Aufschießende Waffe
Man kann bei halb- und vollautomatischen Schusswaffen, bei denen sich der Verschluss längs der Schussachse bewegt, zwischen aufschießenden und zuschießenden Waffen unterscheiden.Aufschießende Waffen
Bei aufschießenden Waffen ist vor der Betätigung des Abzugs der Verschluss geschlossen und eine Patrone befindet sich bereits im Patronenlager. Erst nach der Schussauslösung öffnet sich der Verschluss der Waffe, um die abgeschossene Hülse auszuwerfen und eine neue Patrone zuzuführen.
Aufschießende Waffen sind eigentlich alle Selbstladepistolen sowie hochwertige Maschinenpistolen und Sturmgewehre. Beispiele sind die Sturmgewehre Heckler_&_Koch_G_3, Heckler_&_Koch_G_36 und das amerikanische M16. Eine ebenfalls aufschießende Waffe ist die von Spezialeinheiten weltweit bevorzugte Maschinenpistole_MP_5.
Aufschießende Waffen sind präziser als zuschießende Waffen, da sich der Verschluss erst nach der Schussauslösung bewegt und nicht schon vorher. Bevor und während das Projektil den Lauf passiert, wird die Waffe also nicht durch sich bewegende Massen mitbewegt oder in Schwingung versetzt.
Außerdem sind die Waffen so meist besser gegen eindringenden Schmutz geschützt.
Da man bei einem geschlossenen Verschluss nicht sieht, ob sich eine Patrone in der Waffe befindet, besitzen viele Waffen einen Ladestandanzeiger. Meist ein Stift, der sicht- und fühlbar aus dem Waffengehäuse hervorsteht, wenn sich eine Patrone im Patronenlager befindet.
Ein Nachteil dieser Konstruktion ist, dass die nächste Patrone sofort in das heiße Patronenlager eingeführt wird. Dies kann, insbesondere bei Maschinengewehren, nach langen Feuerstößen zur Selbstentzündung der nächsten Patrone führen, obwohl der Abzug nicht mehr betätigt wird.
Zuschießende Waffen
Bei zuschießenden Waffen ist vor der Betätigung des Abzuges der Verschluss offen und die gesamte Munition befindet sich noch im Magazin. Erst durch die Betätigung des Abzugs schnellt der Verschluss vor, führt dabei eine Patrone in das Patronenlager ein und zündet sie.
Sie wird vor allem bei kostengünstigen Maschinengewehren und Maschinenpistolen mit einfachem Masseverschluss benutzt. Beispiele sind die Uzi oder das MG42.
Vorteilhaft ist, dass zum Entladen nur das Magazin entnommen zu werden braucht. Der Ladezustand ist ebenfalls leichter erkennbar.
Nachteil von "zuschießenden" Waffen
Ein großer Nachteil ist die mangelnde Sicherheit zuschießender Waffen. Erhält die Waffe einen Stoß, kann sich leicht ein Schuss lösen. Hierdurch kam es schon zu vielen Unfällen. Die israelische Uzi-Maschinenpistole wurde nach einiger Zeit aus diesem Grund mit einer zusätzlichen Handballensicherung ausgestattet.
Während im aufschießenden Modus lediglich der sehr leichte Zündmechanismus über eine geringe Distanz bewegt wird,
bevor der Schuss ausgelöst wird (eine Zündnadel bzw. ein Hammer, der auf die Zündnadel schlägt), bewegt sich im
zuschießenden Modus der massive Verschluss über die gesamte Durchladestrecke durch das Systemgehäuse, bevor die
Patrone gezündet wird. Diese Bewegung relativ großer Masse über eine relativ große Strecke kann zum Verreißen der
Visierlinie führen, bevor der Schuss ausgelöst wird.
Der Effekt mag minimal erscheinen, aber ein Verreißen der Laufmündung um 5 mm macht ein sicheres Treffen auf 100 m
schon unmöglich.
Dennoch haben zuschießende Dauerfeuersysteme einige Vorteile, die ihre Verwendung in Maschinenpistolen
rechtfertigen. Da eine halbstarre bzw. starre Verschlussverriegelung bei den relativ schwachen Pistolenpatronen
nicht notwendig ist (weil die Verriegelung des Patronenlagers durch die bloße Masse des Verschlusses erfolgt),
kann das System einfacher gehalten werden. Da die Verriegelung zudem ein mechanisch stark beanspruchtes Element
ist, sind sog. Masseverschlüsse zuverlässiger und langlebiger.
Ein weiterer Aspekt ist die Kühlung der Waffe. Da schon wenige Schuss ausreichen, um sehr hohe Temperaturen zu
erreichen, ist bei Maschinenpistolen, die ja im Dauerfeuer geschossen werden, oft die zuschießende Bauweise
verwendet. Zwischen den Feuerstößen wird so für mehr Luft gesorgt, die das System, und vor allen Dingen die
oberste Patrone im Magazin, kühlt. Dies ist notwendig, da nicht nur eine Gefahr der Explosion durch überhitzte
Patronen besteht, sondern auch der empfindliche Zündsatz seine Funktion verlieren oder die Patrone, bedingt durch
Ausdehnung etc., klemmen könnte.

