Augsburger Rathaus
Das Augsburger Rathaus gehört zu den eindruckvollsten Rathäuser Deutschlands und zu den bedeutenden Renaissancebauten nördlich der Alpen.
Der Bau
Am 25. August 1615 erfolgte die Grundsteinlegung durch den damaligen Stadtbaumeister Elias Holl. Im März 1620 wurden die Außenarbeiten abgeschlossen und 1624 der Innenausbau. Es gilt allgemein als der wichtigste Profanbau der Renaissance nördlich der Alpen.
Auf der Frontseite des Rathaus, gesehen vom heutigen Rathausplatz, befindet sich auf dem oberen First ein mächtiger Reichsadler. Es war bei seinem Bau das erste bisher bekannte Gebäude, das über sechs Stockwerke hatte.
Die Bauzeit
Ursprünglich sollte das 1385 erbaute gotische Rathaus, Anfang des 17.Jahrhundert nur umgebaut werden, um die Ansprüche für Reichstage, die in Augsburg stattfanden, zu erfüllen. Die Stadtregierung beauftragte 1609 den bekannten Stadtbaumeister Elias Holl einen Umbauplan für das gotische Rathaus zu entwerfen. Elias Holl tat sich schwer, einen geeigneten Umbauplan für das schon 200-jährige Rathaus zu entwerfen. Schließlich konnte er nach sechsjähriger Planungsphase der Stadtregierung einen Umbauplan vorstellen. Doch die Stadträte stimmten den Plan des Baumeister Elias Holl nicht zu, jedoch bekam von der städtischen Regierung die überraschende Nachricht, er solle das alte gotische Rathaus abreißen und einen prächtigen Neubau schaffen. Elias Holl entwarf sogleich einen Bauplan für das neue Rathaus, das im Stil der Renaissance erbaut werden sollte Bereits am 25. August 1615 war Grundsteinlegung. Ursprünglich sollte das Rathaus keine Türme haben, jedoch konnte sich Elias Holl im Jahre 1618 durchsetzen, die bekannten Zwiebeltürme neben dem Giebel zu erbauen. 1620 konnte man die Außenarbeiten, 1624 die Innenarbeiten nach neunjähriger Bauzeit beenden.
Im Inneren des Rathauses ließ Elias Holl drei übereinander liegende Säle errichten.
Im Erdgeschoss beim Hauptportal der sogenannte Untere Fletz, darüber der Obere Fletz.
Der eindrucksvollste und prächtigste Saal ist jedoch als oberste Saal der ?Goldene Saal? ein mit Wandmalerein, goldenen Verzierungen und edlen Wandkasseten geschmückter Repräsentationsort. Neben dem Saal befinden sich die Fürstenzimmer, die als Rückzugsraum für die hohen Gäste entworfen wurden.
Die Kosten betrugen auf etwa 100.000 Gulden (umgerechnet bis zu 4 Mio. ?).
Kurz nach Eröffnung des Augsburger Rathauses wurde die Stadt durch den Dreißigjährigen_Krieg stark beeinträchtigt. War Augsburg vor dem Krieg eines der bedeutenden
Wirtschaftszentren auf dem Kontinent, befand sich die Freie Reichsstadt nach Ende des Krieges am Boden. Sie verlor nicht nur ihre Vormachtstellung, die Sie über Jahrhunderte in Europa hatte, sondern auch über die Hälfte Ihrer Bevölkerung.
Die Reichstage, wofür das Rathaus ursprünglich erbaut wurde, fanden nun in anderen deutschen Städte statt.
Nur einmal im 17. Jahrhundert war das Rathaus Schauplatz eines überregionalen Festes, als im Jahre 1690 der König_Joseph_I. im Goldenen Saal sein Krönungsbankett abhielt.
Bei einem nächtlichen Bombenangriff britischer Truppen am 25./26. Februar 1944 wurde das Rathaus schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurde die Fassade wiederaufgebaut und ab 1955 wurde das Haus wieder als Rathaus genutzt. 1980 bis 1984 wurde der Bau vollständig saniert, unter anderem wurden bauliche Veränderungen späterer Jahrhunderte korrigiert und die Farbgebung der Fassade nach historischen Unterlagen erneuert. Außerdem wurde der große Prunksaal, der Goldene_Saal, aus der Spätrenaissance mit seiner Kassettendecke, seinen Portalen und Wandmalereien wiederhergestellt. Am 9. Januar 1985 fand die Wiedereröffnung im Rahmen des 2.000-jährigen Stadtjubiläums statt.
Nördlich des Rathauses befindet sich die Perlachkirche mit dem Campanile (Perlachturm). Rathaus und Perlachturm begrenzen den Rathausplatz gemeinsam nach Osten hin und sind das Wahrzeichen von Augsburg.
Innenaustattung
Unterer Fletz
Der Untere Fletz befindet sich im Erdgeschoss direkt hinter dem Hauptportal. Der Saal ist in monumentalen
Stil erbaut. Er ist dreischiffig ausgestattet und hat einen Marmorboden. Die Säulenhalle mit prächtiger Holzdecke die sich über dem Saal befand wurde im 2.Weltkrieg durch Luftangriffe zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Goldene Saal
siehe Goldener Saal
Oberer Fletz
Ursprünglich befanden sich im Oberen Fletz die Amtszimmer der Augsburger Ratsherren. Er wurde durch Umbauten zu einem Versammlungssaal. Die Fläche des Saal beträgt 560 Quadratmeter. Es passen bis zu 300 Sitz- und 600 Stehplätze in den Saal. Er wird des öfteren für Besuche höherer Persönlichkeiten benutzt.
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Das Rathaus - heute
Nach dem Abschluss der kompletten Sanierung 1985 finden im Rathaus Dauerausstellungen, zur Geschichte der Reichstadt sowie zu den Partnerstädten statt. Regelmäßig finden im Unteren Fletz Wechselausstellungen für jeden Besucher offen.
Der Goldene Saal wird als Veranstaltungsstätte von Politikbesuchen, klassischen Konzerten und feierlichen Übergaben benutzt.
Das Augsburger Rathaus gilt als eines der meist besuchten Sehenswürdigkeiten in der bayerischen Großstadt. Der Untere Fletz und Obere Fletz sowie der Souvenirshop im Erdgeschoss können, ausgenommen geschlossene Veranstaltungen, kostenlos besucht werden. Für den Besuch des Goldenen Saal muss Eintritt bezahlt werden.
Ferner befinden sich im Rathaus Büros verschiedener regionaler Parteien.
Bis zum März 2007 befand sich im Erdgeschoss ein Polizeirevier, die Rathauswache, sie befand sich über hundert Jahre im Augsburger Rathaus und wurde Aufgrund des Zusammenschlusses mehrerer Innenstadtreviere zu einem zentralen Revier geschlossen worden. Viele Augsburger Bürger bedauerten die Schließung dieser Augsburger Institution.
Im südlichen Teil des Rathauses befindet sich die Traditionsgaststätte ?Ratskeller?, die eine Terrasse zur Ostfassade auf dem Elias-Holl-Platz hat.
Siehe auch: Rathaus (unter anderem weitere berühmte repräsentative Rathäuser)
Weblinks
• Augsburger Rathaus (Stadt Augsburg)
• Augsburger Rathaus (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)

