Aufstand im Warschauer Ghetto
Aufstand im Warschauer Ghetto bezeichnet den von der Jüdischen_Kampforganisation (polnisch ?ydowska Organizacja Bojowa, kurz ?OB beziehungsweise ZOB) unter der Leitung von Mordechaj Anielewicz, dem ZZW (polnisch ?ydowski Zwi?zek Wojskowy) und anderen Organisationen getragenen Aufstand im Warschauer Ghetto ab dem 19. April 1943. Der Aufstand wurde unter Leitung des SS-Generals Jürgen Stroop niedergeschlagen.thumb|300px|Festnahme_von_Zivilisten_bei_der_Niederschlagung_des_Aufstandes,_der_Junge_mit_den_erhobenen_Armen_wurde_später_als_Tsvi_C._Nussbaum_identifiziert,_der_den_Holocaust_überlebte
Der jüdische Ghetto-Aufstand ist nicht mit dem Warschauer Aufstand zu verwechseln, der im Jahre 1944 in der gesamten Stadt stattfand.
{/'> border=1 width=300 cellpadding=2 cellspacing=0 align=right class="prettytable float-right" style="}"
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!colspan=2 style="}"|Warschauer Ghettoaufstand
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| valign=top|Konflikt|| valign=top| Zweiter Weltkrieg
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| valign=top|Datum|| valign=top| 19. April ? 16. Mai 1943
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| valign=top|Ort|| valign=top| Warschau
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| valign=top|Ergebnis|| valign=top| Deutscher Sieg
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{| border=1 width=300 cellpadding=2 cellspacing=0 style="border: 1px #aaaaaa solid; border-collapse: collapse;"
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!colspan=2 style="}"|Kontrahenten
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| width=50% valign=top| ZZW, freie Widerstandsgruppen
/'> width=50% valign=top| Mordechaj Anielewicz
/'> valign=top| Überfall_auf_Polen. Im Blitzkrieg konnten die Deutschen, sowie ab dem 17. September die sowjetischen Soldaten, Polen einnehmen. Nach nicht einmal einem Monat, am 28. September, kapitulierte die Hauptstadt des Landes, Warschau. Inzwischen waren schon hohe Politiker aller Parteien geflohen. Die jüdischen gingen häufig in die Sowjetunion oder die zu der Zeit noch selbständigen baltischen Staaten und dort hauptsächlich in das ?Jerusalem von Litauen?, nach Wilna. So waren die Mitglieder der jüdischen Parteien, vor allem die der Linken und der Zionisten, ohne Anführer. Doch gingen die Parteien und Organisationen Allgemeiner jüdischer Arbeiterbund (Bund), Poalei Zion, HaSchomer HaTzair, Gordonia, Akiba und Betar in den Untergrund. Sie gründeten kleine Gruppen von 5-10 Mitgliedern, die untereinander diskutierten oder Parteiarbeit leisteten. Als die meisten Führer nach der deutschen Besetzung nach Warschau zurückkehren, konnten sie zum Teil anfangs ihre Anhänger- und Mitgliederzahl erweitern.
Schon im Oktober 1939 verfuhren die Besatzer mit den Juden in Polen so wie mit den Juden in Deutschland, ihre Geschäfte wurden kenntlich gemacht oder sie wurden auf offener Straße verprügelt. Noch im Jahr der Besetzung wurde ein sogenannter Judenrat eingerichtet. Er wurde von Adam Czerniaków geführt, der schon vor dem Krieg in der Kehilla, dem jüdischen Parlament, aktiv war. Der neu gegründete Rat konnte nicht richtig arbeiten, sie konnten fast keine karitativen Einrichtungen unterstützen, die Mitglieder wurden zum Instrument der deutschen Besatzer. Schon 1939 wollten diese ein Ghetto in Warschau errichten lassen. Ein Judenratsmitglied namens Szmul Zygielbojm, ein Mitglied des Bund, berief eine Demonstration ein und hielt eine Ansprache, die einer der ersten öffentlichen Proteste im besetzten Polen war. Erst ein Jahr später, am 15. Oktober 1940, wurde das Ghetto gegründet. Auf 2,4 % der Fläche Warschaus sollten circa 30 % der Bewohner leben.
Im Ghetto waren auch andere Organisationen aktiv, wie das Joint Distribution Commmittee (JDC), eine amerikanischen Hilfsorganisation, das Toz für ärztliche Hilfe, sowie das Centos für Unterstützung von Kindern. Die größte Hilfsorganisation war aber die jüdische Selbsthilfe (?ytos). In dieser Zeit wurden auch die ersten aktiven Selbstschutzgruppen gegründet oder erweitert wie zum Beispiel Tsukunft-Shturm oder Swit von revisionistischen Offizieren. Der bewaffnete Aufstand war noch nicht aktuell, noch lebten mehr als 550.000 Menschen in dem Ghetto. Die Parteien und Hilfsorganisationen versuchten die Gefahr von Typhus und Fleckfieber einzudämmen. Auch die Suppenküchen waren ein wichtiger Aspekt in den ersten Jahren der Widerstandsarbeit. Doch hatten die meisten Menschen auch mit der Hilfe zu wenig zu Essen, nur 15 % der Bewohner wurden satt. So starben auch viele Menschen an Folgen des Hungers. Alleine im Juni 1942 starben 100.000 Juden im Ghetto.
Bereits am 22. Juli 1942 war mit der schrittweisen Auflösung des Warschauer Ghettos im Rahmen der so genannten ?Endlösung der Judenfrage? begonnen worden, indem täglich bis zu 12.000 Menschen in Vernichtungslager, in erster Linie in das Vernichtungslager Treblinka, abtransportiert wurden. Als immer mehr Menschen zur Zwangsarbeit geschickt wurden oder starben, wurde den politischen Führern und ihren Anhängern der Plan der Deutschen klar. So warben alle politische Richtungen für ihre Organisationen. Der Bund hatte eine Miliz mit 500 Mitgliedern im Jahr 1941, Swit war dagegen eine Kaderorganisation. Die Zionisten, bei ihnen die starken sozialistischen Gruppen Dror und Hashomer Hazair, arbeiteten eng zusammen. Die Kommunistische Partei befand sich im Wiederaufbau, nachdem sie von Stalin liquidiert worden war. Im März 1942 wurde die erste überparteiliche Widerstandseinheit, die Antifaschistische Front, gebildet. Sie wurde von den zionistischen Jugendgruppen und der Polnischen_Kommunistischen_Partei (PPR) getragen. Der anti-zionistische und antikommunistische Bund wurde nicht Mitglied, da man den Kommunisten nicht vertraute. Die beiden Führer des Bundes, Wiktor Alter und Henryk Erlich, waren nämlich in sowjetischer Gefangenschaft, in der sie später auch starben.
Der neu gegründete Block aus Hechalutz und PPR besaß eine Kampforganisation mit circa 500 Mitgliedern. Doch hatten sie fast keine Waffen und waren nicht einsatzbereit. Im Juli begannen die großen Deportationen, die Widerstandsgruppen verloren fast ihre gesamte Basis. Der Bund war am schlimmsten betroffen, er verlor 90 % seiner Miliz. Nach dem Ende im Oktober 1942 lebten nur noch 50.000 Menschen im Ghetto. Im gleichen Zeitraum wurde die jüdische Kampforganisation ?OB (?ydowska Organizacja Bojowa) gegründet. Der Hashomer Hazair ist zuzuschreiben, dass sie anti-kommunistische und anti-bundistische Gruppierungen an einem Tisch vereinigen konnte. Die Kampforganisation wurde nach dem Vorbild des FPO aus Wilna gebildet. Im ZOB waren also der Antifaschistische Block, das heißt: Hashomer Hazair, Dror, Gordonia, Akiba, Poale Zion und die PPR vertreten. Der Bund wurde ebenfalls Mitglied. Zudem wurden zwei politische Arme gebildet: einmal das Nationalkomitee (?ydowski Komitet Narodowy, ?KN), das das alte Antifaschistische Komitee war, und das Koordinationskomitee (?ydowski Komitet Koordynacyjny, ?KK), das die Zusammenarbeit mit dem Bund organisieren sollte.
Mitglieder des Koordinationskomitees:
*Poale Zion: Hersz Berli?ski
*Bund: Adam Sznaidmil, Marek Edelman, Abraham Blum, Bernard Goldstein
*PPR: Micha? Rozenfeld, Edward Fondami?ski
*Allgemeine Zionisten: Menachem Kirszenbaum
*rechte Poale Zion: Jochanan Morgenstern
• HaTzair/'>Hashomer Hazair]: Arie Wilner
*Dror: Cywia Lubetkin
*Gordonia: Eliazer Geller
Nach Verlust vieler Mitglieder durch Deportationen musste der ?OB neue Mitglieder aufnehmen, wobei er im Gegensatz zur ?ZW nicht jeden aufnahm. In den folgenden Monaten versuchten beide Widerstandgruppen, sich Waffen zu organisieren. Der ?ZW hatte Kontakte zu Henryk Iwa?ski, einem christlichen Polen, der in der Volksarmee. Sie mussten sich größtenteils die Waffen auf dem Schwarzmarkt kaufen, von Geld das sie von Kollaborateuren und dem Judenrat erpresst hatten. In dieser Zeit wurden auch häufig Kollaborateure, meistens Ghettopolizisten, hingerichtet. Mit diesem Mittel versuchte sich der ?OB weiteren Respekt zu verschaffen. Auch richteten sie Fabriken für Molotowcocktails ein, die im folgenden Aufstand als Hauptwaffe eingesetzt wurden. Noch 1964 wurden 100.000 Zünder für Molotowcocktails im Gebiet des Ghettos gefunden.
18. Januar 1943
Die höchsten deutschen Stellen wollten, dass das Ghetto zum Ende 1942 vollständig aufgelöst wird, dies wurde dann in das Jahr 1943 verlegt. Am 18. Januar marschierte der Befehlshaber von Sammern-Frankenegg mit seinen mindestens 1000 Soldaten in das Ghetto ein. Der ?OB und der ?ZW hatten aber in den letzten Monaten ihre Strukturen, ihre Ausbildung und ihr Waffenlager verbessert. Der ?OB verfügte über 1250 Kämpfer und der ?ZW über 150. Da sich keiner zur Deportation meldete, mussten die Truppen weiter ins Ghetto hinein. So wurden sie zum Beispiel an der Gesiastraße und am Zalmenhof von Kämpfern erwartet, unter ihnen auch der Anführer Mordechaj Anielewicz. Die Deutschen wurden bis zum 22. Januar mit Partisanentaktiken angegriffen. Die Widerständler, in deren 50 Gruppen nur jeder Zehnte eine Pistole hatte, konnten die Soldaten zwar nach vier Tagen aus dem Ghetto vertreiben, doch hatten sie 80 % ihrer Kämpfer verloren.
Anielewicz blieb am Leben. Vier Tage später kamen die Deportationen zum Stillstand. Da dem Stab der ?OB klar war, dass sie die Deportationen nur vorübergehend verhindern konnten, bereiteten sie sich intensiv auf den nächsten Zusammenstoß mit den Deutschen vor. Auch kauften sich nun viele Bewohner Waffen und gründeten sogenannte ?wilde Gruppen?. Die Heimatarmee schickte nun eine größere Lieferung mit 50 Pistolen, Gewehre besaß der ?OB fast keine. Der ?ZW wurde durch Henryk Iwa?ski gut versorgt, sie hatten sogar einige Maschinenpistolen und ?gewehre.
Widerstandsgruppen
Das Restghetto wurde in vier Kampfgebiete eingeteilt:
* Zentralghetto, geleitet von: Mordechai Anielewicz, Micha? Rozenfeld, Jochanan Morgenstern, Israel Kanal. Die Kampfgruppenführer waren Zacharia Artsein, Ber Braudo, Aron Bryskin, Józef Farber, Mordechai Growas, Leib Gruzalc, Simon Kaufman, Leib Rotblat, Benjamin Wald, Fondami?ski, Dawid Hochberg und Henryk Zylberberg.
* Gebiet der Bürstenfabrik, angeführt von Marek Edelman und Hersz Berli?nski. Die Kampfgruppenleiter waren Jurek B?ones und Jakub Praszke.
* Fabrikgelände (Produktives Ghetto), angeführt von Isaac Blaustein, Hersz Kawe, Meir Majerowicz, David Nowodworski, Wolf Rozowski, Joshua Winogron, Adam Szwarcfus und Eliazer Geller.
* Muranowskiplatz, der vom ?ZW verteidigt wurde. Sie wurden durch die ehemaligen Offiziere Abraham Rod?a, Arie Rodal, Dawid Apfelbaum und Pawe? Frenkiel angeführt, zudem hatten sie in den anderen Gebieten eine Kampfgruppe.
= Ideologie
=Viele Mitglieder der am Aufstand beteiligten Widerstandsorganisationen hatten ihre Familie und viele Freunde verloren. Als meist noch Jugendliche verloren sie im Laufe von ein bis zwei Jahren alles, was sie kannten. Auch sahen sie viele Menschen zu Tode vegetieren, ohne dass die Deutschen eingeschritten wären. Die jungen Menschen sahen ein, dass sie wahrscheinlich diesen Krieg nicht überleben würden. Aber sie wollten der Welt zeigen, dass die Juden kämpfen und sich nicht wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen. Zudem waren sie durch die Gleichgültigkeit in den alliierten Ländern verwirrt. Sie hatten radikale Ansichten und meinten, dass berühmte Juden Selbstmord begehen sollten, um die Welt aufzurütteln. Womöglich der Hauptaspekt war es, auch den Menschen heimzuzahlen, von denen sie gequält wurden. Dies würde die zum Teil selbstmörderische Aufopferung erklären.
= Waffen
=Das ?OB war im Gegensatz zum ?ZW nur notdürftig ausgestattet. Im Aufstand hatte jeder Kämpfer nur einen Revolver mit 10-15 Schuss und einige Granaten oder Molotowcocktails. Sie mussten die Waffen für den bis zu fünffachen Preis auf dem Schwarzmarkt kaufen. Die Volksarmee wollte oder konnte nur wenige Waffen liefern, die Heimatarmee nahm die Kämpfer nicht ernst. Zu den Waffen kamen noch circa 2-3 Gewehre pro Gebiet, im Zentralen Ghetto waren ein Maschinengewehr und eine Maschinenpistole vorhanden. Der ?ZW besaß aus den Kontakten zum polnischen Widerstand 21 Maschinenpistolen, 8 Maschinengewehre und mindestens 30 Gewehre.
Doch zu diesen Waffen kamen noch die nicht protokollierten Waffen, die von deutschen Einheiten erbeutet wurden, hinzu. So kann man sagen, dass noch bis zu 30 weitere Maschinenpistolen und mindestens ebensoviele Gewehre erbeutet wurden. Doch als die Munition ausging, halfen den Kämpfern auch diese Waffen nicht.
Der Aufstand
Tag 1
Abends am 18. April 1943 wurde das Ghetto von Polizei und deutschen Soldaten umstellt. Am nächsten Tag, dem 19. April (Pessach), sollte die endgültige Liquidierung beginnen. Der ?OB und ?ZW wollten an diesem Tag Verhandlungen über eine Fusion der beiden Organisationen besprechen. Diese Verhandlungen wurden abgesagt, da sich beide Gruppen nun in verstärkter Alarmbereitschaft befanden. So blieb die Aufteilung der Gebiete wie vorher. Um 5 Uhr am 19. April marschierten die Soldaten unter dem Befehl von Sammern-Frankeneggs in geordneter Formation mit Gesang vom Nalewki-Tor aus in das Ghetto hinein. Der Plan war, das Zentrale Ghetto in zwei Teile zu spalten, indem die Kolonnen einerseits bis zum Muranowski-Platz vorrücken sollten und eine zweite Kolonne zur Kreuzung Zamenhof-, G?siastraße gelangen sollte.
Doch genau dies waren strategisch wichtige Punkte der Widerstandskämpfer. Die ?OB-Kämpfer griffen die Deutschen an der Ecke G?sia-/Nalewkistraße an. Alleine dort waren drei Gruppen (Artenstein, Rotblat und Zylberberg) konzentriert. Die Deutschen und ihre verbündeten Truppen wurde mit Maschinengewehrschüssen, Granaten und Molotowcocktails überrascht. Die Kämpfer konnten sich schnell von Haus zu Haus bewegen. Sie hatten alle Häuser miteinander verbunden, so boten sie ein schweres Ziel. Die Angegriffenen mussten sich nach einiger Zeit vom Kampfplatz entfernen. Ein zweiter Kampf war an der Milastraße und der Zamenhofstraße entflammt. Auch dort konnten die Deutschen gegen die Juden nicht weiter vorgehen und wurden von den Kampfgruppen unter Gruzalc, Braudo, Bryskin und Growas zurückgeworfen. Vom ?ZW kämpften die Gruppen von Chaim Federbusz, Binsztok und Janek Pika in diesen Straßen. Zu Mittag wurde das deutsche Kommando an Jürgen Stroop übertragen. Nachmittags kämpften die deutschen Truppen am Muranowski-Platz gegen den ?ZW, der einige gepanzerte Fahrzeuge zerstören konnte. Der ?ZW hisste auch eine polnische Fahne und eine Fahne mit dem Davidstern. Gegen Abend zogen sich die Deutschen zurück. An diesem Tage sind eine unbekannte Zahl, bestimmt aber um die 40 deutsche Soldaten getötet worden. Die ?OB verlor einen Kämpfer.
Tag 2
Der Kampf wurde am zweiten Tag vor allem am Muranowski-Platz weitergeführt, denn die Deutschen wollten unbedingt die Fahnen einholen. Doch konnten sich die ?ZW-Kämpfer gut verteidigen, denn sie wurden von der anderen Seite versorgt. Sie benutzten dazu einen Tunnel, den sie im Hauptquartier angelegt hatten. Die Kämpfe brachen auch im Zentralghetto wieder aus, und das Produktive Ghetto unter dem Befehl von Eliazer Geller wurde ebenfalls angegriffen.
Erstmals versuchten die Deutschen, in das Bürstenmachergebiet einzudringen. Als 300 Deutsche dorthin unterwegs waren, explodierte eine Bombe, drei Meter vor dem Tor zum Bezirk. Um die 80 Soldaten starben. Auch in den folgenden Stunden gelang es den Deutschen nicht, im Bürstenmacherbezirk Fuß zu fassen; der Widerstand des ?OB war zeitweise derartig heftig, dass die Deutschen sogar einmal erfolglos mit weißen Tüchern um einen 15-minütigen Waffenstillstand baten. Bei einer der ganz wenigen erfolgreichen Aktionen, die das kämpfende Ghetto von außen unterstützten, eroberte eine von der jüdischen Kommunistin Niuta ?Wanda? Tejtelbojm kommandierte Einheit der Gwardia Ludowa (Volksgarde) ein deutsches Maschinengewehr-Nest, welches die Aufständischen von der Ghettomauer aus beschoss. Schließlich setzten die Deutschen das Gelände der Bürstenmacher mit Feuerwerfern in Brand, und Stroop befahl den Angriff der Luftwaffe, die fast alle Häuser zerstörte.
Bei Einbruch der Dunkelheit zogen sich die Deutschen aus dem Ghetto wieder zurück, diesmal waren mindestens 22 Kämpfer gefallen und 100 Deutsche starben.
Tag 3
In den nächsten Tagen gingen die Kämpfe weiter. Im Produktiven Ghetto konnten die Widerstandskämpfer die deutschen Soldaten mit ihren Waffen in die Flucht schlagen und viele Zivilisten vor der Deportation schützen. Die Deutschen fingen an, systematisch Flammenwerfer gegen Widerstandsnester einzusetzen. Der Bürstenmacherbezirk wurde, nachdem er am vorherigen Tag fast ganz zerstört wurde, von der ?OB geräumt, 5 Kampfgruppen gingen in der Nacht zum 22. April in das Zentrale Ghetto. Dort kämpften die Einheiten mit noch guter Verfassung. Noch immer waren die Zamenhoferstraße und die Franciszkanskastraße die am härtesten umkämpften.
Die folgenden Tage
Nachdem der Kampf um den Muranowski-Platz 4 Tage dauerte, waren die meisten Kämpfer verletzt oder tot, 20 von ihnen flohen durch den Tunnel aus dem Ghetto. Das Hauptquartier mit den Fahnen wurde eingenommen und 80 Kämpfer hingerichtet.
Mittlerweile wurden viele Teile des Ghettos in Flammen gesetzt, Anielewicz und seine Kämpfer mussten sich ein neues Hauptquartier suchen, da das alte auf der Mi?astraße zerstört wurde. Auch im Produktiven Ghetto wurde diese Technik von den Deutschen angewandt.
Am 23. April wurde die Mi?astraße 18 das neue Hauptquartier der ?OB. Dies bedeutete eine Änderung ihrer Taktik: Vorher kämpften die Widerständler größtenteils in Häusern und griffen die Deutschen aus einem Hinterhalt an, nun gingen sie in unterirdische Bunker und starteten nur gezielte Aktionen, weil ihnen die Munition ausging. Auch mussten sie die Taktik ändern, da Jürgen Stroop seine Soldaten nicht mehr in Kolonnen marschieren ließ. Die Deutschen bildeten kleine Gruppen, die die Bunker aufspüren sollten. Zunächst gingen die Kämpfe am 24. April im Produktiven Ghetto weiter, dort konnten sich ?ZW- und ?OB-Kämpfer immer noch in den Häusern Nowolipkistraße 21 und 41 sowie Lesznostraße 74, 76 und 78 halten. Doch auch dort wurden viele Häuser zerstört und die Kämpfer zogen sich zurück.
Am 27. April kam es zu einem der letzten größeren Gefechte: Kämpfer im Produktiven Ghetto griffen SS-Männer an, die Juden zum Umschlagsplatz bringen wollten. Viele Deutsche zogen sich zurück und die Kämpfer unter Geller befreiten hunderte Juden. Auch kämpften auf dem Muranowski-Platz alte ?ZW-Einheiten aus dem Zentralghetto und dem Bürstenmacherbezirk. Nun kam auch eine Gruppe der Heimatarmee unter Kommandeur Iwa?ski, um den Kämpfern zu helfen. Ende April beschloss die ?OB, aus dem Ghetto zu fliehen. Zwar konnten sie noch einige Panzer zerstören, hatten aber keine Rückzugslinien. Die ersten 40 Widerständler verließen am gleichen Tag das Ghetto.
Am Tag der Arbeit wurde von der ?OB der Befehl ausgegeben, dass an diesem Tag möglichst viele Deutsche getötet werden sollten. So starben an diesem Tag noch einige Deutsche, am Abend wurde noch die Internationale gesungen. Da alle anderen größeren Bunker entdeckt wurden, gingen fast alle Einheiten in den Bunker auf der Mi?astraße 18, am Ende lebten dort um die 500 Menschen. Diese hofften auf Hilfe von der anderen Seite, denn sie hatten Simche Rathauser und Zalman Friedrich als Boten zu Jitzhak Zukerman geschickt, der die Arbeit mit anderen Organisationen koordinieren sollte. Sie konnten aber keine andere Gruppe dafür gewinnen.
Anfang Mai waren die wilden Gruppen immer aktiver geworden. Diese bestanden aus Personen, die sich keiner Organisation anschließen wollten oder konnten. So töteten sie als verkleidete Deutsche auf der Lesznostraße einige Angreifer.
Am 8. Mai wurde der Kommandobunker auf der Mi?astraße 18 durch die Deutschen entdeckt. Viele Personen begingen Selbstmord oder starben durch Gas, das die Deutschen in den Bunker leiteten. In der Nacht zuvor war Marek Edelman mit einer kleinen Gruppe aus dem Bunker geflohen. Als nun die Hilfe von der anderen Seite eintraf, waren alle bis auf fünf oder sechs Menschen tot. Die ?OB verlor circa 80 % ihrer verbliebenen Kämpfer; 120 von ihnen starben im Bunker, darunter auch Anielewicz. Am 10. Mai konnte Marek Edelman mit weiteren 40 Kämpfern aus dem Ghetto fliehen. Sie wurden in konspirativen Wohnungen versteckt oder gingen in die Wälder. Eine zweite Gruppe wurde von den Deutschen entdeckt und erschossen. Auch 140 ?ZWler flohen in diesen Tagen aus dem Ghetto.
Epilog
In den Tagen nach der Flucht wurden die letzten der ehemals mehr als 1000 Bunker gefunden. Doch kämpfte eine Einheit unter Zacharia Artstein vom ?OB und Józef ?opata weiter und hielt bis zum Juni 1943 Kontakt mit den Ausgebrochenen. Auch andere Kämpfer hielten sich noch Monate, obwohl der Kampf offiziell am 16. Mai mit der Sprengung der Synagoge zu Ende war. Diese Kämpfer versteckten sich häufig tagelang, um dann gezielt kleine deutsche Patrouillen anzugreifen. Deutsche starben noch ein Jahr nach dem Ende des Aufstandes im Ghetto aufgrund von Hinterhalten. Ein Widerstandskämpfer überlebte im Ghetto sogar bis zum Warschauer Aufstand.
Nach dem Ende der Kämpfe im Ghetto gingen viele Kämpfer in die Wälder. Einige wurden Partisanen, andere wiederum gingen nach Warschau und andere wurden schon früh getötet oder verraten. Daher lichtete sich der Kreis der Ghettokämpfer in den Monaten nach Ende des Kampfes. Auch die Widerständler in der Stadt lebten in dauernder Angst, verraten zu werden. Auf den Straßen liefen Erpresser, sogenannte szmalcowniki, herum. Sie erpressten Juden um ihr gesamtes Geld und meldeten sie häufig bei der Gestapo. Die wenigen Überlebenden kämpften mit den Christen im Warschauer Aufstand. Es wurde eine ?OB-Einheit in der "Volksarmee" gegründet. Als Juden durften sich diese Kämpfer immer noch nicht zu erkennen geben, denn es gab faschistische Gruppen der Polen im Aufstand, die sowohl Juden als auch Deutsche töteten. Nach dem Ende des Aufstandes versteckten sich die wenigen Kämpfer in den Trümmern Warschaus. Wenn sie als Juden erkannt wurden, richteten die Deutschen sie hin.
Nach dem Ende des Krieges in Polen und dem Tod von sechs Millionen Juden bereiteten sich viele Überlebende auf die Auswanderung vor, unter ihnen fast alle Ghettokämpfer. Auch Mitglieder des Bundes emigrierten in die USA, die Zionisten nach Israel.
Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Menschen im Ghetto auf beiden Seiten gekämpft haben. Auf jüdischer Seite bestimmt 1000, die Deutschen setzen insgesamt sicherlich ebenso viele Truppen ein. Verluste beider Seiten sind auch schwer abzuschätzen, vermutlich sind aber 75 % der Ghettokämpfer gefallen oder wurden ermordet. Die Verluste der Deutschen sind ebenfalls schwierig zu berechnen, da Verbündete wie polnische Polizisten in fast keiner Statistik aufgeführt werden. Doch dürften auch auf Seiten der Deutschen 300 - 500 Kämpfer gefallen oder ermordet worden sein. In den offiziellen Meldungen Stroops ist dagegen nur von 16 Toten und 85 Verwundeten die Rede.
Insgesamt forderten die Kämpfe 12.000 Opfer. Weitere 30.000 Menschen wurden nach den Kämpfen erschossen, 7.000 in Vernichtungslager transportiert.
Literatur
Deutsch
Reuben Ainsztein: Revolte gegen die Vernichtung. Der Aufstand im Warschauer Ghetto. Schwarze Risse, Berlin 1993, ISBN 3-924737-19-3
* Wilfried Bruckner: Die toten Engel, Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 2004, ISBN 3-473-58026-0
Marek Edelman: Das Ghetto kämpft. Harald-Kater-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-927170-05-4
* Marek Edelman: Der Hüter. Beck, München 2002, ISBN 3-406-48656-8
* Sabine Gebhardt-Herzberg: Das Lied ist geschrieben mit Blut und nicht mit Blei. Mordechaj Anielewicz und der Warschauer Ghettoaufstand. Ljubljana 2003, ISBN 3-00-013643-6
* Bernard Goldstein: Die Sterne sind Zeugen. Ahriman-Verlag, Freiburg 1994, ISBN 3-922774-69-5
* Dan Kurzman: Der Aufstand. Bertelsmann, München 1979, ISBN 3-570-02132-7
Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod Area, Erftstadt 2004 ISBN 3899962699
Markus Meckl: Sie kämpften für die Ehre. Zur symbolischen Bedeutung des Warschauer Ghettoaufstandes. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Band 46, 1998, S. 320-328.
* Feigele Peltel Miedzyrecki: Deckname Vladka. Eine Widerstandskämpferin im Warschauer Ghetto. EVA, Hamburg 1999, ISBN 3-434-50468-0
* Vladka Meed: Deckname Vladka. Europäische Verlags-Anstalt, Hamburg 1999 ISBN 3434504680
Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1999, ISBN 3423130563
* Simha Rotem: Kazik - Erinnerungen eines Ghettokämpfers. Assoziation A, Berlin 1996, ISBN 3-924737-27-4
* Wolfgang Scheffler, Helge Grabitz: Der Ghetto-Aufstand Warschau 1943 aus der Sicht der Täter und Opfer in Aussagen vor deutschen Gerichten. Goldmann, München 1993, ISBN 3-442-12846-3
* Erhard Roy Wiehn: Ghetto Warschau - Aufstand und Vernichtung 1943. Fünfzig Jahre danach zum Gedenken. Konstanz 1993, ISBN 3-89191-626-4
Englisch
*Daniel Blatman: For our freedom and yours, 2003 London ISBN 0-85303-458-3
* Jitzhak Zukerman: A surplus of Memory, Berkeley, Los Angeles, Oxford 1993
Jiddisch
*J.Sh. Herts: Di geshikhte vun a jugent, New York 1946
*Zivia Lubetkin: In umkum und oyfstand, Tel Aviv 1980
*Bernard Mark: Der oyfstand in Varshever geto, Warschau 1958
Andere Medien
*CD: The Warsaw Getto Darsteller: Feliks Tych (Erz.); Eva Lacek; Ross Emans; David Smith (Stimmen); Regie: Tomasz Pijanowski; Krzysztof Wesolowski. 2005. Polnisch, Englisch, Deutsch, Hebräisch Dauer: 45'. tps Film Studio. Vertrieb Log-in-Productions New York (enthält: 37': Warschauer Ghetto; 4': Kinder im Ghetto; 4': Ghetto-Aufstand 1943) Archivmaterial, Jüd. Histor. Institut der Stadt. Ausschnitte: [http://www.logtv.com/films/ghetto/credits.htm]
Weblinks
• Jüdischer Widerstand in Polen am Beispiel des Aufstands im Warschauer Ghetto
• Holocaust Survivors Encyclopedia article hat eine detaillierte Beschreibung (englisch)
• Der Ghetto-Aufstand (englisch)
• 202 Original-Dokumente im Museum of Tolerance des [[Simon Wiesenthal Center], L.A. (Es gibt heimen juden Warschau irrtümlich für "Es gibt keine Juden mehr in Warschau")
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