Auelgau
Das Auelgau ist eine geografische Bezeichnung für einen mittelalterlichen Verwaltungsbezirk im Bereich des Rhein-Sieg-Kreises und darüber hinaus (z.B. Hamm).Namensgebung
Au ist heute im Rhein-Sieg-Kreis und im süddeutschen Raum eine feuchte Uferwiese. Das keltische ?aus? heißt schöpfen. Die Au oder das Auel ist dementsprechend eine Insel oder wasserreiches Land. In alten Schriftstücken wird oft auwel verwendet, da das w ähnlich dem u verwendet wurde.
Urkundliche Erwähnung
Geschichtlich wurde der Auelgau als Gebiet erstmals 722/723 als aualgawe erwähnt, als im Bonner Traditionskodex von cassele die Rede ist. Eine zweite Erwähnung findet er 832 bei einer Schenkung an das Bonner Cassiusstift, in der Rheidt als dort liegend genannt wird.
Grafschaft
948 wurde erstmals eine Grafschaft Auelgau fest mit einem Herrschernamen verbunden: Graf Hermann. Er war ein Getreuer des Königs. Vom Herrschaftsgebiet ausgenommen waren damals die Gebiete der Reichgüter und Flecken kirchlicher Besitzungen.
996 wurde Pfalzgraf Hermann Pusillus genannt, der von Aachen aus unter der Herrschaft der Ottonen das alte Lothringen verwaltete. Hermann beaufsichtigte auch die Grafschaft Auelgau und nahm hier Sitz auf dem Michaelsberg.
Pfalzgraf Hermann vererbte das Gebiet des Auelgaus seinem Sohn Ezzo und begründet damit das Geschlecht der Ezzonen. Ezzo verwaltete auch den Bonngau und den Ruhrgau. Sein Bruder Hezelin, was ebenfalls von Heinrich abgeleitet ist, erhielt den Zülpichgau und vermutlich den Eifelgau.
Da die Söhne von Ezzo andere Positionen bekleiden, ging die Herrschaft des Auelgaues dann an Heinrich über, einen Sohn von Hezelin. Ezzos Sohn Hermann hatte aber als Erzbischof von Köln die wichtige Tomburg bei Rheinbach und die Abtei Brauweiler an das Erzbistum Köln übereignet. Dessen Nachfolger Erzbischof Anno von Köln erwarb daraufhin weitere Güter der Ezzonen. In der Folge kam es zu einem Krieg zwischen dem Erzbischof und den Ezzonen, der letztendlich mit der Übereignung des Michaelsberges an das Erzbistum endete. Dieser wandelte die konkurrierende Burg 1066 in ein Kloster um.
Nachfolger
Rechtsnachfolger der Ezzonen waren nach einer Urkunde der Siegburger Abtei von 1139 die zuvor in den Süden abgedrängten Grafen von Sayn. 1182 wurden ihnen im Neusser Vergleich deutlich das Grafschaftsrecht anerkannt. Beherrschend war aber das Erzbistum. Nach dem Tode von Heinrich III. von Sayn wurde das Land durch die Herrschaften Blankenberg, Löwenburg und auch Windeck beherrscht, die nach und nach an die Grafen_von_Berg fielen.
Der Begriff Auelgau wurde später für ein etwa deckungsgleiches Gebiet der Kirchenverwaltung wiederverwendet.
Lage
Neben den erwähnten Siedlungsnamen im Mündungsgebiet der Sieg sind die früheren Grenzen nicht festzulegen, da es viel freien Siedlungsraum gab. Westlich lag der Rhein, entfernt südlich der Engersgau, östlich sächsisches Siedlungsgebiet, nordwestlich der Deutzgau, weiter nordöstlich der Westfalengau.
Rhein-Sieg-Kreis
Die Bezeichnung Auel oder kurz Au ist im Rhein-Sieg-Kreis heute noch oft als Orts- oder Straßennamen vorhanden, meist an der Sieg und an der Agger:
* Stadt Hennef: Aue, Siegaue, Auel, Oberauel, Bülgenauel an der Sieg
* Stadt Lohmar: Auelsweg, Rosenauel, Aueler Hof, Schloß Auel an der Agger, Ingersauel und Ingersaueler Mühle am Naafbach sowie Auenweg in Birk
* Stadt Siegburg: die Ortsteile Aulgasse (zur Agger führend) und Kaldauen (an der Sieg)
* Gemeinde Eitorf: Schützenau, Lützgenauel, Bourauel und Im Auel an der Sieg
* Gemeinde Much: Bernsaueler Berg am Wahnbach
* Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid: der Ortsteil Ingersau an der Bröl
* Gemeinde Ruppichteroth: Ingersaueler Hof an der Bröl
* Gemeinde Windeck: Sonnenau, In der Au, Im Äulchen, Zum Krummauel, Mauel, Obernau, Gansau, Au und Opperzau
Der Auwelberg (Großer Ölberg) im Siebengebirge mag als höchster Berg im Auelgau diesen Namen erhalten haben, neben diesem liegt noch die Erhebung Rosenau.
Nördlich
* Stadt Overath: Wiesenauel, Im Auel und der Ortsteil Bernsau an der Agger
* an der Leppe Rosenau und Blumenau (Gemeinde Engelskirchen), Kaiserau (Gemeinde Lindlar)
* an der Agger Im Auel (Gemeinde Engelskirchen)
Weiter die Agger hinauf trifft man das lautverschobene Ohl in den Aggerauen an. Diese Bezeichnung findet man bei den Straßenbezeichnungen Ohl und Haus Ohl (Gemeinde Engelskirchen) sowie bei den Ortsteilen Ohl, Remmersohl und Krummenohl (Stadt Gummersbach).
Östlich
In der an den Rhein-Sieg-Kreis angrenzenden Verbandsgemeinde Hamm gibt es die Ortsbezeichnungen Oppertsau an der Sieg, Herrgottsau und Nisterau an der Nister.
Quellen
P. Gabriel Busch: Kapellenkranz um den Michaelsberg, Verlag Abtei Michaelsberg, 1985

