Außenhandelstheorie
Als Außenhandelstheorien bezeichnet man diejenigen wirtschaftstheoretischen Werke, die erklären, wieso Handel zwischen Staaten stattfindet bzw. welche Auswirkungen dieser Handel auf die beteiligten Akteure hat. Die Außenhandelstheorie ist ein Teilgebiet der Außenwirtschaft. In den letzten 500 Jahren hat sich eine große Anzahl von Außenhandelstheorien entwickelt.Merkantilismus
Die älteste Position zur Abwägung zwischen Freihandel und Protektionismus stammt von den Merkantilisten (auch Kameralisten). Sie maßen den Reichtum eines Staates an der Edelmetallmenge in seinen Grenzen und sahen Schutzzölle als Weg zur Anhäufung. Dagegen vertraten sie Ausfuhrbeschränkungen für Rohstoffe sowie, aus Sicherheitsinteressen, für technologische Spitzenprodukte.
Theorie der absoluten Kostenvorteile
Adam Smith maß den Reichtum eines Staates am Wert der Arbeit seiner Bürger (Arbeitswerttheorie). In diesem Sinne sah er Freihandel positiv als Möglichkeit, absolute Kostenvorteile zu nutzen. Daneben sah er einen weiteren Vorteil darin, Monopole aufzubrechen, da ein internationaler Markt nicht so leicht konzentriert werden könne.
Theorie der komparativen Kostenvorteile
Die Theorie der komparativen_Kostenvorteile besteht aus der Ricardo-Theorie und dem Heckscher-Ohlin-Theorem.
Grundgedanke der Ricardo-Theorie ist, dass durch relative Kostenunterschiede zwischen verschiedenen Ländern der Handel gesteuert wird.
Das Heckscher-Ohlin-Theorem geht davon aus, dass aufgrund unterschiedlicher Faktorausstattung von Arbeit und Kapital der Handel zwischen verschiedenen Ländern in Gang gesetzt wird. Da jedes Land entweder über einen Überfluss an Arbeit oder an Kapital verfügt, wird es jeweils diejenigen Produkte exportieren, für deren Produktion der jeweilige Faktor bedeutsam ist. Umgekehrt importiert es die Produkte, für die der andere Produktionsfaktor benötigt wird.
Theorie der technologischen Lücke
Die Theorie der technologischen Lücke erweitert das Konzept der komparativen Kostenvorteile auf die Technologie. Nach ihr exportiert ein Land, dessen Produkt gegenüber den anderen einen technologischen Vorsprung besitzt, dieses Produkt so lange, bis andere Länder in der Lage sind, dasselbe Produkt herzustellen. In der folgenden Zeit werden die komparativen Kostenvorteile entscheidend. Erstellt ein Land sogar noch ein ausgereifteres Produkt, dann geht nun von ihm der Export in die anderen Länder aus.
Produktlebenszyklus-Theorie
Die Theorie des Produktlebenszyklus kann auf den internationalen Handel erweitert werden. Es wird dabei unterstellt, dass der Export von Produkten davon abhängt, wo sich diese auf der Produktlebenszykluskurve befinden. Solange sich ein neues Produkt in der Einführungsphase befindet, besitzt das Unternehmen eine Monopolstellung für dieses Produkt und kann es ins Ausland exportieren, wobei Kostengesichtspunkte eine untergeordnete Rolle spielen. Befindet sich das Produkt in der Wachstumsphase, beginnen andere Unternehmen, das Produkt zu kopieren. In der Reifephase schließlich sind andere Unternehmen im In- und Ausland fähig, das Produkt in derselben Qualität und Quantität herzustellen; die Nachfrage in einem Land kann somit durch die dort ansässigen Firmen gedeckt werden. Die Kosten werden nun zum entscheidenden Faktor und es beginnt eine Verlagerung der Produktion in Länder, die die geringsten Produktionskosten (v.a. Lohnkosten) anbieten können.
Erfahrungskurven-Theorie
Die Erfahrungskurven-Theorie kann ebenfalls auf den internationalen Handel erweitert werden. Ausgangspunkt ist wiederum das Unternehmen, das ein neuartiges Produkt entwickelt und in andere Länder exportiert. Durch Skaleneffekte gelingt es dieser Firma, die Stückkosten geringer als bei nachfolgenden Wettbewerbern zu halten, wodurch vorläufig eine Markteintrittsbarriere geschaffen wird. Allerdings werden hier günstigere Standortbedingungen nicht berücksichtigt. So kann ein ausländisches Unternehmen unter Umständen bereits ab dem ersten Produkt günstiger produzieren, oder ein optimiertes Produktionssystem einführen. Außerdem kennt das ausländische Unternehmen bereits das Marktpotential und kann dieses Wissen bei Einführung seines Produktionssystems verwenden. Dem ausländischen Unternehmen gelingt es daher schneller, das gleiche Kostenniveau wie der First Mover zu erreichen.
Nachfragestruktur-Theorie
Die Nachfragestruktur-Theorie wurde von Linder entwickelt und 1961 veröffentlicht. Sie unterscheidet grundsätzlich zwischen Exporten von natürlichen Ressourcen und Industrieprodukten. Während sie beim Handel von natürlichen Ressourcen auf die Theorie der komparativen Kostenvorteile zurückgreift, wird der Handel von Industrieprodukten weiter untersucht.
Linder unterscheidet dafür den Außenhandel einen potentiellen und einen aktuellen Bereich. Er geht davon aus, dass potentielle Exportgüter zunächst ausschließlich im Inland angeboten werden. Die Ermittlung potentieller Exportgüter erfolgt nun aufgrund der Untersuchung des Produkts im Inland, insbesondere der Inlandsnachfrage und die Wachstumsgrenze für den Absatz im Inland. Sobald ein Produkt im Inland an die Wachstumsgrenze stößt, wird das Unternehmen nach neuen Absatzmärkten im Ausland suchen. Dabei wird es diejenigen Länder in Betracht ziehen, deren Nachfragestruktur dem heimischen Markt ähnelt. Die Nachfragestruktur setzt Linder mit dem Pro-Kopf-Einkommen gleich. Nach Linder ist demnach grundsätzlich der Handel zwischen Ländern umso größer, je ähnlicher ihre Nachfragestruktur ist.
Diesem potentiellen Außenhandel stehen Faktoren gegenüber, die den Handel behindern oder fördern. Dem Außenhandel förderliche Faktoren sind der Theorie nach z.B. eine weltweite Monopolstellung für das Produkt, geringere Produktionskosten oder ein Technologievorsprung gegenüber Konkurrenten. Behindert wird der potentielle Außenhandel durch die Unkenntnis über entfernte Märkte, hohe Transportkosten oder Handelsbarrieren (Zölle, Einfuhrbeschränkungen, usw.). Dadurch lässt sich der Unterschied zwischen potentiellem und aktuellem (tatsächlichen) Außenhandel erklären.
Internationale Standort-Theorie
Die internationale Standort-Theorie geht von einem sogenannten ?Distanzfaktor? aus, der den Umfang des Außenhandels bestimmt. Der Distanzfaktor setzt sich aus vier Teilen zusammen:
*Transportkosten
*Transportdauer
*ökonomischer Horizont (gesellschaftliche und wirtschaftliche Kenntnisse, die eine Person über das Ausland besitzt)
*künstliche Hemnisse (Zölle und sonstige Beschränkungen)
Die internationale Standorttheorie besagt, dass der Handel zwischen Ländern umso größer ist, je kleiner der Distanzfaktor zwischen den Ländern ist.
Economies-of-Scale-Theorie
Die Economies-of-Scale-Theorie kann auf den internationalen Handel erweitert werden. Sie beschränkt ihre Aussagekraft auf Produkte, die sich effizient in Massenproduktion herstellen lassen. Für solche Produkte besagt sie, dass das Land mit der größten Inlandsnachfrage dieses Produkt auch ins Ausland exportiert, da es aufgrund der Fixkostendegression einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Ländern besitzt.
Theorie des intrasektoralen Handels
Ansatzpunkt der Theorie des intrasektoralen Handels ist die Annahme, dass sich durch zunehmende Globalisierung die Produktionsbedingungen für Industrieprodukte international stetig annähern. Zudem erfolgt ein weitgehender Ausgleich von Angebot und Nachfrage durch die Imitation von Produktionstechniken in den Industrienationen. In diesem Fall lassen sich Exporte nicht mehr durch eine der oben stehenden Theorien erklären.
Die Theorie des intrasektoralen sieht nun eine zunehmende Produktdifferenzierung als Grund für weiteren Außenhandel. Durch mehr oder weniger gravierende Änderungen beispielsweise der physikalischen oder ästhetischen Eigenschaften eines Produkts würde eine neue Nachfrage entstehen und damit der Außenhandel angetrieben.
Weblinks
• Die ökonomischen Grundlagen des Außenhandels.
• Die unsichtbare Hand - Ansatz von Adam Smith

