jahr werden weltweit 4,2 Mio. Tonnen Austern in Aquakultur produziert. Der überwiegende Teil davon kommt aus China, das bei einer Jahresproduktion von 3,7 Mio. Tonnen 81,6 Prozent Weltmarktanteil hat (2003). Auf den Plätzen folgen Japan, Nordkorea und Frankreich. In Europa folgt hinter Frankreich Irland, die Niederlande und Spanien. Nach Kontinenten gegliedert kommen 94 Prozent aller Zuchtaustern aus Asien und je 3 Prozent aus Europa und Nordamerika. Für die Austernzucht ist die robuste und schmackhafte Pazifische Felsenauster besonders geeignet, auf sie entfällt 93,7 Prozent der Weltproduktion (2003).Austernproduktion 2003 (Tonnen) in ausgewählten Ländern:
Quelle: FAO/FIGIS
Literatur
* George V. Matthiessen: Oyster Culture. Fishing News Books, Oxford 2001, ISBN 0-85238-279-0
Siehe auch
Austern
Austern (Speise)
Pazifische Felsenauster
Europäische Auster
Aquakultur
Weblinks
• Informationsseiten über Austern
• Austern in Marennes-Oléron (franz.)

