Akupunktur
Akupunktur (Lat.: acus = Nadel, punctio = das Stechen), auf Hochchinesisch zh?n ji? (??), ist ein Teilgebiet der Traditionellen_Chinesischen_Medizin (TCM).Historisches
Tätowierungen, die bei der Gletscherleiche Ötzi von etwa 3340 v. Chr. gefunden wurden, dienten möglicherweise therapeutischen Zwecken und befinden sich teilweise in der Nähe aus der chinesischen Medizin bekannter klassischer Akupunkturpunkte. L. Dorfer, M. Moser et al.: [http://www.akupunktur-arzt.de/oetzi/science.htm 5200-Year-Old Acupuncture in Central Europe?], Science, 9. Oktober 1998, Vol. 282
Die erste zur Zeit bekannte schriftliche Erwähnung der Akupunktur und Moxibustion stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Der chinesische Historiker Sima Qian erwähnt in seinen Aufzeichnungen erstmals Steinnadeln. Neuere Grabfunde enthalten Indizien, dass ähnliche Instrumente bereits vor ca. 5000 bis 6000 Jahren verwendet worden sein könnten. Alternativ zu Steinnadeln wurden damals auch Bambussplitter oder Fischgräten verwendet.
Die älteste Sammlung chinesischer medizinischer Schriften Innere Klassiker des Gelben Kaisers (Huangdi Neijing) aus der Zeit zwischen 200 Jahre vor und nach der Zeitenwende integriert die Aku-Moxi-Therapie in die damalige Medizin und beschreibt verschiedene Nadeln (aus Metall), Stichtechniken, Indikationen für die Anwendung bestimmter Punkte. In diesem Werk wurden bereits 160 klassische Punkte entlang der wichtigsten Leitbahnen beschrieben.
Das erste historisch eindeutig datierbare Werk über Aku-Moxi ist Der Systematische Aku-Moxi-Klassiker (Zhenjiu jiayjing) von Huang Fumi (215?282). Darin werden eine klare Terminologie, eine Topologie von 349 Akupunkturpunkten und systematische Hinweise auf deren Wirkung beschrieben.
Weitere historische Werke sind die Erläuterungen der 14 Hauptleitbahnen von Hua Boren (1341), die Untersuchungen über die acht unpaarigen Leitbahnen von Li Shizhen (1518?1593), sowie die Summe der Aku-Moxi-Therapie von Yang Jizhon (1601).
Die erste Erwähnung der Akupunktur (das Stechen mit Nadeln zu therapeutischen Zwecken) in Europa findet man im Jahr 1675. Der Holländer De Bondt erwähnt in W. Pisos Werk De utriusque Indiae Beobachtungen über diese Therapieform aus Japan.
Der Begriff Akupunktur wurde von Pekinger Jesuitenmönchen im 17. Jahrhundert geprägt; er setzt sich aus den lateinischen Wörtern acus (= Nadel) und punctura (= Stich) zusammen, bedeutet also ?Therapie mit Nadeln?.
1683 verfasste Willem Ten Rhyne (Arzt der Ostindischen Handelskompanie) einen ausführlichen Bericht in dem er die klinischen Wirkungen der Nadelstichtherapie beschreibt und auch den Begriff der Akupunktur erstmals erwähnt.
Die erste bekannte deutschsprachige Veröffentlichung über Akupunktur stammt aus dem Jahr 1824. Es handelt sich dabei um eine Übersetzung von A Treatise on Acupunturation des Engländers James M. Churchill.
Die geschwächte Mandschu-Dynastie versuchte Ende des 19. Jahrhunderts China zu modernisieren, was unter anderem ein Verbot der Akupunktur beinhaltete. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Auch spätere politische Bestrebungen im kommunistischem_China, Akupunktur zu verbieten, um die gewünschte Umorientierung des Gesundheitssystems in Richtung eines wissenschaftlichen Fundaments zu fördern, setzten sich nicht durch. Stattdessen gelangte die Kommunistischen_Partei_Chinas zu der Auffassung, dass das Land zu wenige nach wissenschaftlichen Standards ausgebildete Mediziner besaß, um es allein mit ihnen medizinisch versorgen zu können. Daher wurden etwa 500.000 praktizierende Traditioneller Chinesischer Medizin ins staatliche Gesundheitssystem eingestellt. Dies war mit der Hoffnung verbunden, dass sie mit der Zeit immer stärker wissenschaftliche Arbeitsweisen übernehmen würden. Trotzalledem sind TCM und Akupunktur bis heute in China neben der wissenschaftlich betriebenen Medizin weit verbreitet und wurden inzwischen sogar ins universitäre Bildungssystem integriert.Arthur Taub: [http://www.vet-task-force.com/Acuref1.htm ACUPUNCTURE: Nonsense With Needles]
Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts drang die Traditionelle Chinesische Medizin und mit ihr die Akupunktur verstärkt in den Westen vor.
Konzept der Akupunktur
Das chinesische Wort für Akupunktur besteht aus zwei Teilworten, die die Hauptanwendung der Akupunktur beschreiben, nämlich
# dem Einstechen der Nadel in die Akupunkturpunkte und
# dem Erwärmen (Moxibustion) der Punkte.
(1368?1644). Bibliothèque Nationale, Paris]]
In der Akupunktur wird die Existenz von 361 Akupunkturpunkten angenommen, die auf den Meridianen angeordnet sind. Demnach gibt es zwölf Hauptmeridiane, die jeweils spiegelverkehrt auf beiden Körperseiten paarig angelegt sind, acht Extrameridiane und eine Reihe von so genannten Extrapunkten. Nach Meinung der Anhänger der Traditionellen_Chinesischen_Medizin wird durch das Einstechen der Nadeln der Fluss des Qi beeinflusst.
Die traditionsgemäß verwendete Maßeinheit für das Aufsuchen von Einstichpunkten ist das Cun, das sich von der Breite des Daumens der akupunktierten Person ableitet.
Die Akupunktur gehört zu den Umsteuerungs- und Regulationstherapien.
Noch älter als die Akupunktur ist die Akupressur. Hier werden die Punkte mit Hilfe der Fingerkuppen massiert.
Das Konzept der Ohrakupunktur (auch Auriculotherapie genannt) wurde vom französischen Arzt Paul Nogier entwickelt. 1954 berichtete er erstmals in der Deutschen Zeitschrift für Akupunktur über seine Erfahrungen und 1961 stellte er seine Diagnose- und Therapieform auf einem Akupunkturkongress in Deutschland vor. Die Behandlung über das Ohr ist zwar auch aus der chinesischen Akupunktur bekannt, es werden dort jedoch nur wenige Punkte ? und diese auch nur selten ? verwendet.
Daneben besteht noch das Konzept der koreanischen Handakupunktur, bei der die Meridiane fast komplett auf den Händen abgebildet sind, sowie das der Schädelakupunktur mit Abbildung der Meridiane auf den Schädel. Ähnliche Vorstellungen stecken auch hinter der Fußakupunktur.
Körpereigene Reizmethoden sind auch in anderen Kulturen bekannt. Bei den Arabern die Skarifizierung der Haut z.B. bei Hexenschuss und bei den Bantu die Perforation der Ohrläppchen.
Durchführung
Eine Akupunktursitzung dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Dabei wird der Patient ruhig und entspannt gelagert, typischerweise liegt er oder sitzt bequem. Vor dem Einstich einer Nadel wird die Stelle und die unmittelbare Umgebung leicht massiert. Während einer Sitzung werden immer so wenige Nadeln wie möglich gestochen, maximal 16. Auch nach der Akupunktur sollte der Patient eine Zeit lang noch entspannt verharren. Eine komplette Therapie umfasst in der Regel 10 bis 15 solcher Sitzungen.
Haltung der wissenschaftlichen Medizin
Ein Teil der wissenschaftlichen Medizin sieht es weiterhin als Aufgabe der Forschung an, der hinter der Akupunktur stehenden Theorie der Meridiane und Akupunkturpunkte wissenschaftlich nachzugehen. Ein anderer Teil hält diese Theorie für dermaßen abwegig, dass er keinen Bedarf für genauere Nachforschungen mehr sieht, zumal alle bisherigen Untersuchungen keinen signifikanten Unterschied zwischen Stechen in Akupunkturpunkte und Stechen in beliebige Punkte (?Scheinakupunktur?) finden konnten.
Sowohl Befürworter als auch Gegner der Akupunktur warnen davor, bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs, Multipler_Sklerose oder Schlaganfall Akupunktur anzuwenden. Befürworter begründen, dass dies Gegenanzeigen seien, die die Krankheit durch eine fördernde Wirkung der Akupunktur noch verschlimmern könnten und somit ? beispielsweise bei Krebserkrankungen ? die Zellen zur Vermehrung anregen würden. Eine solche fördernde Wirkung ? wie etwa eine Zellvermehrung ? bestreitet die wissenschaftliche Medizin jedoch. Gegner halten hingegen den Einsatz von Akupunktur bei schwerwiegenden Erkrankungen für gefährlich, da konventionelle Maßnahmen häufig nicht oder erst zu spät eingesetzt werden.
Gerac-Akupunktur-Studien
Mit den gerac-Studien (german acupuncture trials) startete 2002 die bislang größte weltweite prospektive und randomisierte Untersuchung darüber, ob Akupunktur Patienten helfen kann. Denn:
Am 16. November 2005 wurden die Ergebnisse der gerac-Studie zu den Indikationen Migräne und Spannungskopfschmerz präsentiert Ärzteblatt[http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=23293 "....Auch ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere Patient sich vor der Behandlung mit Akupunktur und TCM beschäftigt hat und sich gewundert hat, dass (in der Scheinakupunktur) gar keine Nadeln am Kopf gesetzt wurden?..]. Im April 2006 erschien die Veröffentlichung in The Lancet Neurology zur gerac Migräne-Studie The Lancet Neurology[http://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474442206703829/abstract] Lancet Neurology 2006; 5:310-316, DOI:10.1016/S1474-4422(06)70382-9, Efficacy of acupuncture for the prophylaxis of migraine: a multicentre randomised controlled clinical trial,
Prof Hans-Christoph Diener MD, Kai Kronfeld PhD, Gabriele Boewing MD, Margitta Lungenhausen MD, Christoph Maier MD, Albrecht Molsberger MD, Martin Tegenthoff MD, Hans-Joachim Trampisch PhD, Michael Zenz MD and Rolf Meinert PhD und im Januar 2007 im Deutschen Ärzteblatt Endres, Heinz G.; Diener, Hans-Christoph; Maier, Christoph; Böwing, Gabriele; Trampisch, Hans-Joachim; Zenz, Michael, "Akupunktur bei chronischen Kopfschmerzen" (Acupuncture for the Treatment of Chronic Headaches), Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 3 vom 19.01.2007, Seite A-114
[http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=54176 Kostenlose Online Version], [http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/english.asp English Version].
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener vom Universitätsklinikum Essen stellte bezüglich der Wirksamkeit zusammenfassend fest:Ergänzend ist festzuhalten, dass das Vorgehen bei der o.g. "klassisch chinesischen Akupunktur" teilstandardisiert und -schematisiert an die chinesische Akupunktur angelehnt war. Molsberger A.:[http://www.facm.de/pages/download/presse/gerac/Molsberger.pdf Pressemitteilung von Studienleiter Molsberger]: Pressekonferenz, Bochum, 16. November 2005, Die GERAC-Kopfschmerz-Akupunktur-Studien, PD Dr. Albrecht Molsberger, Düsseldorf: "Verum-Akupunktur nach chinesischen Punktauswahlregeln - teilstandardisiert. Für GERAC wurde eine teilstandardisierte Akupunktur entwickelt, die im Einklang mit der gängigen Anwendungspraxis in deutschen Arztpraxen steht und gleichzeitig die speziellen Anforde-rungen einer wissenschaftlichen Studiensituation erfüllt. Die ausgewählten Punktkombinationen wurden mit der internationalen Literatur (deutsche, englischsprachige und chinesische Lehrbücher) wie auch mit deutschen und internationalen Experten und Fachgesellschaften abgeglichen...."
Akupunkteure wenden ein, die konkreten bei der s.g. "Scheinakupunktur" verwendeten Punkte seien falsch gewählt worden, sie seien großteils keine Scheinpunkte, sondern wirksame Akupunkturpunkte Schriftwechsel mit [http://www.akupunktura.de/Downloads/bmg.pfd Bundesgesundheitsminiterium einschließlich Informationen und akademischer Stellungnahmen aus China].
Inwieweit eine Kontrolle erfolgte, ob die teilnehmenden Ärzte (die in den Glauben versetzt worden waren, bei der Scheinakupunktur tatsächlich unwirksame Punkte zu stechen) z.B. aus ethischen Gründen heraus, auch s.g. "Wirksamkeit von Akupunktur und Scheinakupunktur festzustellen waren, beides jedoch wirksamer war als die konventionelle Standardtherapie zur Behandlung von gonarthrosebedingten chronischen Schmerzen.
Kritiker fragten, ob bei einer Teilstudie, der gerac-Gonarthrose-Studie, wirklich handwerklich sauber gearbeitet wurde und ob nicht Patienten und Telefoninterviewer vorzeitig entblindet wurden. Dieter Wettig: [http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/GERAC-GONARTHROSE.html Die gerac-Gonarthrose-Studie ? Wurden Patienten und Telefoninterviewer vorzeitig entblindet?], zuletzt zugegriffen am 26. April 2006 Dieter Wettig: [http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/Zi/Zeitachse.htm ART- und gerac-Akupunkturstudien: Eine Chronologie], zuletzt zugegriffen am 26. April 2006
Zur Diskussion um die Entblindung aller GERAC Studien siehe auch Entblindung der Studie[http://www.annals.org/cgi/eletters/145/1/12] (Beitrag zur Entblindung der Studie in den Annals of Internal Medicine). Dort schreibt ein Studienleiter sinngemäß, es sei erwünscht gewesen die Probanden über alles zu informieren [http://www.annals.org/cgi/eletters/145/1/12#3726 Norbert Victor, Prof.; PhD Heidelberg University, Steffen Witte, Konrad Streitberger] "....We remain convinced that a publication of study protocols in advance is good scientific practice. Additionally, we like to remind that by ethical reasons in randomised trials study physicians are obliged to inform the patient about all possible therapies they could be allocated....". Die "Annals" brachten zu den GERAC-Studien ausführlich kritische BeiträgeWettig D, Acupuncture and knee osteoarthritis.
Ann Intern Med. 2007 Jan 16; 146(2): 147-8; author reply 148-9. PubMed-ID: 17227940, ISSN: 1539-3704 (Electronic), Erstellungsdatum: 2007 / 01 / 17. ".... The German acupuncture clinical trials (GERAC) for gonarthrosis may have been unblinded by the study authors. Scharf and colleagues used some of the GERAC cohort in their recent study on acupuncture and osteoarthritis of the knee (1). Many print and online publications have provided details of the study design to the public. In Scharf and colleagues? double-blind study, both patients and telephone interviewers were blinded. The reliability of the study depended on not telling patients that real acupuncture points with deep needling were used in the real acupuncture group and that nonacupuncture points with superficial needling were used in the sham acupuncture or placebo group. Recruitment for the study ended around February 2004, and the last interview was conducted around October 2004. However, the following resources published the study design before the study began or ended (2? 6)....Another drawback of the study is that patients who were experienced in acupuncture were allowed to participate: ?Patients, who had acupuncture more than a year ago were allowed to participate, unless it was acupuncture against gonarthrosis? (author translation [5]). Unblinded and acupuncture-experienced patients could easily distinguish between minimal and real acupuncture by simply watching the acupuncturist: Superficial needling meant that the patient belonged to the minimal (sham) acupuncture group. Sham acupuncture patients could then reduce their pain with additional therapy. I believe that many unblinded patients from the sham acupuncture group tended to apply additional therapies (for example, aspirin) without telling anyone that they did so. Patients could easily have received even expensive physiotherapy because they were paid a substantial amount of money for joining and completing the study. This might have led them to keep quiet about (forbidden) additional therapies for fear of financial sanctions when telling the truth. I believe that the results of the sham acupuncture group have been improved substantially by additional therapy....[http://www.annals.org/cgi/content/full/146/2/147-b Annals]
REPLY, Acupuncture and Knee Osteoarthritis, Norbert Victor, PhD; Steffen Witte, PhD; and Konrad Streitberger, MD, 16 January 2007 /'> Volume 146 Issue 2 | Pages 148-149: "Dr. Wettig is right that we have published our study protocol in advance. He correctly cited articles that informed that our study compared TCA and sham acupuncture...." [http://www.annals.org/cgi/content/full/146/2/148 Annals].
Der detaillierte Studienplan war vor Studienende in Bibliotheken ausleihbar [http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/Katalogausz_ge.htm Katalogauszug] Scharf, Hanns-Peter, Prüfplan GERAC - Wirksamkeit und Sicherheit von Akupunktur bei gonarthrosebedingten chronischen Schmerzen / Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. H.-P. Scharf .... - Heidelberg : Inst. für Med. Biometrie und Informatik, 2003. - 75, 5, 46 S. : graph. Darst. ; 30 cm; (dt., engl.)
(Forschungsberichte der Abteilung Medizinische Biometrie, Universität Heidelberg ; Nr. 44)
- und im Internet einsehbar [http://www.biometrie.uni-heidelberg.de/publikationen/44_gerac.pdf] Kompletter Studienplan Gonarthrose: FORSCHUNGSBERICHTE DER ABTEILUNG MEDIZINISCHE BIOMETRIE,UNIVERSITÄT HEIDELBERG, INSTITUT FÜR MEDIZINISCHE BIOMETRIE UND INFORMATIK, RUPRECHT-KARLS-UNIVERSITÄT HEIDELBERG, Nr. 44,
Prüfplan GERAC ? Wirksamkeit und Sicherheit von Akupunktur bei gonarthrosebedingten chronischen Schmerzen, Februar 2003. Siehe dazu auch folgende Beiträge in der [http://www.aerztezeitung.de Ärztezeitung]:
[http://www2.aerztezeitung.de/docs/2005/12/01/217a0205.asp] Gabriele Wagner, Nadeln bei Migräne - warum denn nicht?, Ärzte Zeitung, 01.12.2005: "....Kritisiert wird bei GERAC-Studien etwa, daß Patienten das Studiendesign hätten kennen können, weil es im Internet einsehbar war. Oder daß die Wirkung der Akupunktur nach Kriterien der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) unterbewertet ist, weil nicht alle jeweils wichtigen TCM-Punkte genadelt wurden....", [http://www2.aerztezeitung.de/docs/2005/12/01/217a0203.asp] Die Akupunktur zur Migräne-Prophylaxe ist offenbar ähnlich wirksam wie eine medikamentöse Therapie, von Barbara Voll-Peters und Gabriele Wagner, Ärzte Zeitung, 01.12.2005: "....Andere sagten, daß die GERAC-Ergebnisse nicht aussagekräftig sein können, weil das Studiendesign für jeden, also auch Patienten, im Internet zugänglich und keine Verblindung gegeben war....", [http://www2.aerztezeitung.de/docs/2006/08/03/143a1401.asp] Die Vertragsdoktores sind frustriert: Die Nadel trifft den Akupunktur-Ballon, von Dr. Ludger Beyerle, Ärzte Zeitung, 3. August 2006: "....Als Höhepunkt der "Verblindungsstrategie" wurden die Patienten suggestiv zur Teilnahme an der Studie mit folgendem GERAC-Originalton eingeworben: "Herzlich willkommen bei GERAC? Haben Sie Schmerzen im Knie oder im Rücken? Dann profitieren Sie von GERAC (?) Wenn Sie an den Studien teilnehmen, werden Sie am Ende den Schmerz allemal ausstechen (?) Über die Akupunktur berichten die Patienten Fantastisches (?) Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat uns etwas voraus (?) Bis Mitte 2003 haben Sie die Chance, sich bei einem von 400 ausgesuchten Ärzten behandeln zu lassen. Dann nehmen Sie an Studien teil, die weltweit große Beachtung finden (?) Wir, das Team der Wissenschaftler von GERAC, würden uns freuen, Sie als Patienten in unseren Studien begrüßen zu dürfen....". Ein GERAC Autor gab Entblindungen sogar zu Molsberger A.: [http://www.gerac.de/deu/pdf/3Molsberger2.pdf Zuletzt zugegriffen 2005] Pressekonferenz, Bochum, 16. November 2005, Die GERAC-Kopfschmerz-Akupunktur-Studien, PD Dr. Albrecht Molsberger, Düsseldorf: "....Strenges Studiendesign - Nach unserer Kenntnis ist dies nicht nur die größte sondern auch methodisch rigoroseste Studie zur Akupunktur bei Kopfschmerzen. So wurden zusätzlich zu allen Patienten, bei denen die A-kupunktur eine zu geringe Wirkung zeigte, auch alle diejenigen Patienten als Misserfolg gewer-tet, die entblindet worden sind, die zu wenige oder zu viele Nadeln erhalten hatten oder die bei Spannungskopfscherz als Schmerzmittel so genannte Kombinationspräparate (z. B. Thomapyrin) eingenommen hatten....".
Weiterhin weisen Kritiker der gerac-Studien darauf hin, dass echte Inselrinde (Insula) festgestellt als bei der mit den Nadelattrappen. Hier wurde also ein spezifischer physiologischer Unterschied des Stechens mit Nadeln zum Stechen mit Tricknadeln nachgewiesen.J. Pariente, P. White, R. S. Frackowiak, G. Lewith: [http://www.hospitalveterinario.ufu.br/estrutura/documentos/11_expectancy_belief_pain_2005.pdf Expectancy and belief modulate the neuronal substrates of pain treated by acupuncture.], 1. Mai 2005; 25(4): S. 1161?1167 Es handelt sich jedoch nicht um einen Effekt, der spezifisch für die Akupunktur ist. Eine Aktivität der Inselrinde wurde auch in einer im August 2005 veröffentlichten PET-basierten Studie über die neurologischen Vorgänge beim Auftreten eines durch Spritzen eines Placebos (Kochsalzlösung) ausgelösten Placebo-Effekts festgestellt.J.-K. Zubieta, J. Bueller, L. Jackson, D. Scott, Y. Xu, R. Koeppe, T. Nichols, C. Stohler: [http://www.jneurosci.org/cgi/content/full/25/34/7754 Placebo Effects Mediated by Endogenous Opioid Activity on µ-Opioid Receptors], The Journal of Neuroscience, 24. August 2005, 25(34):7754?7762
Das National Institute of Health (NIH), eine Organisation der US-Gesundheitsbehörde, veröffentlichte 1997 eine Stellungnahme, die die offizielle Meinung des Instituts nach Auswertung verschiedener Akupunktur-Studien darstellt. Es bemängelt die mangelhafte handwerkliche Qualität der meisten Studien z. B. in Bezug auf die Größe der betrachteten Probandengruppen und ihrer Konzeption. Weiterhin werde die Situation durch den Umstand verkompliziert, dass es schwer sei, Kontrollgruppen so zu konzipieren, dass man die Effekte von Akupunktur, Scheinakupunktur und Placebo klar voneinander abgrenzen kann. Dies führe zu mehrdeutigen Ergebnissen. Trotzdem ist es der Meinung, dass es vielversprechende Ergebnisse gibt, die darauf hindeuten, dass Akupunktur in manchen Bereichen als ergänzende Behandlungsmethode nützlich sein könnte. Außerdem weist es auf Studienergebnisse hin, die darauf hindeuten, dass Akupunktur Ausschüttungen von Opioiden und anderer Peptide im zentralen_Nervensystem und Änderungen neuroendokriner Funktionen verursacht. Diese Forschungsergebnisse seien vielversprechend genug, um weitere Forschung in diesem Bereich zu rechtfertigen, da sie Erklärungsansätze für die therapeutischen Effekte von Akupunktur liefern könnten. Insgesamt gäbe es einen ausreichenden Nachweis für den Wert der Akupunktur, um eine weitere Ausweitung ihrer Anwendung im Bereich der konventionellen Medizin und weitere Forschung rechtfertigen zu können. National Institutes of Health: [http://consensus.nih.gov/1997/1997Acupuncture107html.htm Acupuncture. NIH Consensus Statement], 3.?5. November 1997, 15(5): S. 1?34
Haltung der Krankenkassen
Alle Privatkassen, Beihilfen und die POST B zahlen Akupunktur normalerweise im Rahmen der GOÄ [http://www.aerztekammer-bw.de/20/goae/index.html].
Gesetzliche Krankenkassen: Am 18. April 2006 gab der Gemeinsame_Bundesausschuss bekannt, dass die Akupunktur im Falle von chronischen Rücken- und Knieschmerzen im Rahmen einer Schmerztherapie als Kassenleistungen anerkannt wird Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Richtlinie ?Methoden vertragsärztliche Versorgung? in Anlage I ?Anerkannte Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden? und in Anlage II ?Methoden, die nicht als vertragsärztliche Leistungen zulasten der Krankenkassen erbracht werden dürfen?: Akupunktur (Vom 18. April 2006/19. September 2006), PP 6, Ausgabe Januar 2007, Seite 36, BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung, [http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=54118 Kostenlose Online Version]. Die Behandlung von Kopfschmerzen durch Akupunktur wird nicht in den Leistungskatalog aufgenommen, da kein Vorteil gegenüber der Standardtherapie festgestellt worden ist. Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses: [http://www.g-ba.de/cms/upload/pdf/abs5/beschluesse/2006-04-18_Akupunktur-Beschluss_WZ.pdf Akupunktur zur Behandlung von Rücken- und Knieschmerzen wird Kassenleistung], 18. April 2006 Ärzte, die Akupunktur bei den Krankenkassen abrechnen wollen, müssen die Zusatzbezeichnung Akupunktur oder das so genannte Akupunkturdiplom besitzen und ab 2008 zwei jeweils 80-stündige Ausbildungen zu den Themen Psychosomatik und Schmerztherapie nachweisen. Sabine Rieser: [http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=23888 Entscheidung zu Akupunktur als Kassenleistung stößt auf Kritik], Deutsches Ärzteblatt, 19. April 2006. Verschiedene Verzeichnisse listen Vertragsärzte oder Vertragsärztinnen (früher Kassenärzte genannt), die die Zusatzbezeichnung Akupunktur haben, so z. B. [http://www.daegfa.de/Patientenportal/Arztsuche.aspx] oder die Arztsuche unter [http://www.kv-hessen.de].
Bis zum 31. Dezember 2006 zahlen fast alle gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland weiterhin Akupunktur im Rahmen der Modellprojekte, also bei den Indikationen chronischer Kreuz-, Kopf-, Kniearthroseschmerz, sowie Migräne. Zur Arztsuche kann man sich auch folgender Verzeichnisse bedienen z. B. [http://www.daegfa.de/Patientenportal/Arztsuche.aspx] oder die Arztsuche unter [http://www.kv-hessen.de]. Ab dem 1. Januar 2007 zahlen alle gesetzlichen Kassen in Deutschland Akupunktur bei chronischen LWS-Schmerzen und chronischen Gonarthrose-Schmerzen nach Beschluss des GBA[http://www.kv-hessen.de/default.cfm?rid=26&frame=body&d_id=3828&bzcheck=0&m_id=138 GBA-Beschluss]. Abgerechnet wird vom Kassenarzt dann nach EBM [http://www.kv-hessen.de/default.cfm?rid=26&frame=body&d_id=3829&bzcheck=0&m_id=138 EBM-Ziffern Akupunktur], Kassenärzte müssen eine Qualitätsrichtlinie beachten [http://www.kv-hessen.de/default.cfm?rid=26&frame=body&d_id=3827&bzcheck=0&m_id=138 Qualitätsrichtlinie Akupunktur] und vorher einen Antrag stellen [http://www.kv-hessen.de/default.cfm?rid=26&frame=body&d_id=3830&bzcheck=0&m_id=138 Antragsformular der KVH].
In der Schweiz ist die Akupunktur die einzige alternativ-medizinische Leistung, die von der Grundversicherung abgedeckt wird.
Am 21. September 2006 hat der deutsche Gemeinsame Bundesausschuss die aktualisierte Beschlusslage in einer PDF Qualifikationsanforderungen akupunktierender Ärzte nun geregelt veröffentlicht. G-BA-PDF: [http://www.g-ba.de/cms/upload/pdf/aktuelles/pm/2006-09-21-MvV-Akupunktur.pdf]
Einsatzgebiete
Von der World Health Organisation (WHO) wurde hierzu eine Indikationsliste
[http://www.atcae.org/untermenue3/who-indika/index.php WHO-Indikationsliste] - ?Deutsch? [http://www.atcae.org/untermenue3/who-indika/index2.php WHO-Indikationsliste] - ?Englisch? erstellt.
Als anerkannte Indikation für eine Akupunkturbehandlung gelten auch chronische Schmerzen, wenn kein körperlicher Befund vorliegt.
Sie wird aber auch zur Linderung von Beschwerden bei Pollinosis (Heuschnupfen) und die Anwendung in der Gynäkologie zur Geburtsvorbereitung, bei Schwangerschaftserbrechen und Regelbeschwerden eingesetzt.
Ferner wird Akupunktur im Bereich der (Akupunktur-)Anästhesie bei kleineren Eingriffen z.B. Zahnbehandlungen angewandt.
Die Weltgesundheitsorganisation gibt Indikationen für Akupunktur u.a. in folgenden Bereichen an:
* Erkrankungen des Atmungssystems (z.B. akute Nasennebenhöhlenentzündung)
* gastrointestinale Störungen (z.B. chronischen Magengeschwüren)
* Schlafstörungen
Bronchialasthma
* neurologische Störungen (z.B. nach Schlaganfällen)
* Augenerkrankungen (z.B. zentrale Retinitis)
* muskuloskeletale Erkrankungen (z.B. Zervikobrachialsyndrom)
* Erkrankungen im Mundbereich (z.B. Schmerzen nach Extraktionen, Gingivitis). V. Sierpina, M. Frenkel: Acupuncture: A Clinical Review., Southern Medical Journal, März 2005; 98 (3), S. 330?337
Das Consensus Panel des National Institutes of Health (NIH) bemängelt zwar die handwerkliche Qualität vieler Studien, weist aber auf vielversprechende Ergebnisse hin, die auf eine Wirksamkeit in den folgenden Bereichen hindeuten:
* Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie oder Operationen
* postoperative Zahnschmerzen
* Übelkeit,Ödeme und Ischialgien während der Schwangerschaft
* Geburtsvorbereitende Akupunktur
Bereiche in denen Akupunktur nach Meinung des NIH als ergänzende Behandlung sinnvoll sein könnten sind:
* Suchterkrankungen
* in der Rehabilitationstherapie nach einem Schlaganfall
Kopfschmerzen
Rückenschmerzen
* Regelbeschwerden
Epicondylitis
Fibromyalgie
* myofasziale Schmerzen
Arthrose
Karpaltunnelsyndrom
Bronchialasthma
Nebenwirkungen
Im Allgemeinen treten bei sachgemäßer Handhabung der Akupunktur kaum Nebenwirkungen auf, wie auch erste Ergebnisse der gerac 2002 bestätigten. Möglich sind
*beim Arbeiten mit unsterilen Nadeln können Infektionskrankheiten wie Hepatitis B, -C und auch AIDS auftreten. Allerdings ist die Infektionsgefahr deutlich geringer als bei Kanülen ? die Haut scheint gegenüber massiven Stahlnadeln eine höhere Keimresistenz zu besitzen bzw. durch das Kanülenlumen kann eine größere Menge potentiell kontaminierten Blutes übertragen werden.
*Organverletzungen wie z. B. ein Pneumothorax (selten) durch eine unbeabsichtigte Verletzung der Lunge.
* die Ausbildung eines Hämatoms an der Einstichstelle
* bei sehr langen Verweildauern von silbernen Akupunkturnadeln kam es laut wissenschaftlichen Studien in einigen Fällen zu einer dauerhaften Verfärbung der Haut die als Argyrose bezeichnet wird.
Wer/Wo darf/sollte nicht akupunktiert werden?
Es gibt verschiedene Gruppen von Menschen, bei denen manche Ärzte von einer Akupunkturbehandlung abraten, zum Beispiel
* Menschen mit Erkrankungen_der_Haut (Ekzeme, Nesselsucht, Dermatitis etc.) an den lokal betroffenen Stellen
* Menschen mit bestimmten Nervenkrankheiten und Sensibilitätsstörungen der Haut (zum Beispiel Polyneuropathien mit eingeschränktem Schmerzempfinden an den lokal betroffenen Stellen)
* Menschen mit bestimmten schweren psychischen_Störungen (zum Beispiel Schizophrenie, Manie, Wahn, jedoch gut möglich bei Depression, Angststörung)
* Epileptiker (wegen der Gefahr eines epileptischen_Anfalls)
* Menschen mit schweren ansteckenden_Krankheiten (beispielsweise Tuberkulose)
* Menschen mit bestimmten Tumorarten
* Menschen mit einem schlechten Allgemeinzustand (in solchen Fällen, neben Notfall- und sonstig indizierten Maßnahmen, manuelle Therapien wie Akupressur, Shiatsu etc. bevorzugen)
* Babys und kleine_Kinder
* In Bereichen akuter Entzündungen, Knochenbrüchen, frischen Verletzungen, akuter Ischialgie
Säuglinge und Kleinkinder können mit der japanischen Kinderakupunktur (Shônishin) behandelt werden. Diese Behandlungsform kommt ohne Nadeln aus, die Haut wird nicht verletzt. Die Akupunkturpunkte, Reflexzonen und Meridianen werden durch Druck, lineares Streichen und Klopfen stimuliert. Eine Meridianmassage kann ergänzend vorgenommen werden.
Des Weiteren besteht die Möglichkeit einer Laser- und Elektroakupunktur.
Ärzte, die die Wirksamkeit von Akupunktur auf den Placebo-Effekt zurückführen, werden Patienten, die nicht an Akupunktur glauben, ebenfalls diese Therapieform nicht empfehlen, da bei ihnen der gewünschte Effekt nicht auftreten wird.
Menschen mit niedrigem_Blutdruck bzw. Kollapsneigung sollten während der Akupunkturbehandlung liegen und sich danach eine Weile ausruhen.
Elektro-Akupunktur darf bei Epileptikern nicht angewandt werden, weil der elektrische_Strom epileptische_Anfälle auslösen könnte. Auch Menschen mit einem Herzschrittmacher dürfen nicht elektro-akupunktiert werden, weil der elektrische_Strom das Gerät irritieren könnte.
Siehe auch
Implantatakupunktur
Softlaser (Laserakupunktur, Lasernadelakupunktur, Blutakupunktur)
Literatur
* Hans P. Ogal, Wolfram Stör und Yu-Lin Lian: Seirin Bildatlas der Akupunktur, KVM-Verlag, ISBN 3-932119-40-1
Weblinks
• Diashow einer Schädelakupunktur
• Diashow einer Elektroakupunktur
• Akupunktur in Skeptic's Dictionary

