Altarruf
Der Altarruf ist wesentlicher Bestandteil der Gottesdienste in der Tradition evangelikaler und charismatischer Verkündigung. Dabei werden die Gottesdienstteilnehmer nach der Predigt aufgefordert, nach vorne zu kommen, bei evangelistisch geprägten Anlässen als Zeichen einer öffentlichen Entscheidung für den christlichen Glauben, bei charismatisch geprägten Anlässen als Zeichen der Bereitschaft, für sich beten zu lassen.Die Praxis wird aber auch häufig kritisiert, insbesondere wegen der oft sehr emotionalen Atmosphäre, die die freie Entscheidung des Einzelnen beeinträchtigen kann.
Geschichte
Die Praxis des Altarrufs wird im Allgemeinen auf Charles Finney zurückgeführt, der in den 1830ern nach seinen Evangelisationspredigten zur öffentlichen Entscheidung für den christlichen Glauben aufrief. Finney hatte bei seinen Evangelisationskampagnen jeweils vorne Stühle reserviert für die, die sich nach der Predigt aus Sorge um ihre Seelen "der Seite des Herrn" anschliessen wollten. Diese Leute erhielten dann Seelsorge und es wurde für sie gebetet. Finneys Altarruf hatte zum Ziel, eine Entscheidung, ein sichtbares Ergebnis der Evangelisation herbeizuführen, und er kam dabei zu eindrücklichen Ergebnissen.
Finneys Methode wurde aufgegriffen vom Lutheraner Samuel Simon Schmucker und den Camp Meetings der Heiligungsbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Beispielsweise wurden in der Frühzeit der Heilsarmee diejenigen, die ein neues Leben im Glauben gehen wollten, aufgerufen, sich in die erste Sitzreihe zu setzen, wo erfahrene Mitarbeiter für ? oft stundenlange ? Gespräche über seelsorgerliche und praktische Notlagen zur Verfügung standen und mit den Hilfesuchenden beteten.
Mit leichten Variationen wurde der Brauch von Dwight Lyman Moody und vielen namhaften evangelikalen Predigern des 19. und 20. Jahrhunderts übernommen. Der Brauch war so verbreitet, dass bereits im 19. Jahrhundert zahlreiche Kirchenlieder die sogenannten "Altar Call Hymns" entstanden, die den Altarruf thematisierten und die bis heute auch in den Kirchengesangsbüchern von Mainline Churches zu finden sind. In traditionellen evangelikalen Kirchen werden diese Lieder bis heute oft als Hintergrundmusik zum Altarruf gespielt.
Theologisch wird der Altarruf begründet mit dem Sündenbekenntnis in , der Aufforderung zur Umkehr in oder auch mit dem öffentlichen Bekenntnis zu Jesus in Stellen wie .
Im der Mitte des 20. Jahrhunderts war es insbesondere Torontosegen-Bewegung der 1990er wurde nach vorne gerufen, um durch Handauflegen den Segen zu empfangen, wodurch extreme Manifestationen wie Umfallen, Zittern, Lachen oder sogar Tierlaute hervorgerufen wurden.[http://www.relinfo.ch/toronto/info.html Relinfo: Torontosegen]
Reinhard Bonnke ruft bei seinen Großevangelisationenen je nach Anlass zur Bekehrung, zur Geistestaufe oder zu einem Heilungsgebet nach vorne.
Oft entwickelte sich der Altarruf vom der erstmaligen Entscheidung zum erneuten öffentlichen Bekenntnis zu Jesus Christus, dem ein jeweils ein beträchtlicher Teil der versammelten (und schon lange gläubigen) Gemeinde folgte, was heute auch bei manchen Evangelisationsveranstaltungen der Fall ist.
Kritik
Die Praxis des Altarrufs fand schon bald nach ihrer Entstehung auch Kritik: entschieden abgelehnt wurde sie von Kirchen calvinistischer_Prägung, die darin einen aus calvinistischer Sicht unzulässigen eigenen Beitrag des Menschen zu seiner Erlösung sahen, und Finney als ketzerischen Vertreter des Pelagianismus bezeichneten.[http://www.victorybaptist.us/show.wc?msgaltarcall Laurence A. Justice: Why We Don't Use The Altar Call] Auch im Luthertum entwickelte sich eine Gegenbewegung, insbesondere in der Lutheran Church - Missouri Synod, die im Altarruf eine unzulässige Emotionalisierung des Gottesdiensts und Verwässerung der göttlichen Gnade sah.
Von evangelikaler Seite wird, auch von Leuten, die den Altarruf nicht völlig ablehnen, dagegen argumentiert, dass er die Bekehrung, die ein längerer Prozess sein kann, auf ein bestimmtes Datum festlegt, oder dass er eine unzulässige Verkürzung des Evangelisationsprozesses ist, indem die rituelle Antwort auf den Altarruf mit echter Umkehr verwechselt wird. [ http://www.the-highway.com/malpractice_MacDonald.html William MacDonald: Evangelistic Malpractice]
Ein Hauptargument gegen den Altarruf, der auch oft gegen Großevangelisationen im Allgemeinen vorgebracht wird, ist, dass es sich oft um eine impulsive emotionale Entscheidung handelt, die nicht von Dauer ist [http://joshhornbeck.com/essay-justasiam.htm Josh Hornbeck: Just as I am]

