Aufenthaltslager
Als Aufenthaltslager wurden in der NS-Amtskorrepondenz solche Lager bezeichnet, in denen das Ziel der Gefangennahme noch nicht fest bestimmt war. Insofern hatte dieser Begriff eine vage Funktionsbestimmung innerhalb des NS-Apparats.Gesichert ist die Existenz von "Gestapo-Aufenthaltslagern". Weiterhin wurde 1943 im KZ Bergen-Belsen von Anfang an neben dem Häftlingslager ein sogenanntes Aufenthaltslager für Vorzugsjuden eingerichtet.
Das Auswärtige Amt und das Reichssicherheitshauptamt hatten geplant, 30 000 Juden mit Pässen oder Staatsangehörigkeitspapieren von "Feindstaaten" vorerst von der Deportation in die Vernichtungslager auszunehmen und sie in einem Lager zu konzentrieren, wo sie für einige Zeit zum Austausch mit internierten Deutschen "zur Verfügung stehen" sollten. Heinrich Himmler griff diesen Plan auf und ordnete für das Frühjahr 1943 an, "in Deutschland ein Lager für circa 10.000 Juden französischer, belgischer oder niederländischer Staatsanghörigkeit zu errichten, die wegen ihrer Beziehungen zum Ausland als Druckmittel zurückgestellt werden sollten".
Die Errichtung des "Zivilinternierungslagers Bergen-Belsen" wurde vom SS-Wirtschafts-_und_Verwaltungshauptamt(WVHA) am 10. Mai 1943 bekanntgegeben, und Mitte Juli 1943 kamen die ersten polnischen Juden an, von denen die meisten Pässe oder Staatsangehörigkeitspapiere lateinamerikanischer Staaten besaßen.
Das "Aufenthaltslager" war in folgende Abschnitte eingeteilt:
# das "Sternlager" (der Name resultierte aus der Kennzeichnung der Juden durch den Judenstern), in dem die eigentlichen "Austauschjuden" inhaftiert waren, davon Juden aus Saloniki, sieben Transporte aus Westerbork, nordafrikanische Juden, kleine Gruppen französischer Juden, jugoslawische und albanische Juden aus Zagreb.
# das "Neutralenlager" für Juden aus neutralen Staaten
# ein Sonderlager für rund 350 aus Polen deportierte Juden verschiedener Nationalitäten, die offensichtlich von den Insassen des "Sternlagers" abgesondert waren, um Kontakte zwischen den polnischen und den westeuropäischen Juden zu vermeiden, die über die Vernichtungslager im Osten von Polen nicht viele Kenntnisse besaßen.
# das "Ungarnlager", in dem 1683 ungarische Juden seit dem 8. Juli 1944 inhaftiert waren und im Austausch gegen Geld und Waren am 20. August 1944 beziehungsweise am 25. Januar 1945 in die Schweiz entlassen wurden.
Quelle
* Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewqaltherrschaft in Deutschland. 1933-1945, berarbeitet vom Bundesarchiv Koblenz und dem Internationalen Suchdienst Arolsen, Koblenz 1986
Literatur
Eberhard Kolb: Bergen-Belsen 1943 - 1945. Vom 'Aufenthaltslager' zum Konzentrationslager 1943-1945. Göttingen 2002, ISBN 3525362641

