Augsburger Altstadt
]]Die Augsburger Altstadt ist ca. 200 Hektar groß; um 1600 wohnten hier ca. 45.000 Menschen. Das Gebiet innerhalb der Stadtmauern ist in mehrere Stadtteile gegliedert, die das räumliche Wachstum nachzeichnen: Die Domstadt, die südlich daran anschließenden Stadtquartiere entlang der Maximilianstraße, der ehem. Via Claudia Augusta, im Norden die Frauenvorstadt (deren Name vom Dom zu Unserer Lieben Frau abgeleitet ist), und die Jakober-Vorstadt mit dem Haus der Jakobspilger.
Seit 1938 ist Augsburg in "Stadtbezirken" gegliedert. Die Altstadt erstreckt sich über einen großen Teil dieser vier von insgesamt 41 Bezirken: "Lechviertel, östl. Ulrichsviertel", "Innenstadt,_St._Ulrich_?_Dom", "Jakobervorstadt ? Nord" und "Jakobervorstadt ? Süd". Auf alten Stadtplänen wird die Stadt auch in Obere (=Südliche), Mittlere und Untere (=Nördliche) Stadt eingeteilt.
Durch das Terrain der Augsburger Altstadt verläuft, etwa parallel der Linie Maximilianstraße, Karolinenstraße, Hoher Weg, Frauentorstraße eine Hangkante. Die wichtigsten Bauwerke ? der Dom, das Rathaus mit dem Perlachturm und die ehem. Benediktiner-Abteikirche St. Ulrich und Afra, die Grablege der Stadtheiligen, liegen teilweise direkt an der Hangkante; in Silhouette werden damit die prägenden Mächte der Stadtgeschichte deutlich: Der Bischof, die Bürger und der Kaiser (Maximilian_I. legte den Grundstein zum Chor von St. Ulrich und Afra, weshalb das Gebäude auch "Reichsgotteshaus" genannt wurde).
Räumlich-städtebaulich fällt das Fehlen eines zentralen Hauptmarkts auf, die Märkte zogen sich entlang der Straßen, vor allem der heutigen Maximilianstraße (damals Weinmarkt). Die Straßenzüge sind sanft geschwungen und laufen meist auf wichtige Bauwerke zu; Plätze entwickeln sich aus den Straßenräumen, wie zum Beispiel in der Philippine-Welser-Straße (Heumarkt). Als besonderer Akzent rhythmisieren die großen Brunnenanlagen Augsburgs die Straßenräume. Die Platzwände sind zum Teil bestimmt von verputzten Fassaden, die bemalt oder mit flachem Stuck versehen sind. Meist sind Erker ? Flach- oder Eckerker ? als "Wegmarken" die einzigen stark plastischen Merkmale der überwiegend traufständigen Wohnhäuser. Höhepunkte der großbürgerlichen Architektur sind die Fuggerhäuser, das heutige Maxmuseum, das Roeck-Haus, das Koepf-Haus und das Schaezlerpalais mit seinem exquisit ausgestatteten Rokokosaal.
Unterschiede in der Gestaltung der Bauwerke und des Straßenbildes sind in den einzelnen Stadtvierteln zu erkennen: In den Wohngebieten der reichen Bevölkerungsschicht herrschen breit gelagerte Fassaden vor, enger parzelliert sind die Handwerkerviertel mit ihren zahlreichen Kanalanlagen. Gartenmauern und Domherrenhäuser bestimmen die Wohngebiete des Klerus im Umfeld der bischöflichen Residenz mit ihrem Hofgarten. Eine Besonderheit bietet auch im Stadtbild die Fuggerei als frühe Reihenhaussiedlung; ein ähnliches Erscheinungsbild zeigen die "Schlossermauer" und die "Herrenhäuser".
Zahlreiche Kirchenanlagen, oft Klosterkirchen, bilden den Bezugspunkt für die umgebenden Viertel. Daneben wurden ? zum Beispiel von Elias Holl ? prachtvolle städtische Gebäude, wie das Rathaus, das Zeughaus, die Metzg oder das Kaufhaus errichtet, die großartige Platzrahmungen ergeben.
Von den Stadtmauern sind nach den Schleifungen im 19. Jahrhundert nur Teile, etwa das Rote Tor mit den bemerkenswerten Wassertürmen, erhalten. Die ehemaligen "Innentore", Relikte älterer Mauerzüge und repräsentative Eingänge zur Inneren Stadt, wurden bereits im 19. Jahrhundert restlos abgebrochen.
Eine Spezialität waren die Gartenanlagen innerhalb und außerhalb der Stadtmauern, von denen nur wenige Reste erhalten sind (Schaezlerpalais, Höhmann-Haus)
Die Augsburger Altstadt wurde im Zweiten_Weltkrieg stark zerstört, zum Großteil aber auf der überkommenen Parzellierung wieder errichtet. An zwei Stellen wurde radikal in das historische Gefüge eingegriffen: Am stark vergrößerten Rathausplatz (hier stand die Augsburger Börse) und mit der "Ost-West-Achse". Bis heute blieben jedoch sehr große Teile der altstädtischen Bebauung erhalten.

