Aussersihler Viadukt
von 1898: Der Aussersihler Viadukt schwingt sich quer über das Bild vom Depot F (rechts) zum letzten Rest des Erddamms (links).]]Der Aussersihler Viadukt ist ein 834 Meter langer Eisenbahnviadukt in der Stadt Zürich, der seit dem 18. August 1894 in Betrieb ist. Er führt vom Depot F quer über das Gleisfeld gegen den Bahnhof_Wipkingen hin. Die heutige bahnamtliche Bezeichnung ist Bahnhof Zürich, die er mit dem östlich angebauten tieferen und 823 Meter langen Letten-Viadukt teilt.
Geschichte
Der Aussersihler Viadukt wurde ab 1875 von der Schweizerischen_Nordostbahn (NOB) geplant und von 1891 bis 1894 innerhalb dreieinhalb Jahren fertiggestellt. Die Arbeiten standen unter der Leitung von NOB-Oberingenieur Robert Moser. Bei dem Viadukt handelte es sich um eine künstliche Verlängerung der Strecke_Zürich?Oerlikon?Winterthur, um den Vorspann- und Schiebedienst auf der Steilstrecke über den rund 600 Meter langen Erddamm an Stelle der heutigen Röntgenstrasse von der Langstrassen-Barriere bis zum Sihlquai (an der Limmat) abzulösen. Er ist aus behauten Natursteinen erbaut und verfügt über 63 Hauptöffnungen, deren grösste eine Weite von 22.72 m aufweist. Die meisten davon sind gemauerte Bogen. Der Letten-Viadukt hat zwei Öffnungen weniger, dafür mit 24.46 m eine leicht grössere Spannweite. Bei Strassendurchlässen sind Fachwerkbrücken eingebaut. Die Bogenfachwerkbrücken über das Gleisfeld des Zürcher Vorbahnhofes wurden nach über hundert Jahren 2000 bis 2002 durch Spannbetonbrücken ersetzt. Der Aussersihler Viadukt endet an einem kurzen Stück des alten Bahndammes von 1855. Die Strecke führt dann über die 103 Meter lange Limmatbrücke (bahnamtlich Sihlquai Limmat geheissen), deren letzter Teil über die Wasserwerkstrasse noch aus dem Jahre 1855 stammt.
Am 2. Dezember 1940 wurde der Viadukt bombardiert. Dabei wurden Viadukt, Fahr- und Speiseleitung beschädigt. Drei Bahnbeamte wurden schwer, zwei weitere leicht verletzt. Bis 1941 war der Aussersihler Viadukt Bestandteil des längsten zusammenhängenden Brückenbauwerkes der Schweiz. Zwischen 1940 und 1960 sowie 2005 wurde der Viadukt umfassend saniert.
In den späten 1990er-Jahren wollten die SBB den Aussersihler Viadukt unter dem Projektnamen File Rouge um ein bis zwei Gleise ostwärts erweitern, um die Kapazität der Linie Zürich HB?Oerlikon zu erhöhen. Der anschliessende Tunnel wäre zweigleisig geblieben. Dabei wären die Züge den Anwohnern drei Meter vor den Fenstern vorbeigefahren oder Häuser unter den Viadukt zu stehen gekommen. Aus dem Widerstand des Quartiers entstand die kantonale Volksinitiative für einen Durchgangsbahnhof mit anschliessendem Weinbergtunnel.
Stimmen zum Aussersihler Viadukt
* «Ein grandioses Bauwerk.» Neue Zürcher Zeitung, August 1894 zu Eröffnung.
* «Die Trassébauten von damals bilden noch heute eine Sehenswürdigkeit.» Neue Zürcher Zeitung, August 1984 zum 90. Geburtstag.
* «Der bestehende Bahnviadukt ist gleichzeitig städtisches Markenzeichen und ein stark quartiertrennendes Bauwerk.» Stadtbaumeister Hans Rüegg 1990 in einem Brief an die SBB.
Literatur
* Etienne Ruedin, Marcel Schönbächler: Der Eisenbahnviadukt von Aussersihl übers Industriequartier nach Wipkingen. CVP Zürich 5, Zürich 2002 (Neujahrsblatt Industriequartier).
* Robert Schönbächler: Kreis 5: Brücken, Viadukte, Unterführungen und der öffentliche Verkehr. CVP Zürich 5, Zürich 2004 (Neujahrsblatt Industriequartier)
* I. Siedentop: Brückenland Schweiz. Orell Füssli, Zürich 1978.
* Hans G. Wägli, Sébastien Jacobi, Roland Pobst: Schienennetz Schweiz. SBB, Bern 1990.

