Aufschießen einer Leine
der Phoenix]]
Unter Aufschießen einer Leine wird in der Seemannssprache bezeichnet, das Tauwerk ("Leinen") nach seinem Gebrauch so zusammenzulegen, dass es verstaut bzw. alsbald wieder verwendet werden kann. Dadurch soll verhindert werden, dass nicht aufgeschossene Leinen ?unklar kommen?, die Arbeit behindern, eine Unfallquelle darstellen, verloren gehen oder beschädigt werden.
Die Leine wird in gleichlange Buchten gebündelt und das Bündel häufig mit einigen Törns um seine Taille gegen ein Aufgehen gesichert. Fallen, die an einem Belegnagel oder einer Mastklampe belegt sind, werden nach dem Aufschießen mit einem Kopfschlag über den oberen Teil des Belegnagels oder das obere Klampenhorn gesichert.
Zu beachten ist bei geschlagenem (d. h. aus mehreren Strängen gedrehtem) Tauwerk die Richtung des Aufschießens: Rechtsgeschlagenes Tauwerk muss im Uhrzeigersinn, linksgeschlagenes entgegeng dem Uhrzeigersinn aufgeschossen werden. Leinen, deren eine Seite irgendwo befestigt ist, schießt man von diesem Ende her auf. Lange und vertörnte ("verdrehte") Leinen lässt man vor dem Aufschießen zunächst einmal komplett durch die Hand laufen, um etwaige Kinken (Verdreher) zu beseitigen.
Genau wie bei einem Seil versteht man unter Aufschießen auch das Zusammenlegen eines Kabels. Auch hier kommt es darauf an, dass sich das Kabel nicht in sich selbst verdreht.
Varianten beim Aufschießen
Aber auch durch das Aufschießen selbst vertörnen sich Leinen in der Regel. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Vertörnen umzugehen:
* Man kann beim Aufschießen die Leine fortwährend so drehen, dass die aufgeschossene Leine glatt hängt. Im aufgeschossenen Zustand wird dadurch die Belastung der Leine durch Verdrehung vermieden. Wird die aufgeschossene Leine wieder in Gebrauch genommen, ist sie dann jedoch vertörnt; oft muss man sie erst einmal wieder durch die Hand laufen lassen.
* Man kann auch die Leine ohne vorherige Kinken (siehe oben) aufschießen, ohne Verdrehungen aufgrund des Aufschießens selbst auszugleichen. Da es zeitsparender ist und die Leine anschließend in der Regel direkt einsetzbar ist, ist das die gebräuchlichste Methode. Die Leine kann ist dann allerdings im aufgeschossenen Zustand leicht vertörnt, was manchmal dazu führt, dass sich die Schlaufen der aufgeschossenen Leine so ineinander verschieben, dass sich beim Lösen Schlingen bilden; Außerdem kann bei langfristiger Lagerung problematisch sein, dass die Leine einem leichten, aber ständigen Druck durch die Vertörnung ausgesetzt ist.
* Schließlich kann das Problem dadurch umgegangen werden, dass die Leine nicht in einer einzigen Schlaufe (einer "Null") aufgeschossen wird, sondern in einer Doppelschlaufe (einer "Acht", deren beiden Kreise an den Seiten herunterhängen). Diese beim Klettern verbreitete Variante löst das Problem, dass die Leine nur in einer Richtung gedreht wird, und verhindert dadurch das Vertörnen; dadurch ist die gelöste Leine hinterher außerdem schneller wieder einsetzbar. Allerdings könnte die Methode bei geschlagenem Tauwerk problematisch sein, weil dadurch zumindest kurze Abschnitte der Leine einer Drehung in der "falschen" Richtung ausgesetzt sind. Auch für geschlagenes ("geflochtenes") Tauwerk ist sie in der Seefahrt aber nicht sehr verbreitet.

