August-Hermann-Francke-Schule
Die August-Hermann-Francke-Schule (AHFS) in Realschul- und Gymnasialzweig einschließlich gymnasialer Oberstufe. Die der evangelikalen Bewegung nahestehende Schule ist seit 1988 staatlich anerkannt. Sie wird von ca. 680 Schülern, davon ca. 120 Grundschülern besucht. Der Name leitet sich vom Wegbereiter des Pietismus, dem Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663?1727) ab, der in Halle die Franckeschen_Stiftungen gegründet hatte.
Leitziel der Schule und Aufnahmekriterien
Leitziel der Schule ist eine ?im biblischen Menschenbild begründete Pädagogik?. Für die Mitarbeiter der Schule sollen der Glaube an die Dreieinigkeit Gottes und an die Autorität der Bibel Grundlage ihrer Arbeit sein. Die Aufnahme der Schüler richtet sich grundsätzlich nicht nach der sozialen Herkunft, dem politischen oder weltanschaulichen Hintergrund, die Eltern müssen allerdings die Ziele der Schule bejahen und die Arbeit der Lehrerschaft unterstützen. Weiter muss ein Schulgeld entrichtet werden, dessen Höhe sich nach den Einkommensverhältnissen der Eltern richtet.
Schulträger
Schulträger ist der als gemeinnützig anerkannte ?Christliche Schulverein Gießen e. V.?. Mitglieder des Schulvereins entstammen unterschiedlichen Berufsgruppen, Kirchen und Gemeinden. Die Mitgliedschaft in dem Trägerverein hängt davon ab, ob die besondere biblische und pädagogische Prägung der Schule mitgetragen werden kann. Über die Aufnahme eines Mitglieds entscheidet allein der Vorstand des Trägervereins. Erster Vorsitzender ist Prof. Bernd Schirrmacher.
PISA-Ergebnisse
Im Rahmen der internationalen Studie ?Programme for International Student Assessment? (PISA) erzielte die August-Hermann-Francke-Schule im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt im Bereich der mathematischen Kompetenz überdurchschnittliche, im Bereich der Lesekompetenz und der Naturwissenschaften dem Bundesdurchschnitt entsprechende Ergebnisse.
Kritik
Im Herbst 2006 geriet die Schule in die öffentliche Diskussion, da sie im Biologieunterricht neben der Evolutionstheorie auch die Schöpfungslehre (Kreationismus) darstellt. Beschwerden mehrerer Eltern beim hessischen Kultusministerium drei Jahre zuvor hatten keinen Erfolg gebracht, da nach Überprüfung durch die Schulämter keine Verstöße festgestellt werden konnten. Privatschulen seien berechtigt, ihre Lehrpläne entsprechend ihrer Ausrichtung zu ergänzen. Der Schule wird von ihren Kritikern ?Sektiererei?, ?fehlendes Demokratieverständnis? und ?fundamentalistisches Gepräge? vorgeworfen.
Auslöser für die Diskussion war die Fernsehsendung Von Göttern und Designern ? Ein Glaubenskrieg erreicht Europa des Senders ARTE im Rahmen eines ?Themenabends? am 19. September 2006, in der die August-Hermann-Francke-Schule als Beispiel für einen auch in Europa im Vordringen begriffenen christlichen_Fundamentalismus und die damit zusammenhängende Verbreitung der Idee des ?Intelligent Design? genannt wurde. Der Sender stützte sich hierbei auf Aussagen eines ehemaligen Lehrers und Leiters der Sekundarstufe II, ehemaliger Schüler und ihrer Eltern.
Von Seiten der Evangelischen_Zentralstelle_für_Weltanschauungsfragen (EZW) wurde an der Sendung ein undifferenzierter Gebrauch des Begriffes ?Fundamentalismus? kritisiert: es sei unzutreffend, die Anhänger der biblischen Schöpfungslehre so zu benennen. Im Übrigen müsse eine Hinterfragung und Gegenüberstellung der wissenschaftlichen Evolutionstheorie im Unterricht möglich sein. Die Schule biete vor allem eine an Werten orientierte Erziehung und sei insbesondere deshalb gefragt. Mitarbeiter der Studiengemeinschaft Wort und Wissen ? ein Verein, der in der Öffentlichkeit als deutscher Hauptvertreter des Kreationismus wahrgenommen wird ? warfen der Berichterstattung die Schürung von Ängsten vor. Die Konferenz Evangelikaler Publizisten äußerte die Meinung, durch die Bezeichnung als ?Glaubenskrieg? werde der jüdisch-christliche Glaube karikiert und in unangemessene Nähe zu islamischen_Fundamentalisten gerückt.
Das hessische Kultusministerium veranlasste nach der Arte-Sendung eine erneute Überprüfung der August-Hermann-Francke-Schule durch das staatliche Schulamt, die aber zum gleichen Ergebnis kam wie drei Jahre zuvor: Die Schule bewege sich innerhalb der Vorgaben des hessischen Lehrplans, der für das Thema Evolution in der Jahrgangsstufe 13 ausdrücklich ?Auseinandersetzungen mit philosophischen und religiösen Aussagen? fordere; weder an der Qualifikation der Lehrkräfte noch am Erreichen der staatlichen Abschlüsse bestünden Zweifel.
Weblinks
• Arte zu dem Themenabend ?Von Göttern und Designern ? Ein Glaubenskrieg erreicht Europa?
* Berichterstattung der Medien:
*• ?Vor uns die Sintflut? (Der Spiegel, 19. September 2006)
*• ?Bibel-Design? (taz, 19. September 2006)
*• ?Ministerium prüft Vorwürfe gegen Lehrer? (Hessischer Rundfunk, 20. September 2006)
*• ?Arte und der fundamentalistische Glaubenskrieg? (pro, 20. September 2006)
*• ?EZW-Experte: Kulturkanal Arte beleidigt Christen? (idea, 21. September 2006)
*• ?Fundamentalismus-Vorwurf: Christliche Privatschule wehrt sich? (Hessischer Rundfunk, 2. Oktober 2006)
*• ?Berichterstattung über Kreationismus: Rufmordkampagne gegen Christen? (pro, 2. Oktober 2006)
*• ?Schulamt: Unbefangenheit steht nicht in Frage? (Gießener Anzeiger, 4. Oktober 2006)
*• ?Die neue Art der Schöpfung macht Schule? (Stuttgarter Zeitung, 9. Oktober 2006)
*• ?Vorgaben des Lehrplans eingehalten? (Gießener Anzeiger, 10. Oktober 2006)
• Stellungnahme der Schule zu den Vorwürfen

