Attitüde
Die Attitüde (franz.) bezeichnet in der Kunst die Haltung, Stellung oder Lage menschlicher Figuren, die Positur oder eine Gebärde.
Im Sinne der bildenden_Kunst wird das Wort für eine Allegorie oder ein Symbol eines bedeutungsvollen Seelenzustands oder Lebensmoments gewählt, und ist insbesondere in Bildhauerei und Malerei, von Bedeutung.
Die Attitüde war im ausgehenden 18. bis ins 19. Jahrhundert eine Form der künstlerischen Unterhaltung in Form von so genannten ?lebenden Bildern?; der Begriff Attitüde wird auch heute noch im Ballett zur Bezeichnung einer bestimmten Fußstellung verwendet.
Lebende Bilder
Der ungünstige Effekt einer unglücklich getroffenen Attitüde im Theater veranlasste dramatische Künstler gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu dem Versuch, die Attitüde in Darstellung so genannte tableaux vivants zu einem unselbständigem Kunstakt zu erheben
Die bekannte Lady Hamilton war es zunächst, die zu Ende des 18. Jahrhunderts das ihr eigentümliche Talent, lebende Personen zu kopieren, bei ihrem Aufenthalt in Italien auf die Nachbildung der Antiken anwendete und bald nachher auch in Deutschland, Frankreich und England öffentliche pantomimische Darstellungen antiker Statuen veranstaltete, welche eine allgemeine Bewunderung erregten.
Den artistischen Erfolg machte sie so ausschließlich von der Attitüde abhängig, dass selbst das Material ihres Anzugs zu den verschiedensten Darstellungen immer dasselbe war: eine lange, mit einem Band einfach über der Brust zusammengeknüpfte Tunika und ein darübergeworfener Schal, mit welchem sie alle erforderlichen Bekleidungen und Faltenwürfe hervorbrachte. Ihre Darstellungen wurden in Deutschland von Friedrich Rehberg gezeichnet, von Draggendorf lithographiert und von Rudolf Marggraff in München mit Text versehen.
Vielfach erhöht und erweitert wurde diese Kunsterfindung durch die deutsche Schauspielerin Händel-Schütz, welche durch Rehbergs Zeichnungen in Frankfurt angeregt wurde, ihr Nachahmungstalent auf diese belebte Plastik zu richten. Ein gewandter, schön gebauter Körper, eine feine Beobachtung und eine künstlerische Erfindungsgabe vereinigten sich nach der in zeitgenössischen Dokumenten geäußerten Ansicht in dieser Darstellerin.
Die Händel-Schütz blieb nicht bei Nachbildungen einzelner Statuen und Gemälde stehen, sie suchte vielmehr in ganzen Reihen von Attitüden wechselnde Handlung und verschiedene Momente der Leidenschaft zur Anschauung zu bringen. Dabei besaß sie das noch größere Talent, poetische Attitüden zu erfinden und in dem angemessenen Stil darzustellen, so dass sie sowohl in Hinsicht auf Idealität als an Reichtum der Charaktere und Gestalten und in der Kenntnis der moralischen Wirkung, welche sie durch große Leichtigkeit in Handhabung der Gewänder und Anordnung einer sehr passenden Beleuchtung überall an den Tag legte, ihre Vorgängerin weit übertraf. Auch ihre Attitüden sind von Peroux und Ritter (Frankfurt am Main 1809) gezeichnet und gestochen, einige auch in dem Taschenbuch ?Urania? für 1812 nachgebildet und von Falk besprochen worden.
Weniger Glück hat Elise Bürger in Darstellungen dieser Art gehabt; gelobt wurde dagegen Sophie Schröder.
Unter den männlichen Künstlern erlangte der in Amerika verstorbene Seckendors, genannt Patrick Peale, welcher zugleich Vorlesungen über seine Darstellungen hielt, einen guten Ruf.
Die Professoren Keller und Rappo gründeten in Berlin eine eigene Gesellschaft zur öffentlichen Aufführung von Nachahmungen plastischer Kunst; damit erzielten sie großen, wenn auch keineswegs rein künstlerischen Erfolg. Sie fanden Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Nachahmer, welche aus dem ganzen Genre eine populäre Attraktion mit geringem künstlerischem Anspruch gemacht haben.
Ballett
Im Ballett heißen alle Stellungen auf einem Fuß ohne Rücksicht auf ihre Bedeutung, insbesondere die harmonische Schlussstellung, Attitüden.
Literatur
* Jooss, Birgit: Lebende Bilder. Körperliche Nachahmung von Kunstwerken in der Goethezeit, Berlin 1999
Siehe auch
Choreografie
Pantomime
Kleinkunst
Bild

