Atomstreitkräfte der Vereinigten Staaten
Die Atomstreitkräfte der Vereinigten Staaten sind diejenigen Institutionen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten, die für den Bau, den allgemeinen Betriebe, die Sicherheit, die Wartung und die Abrüstung des nuklearen_Potenzials der Vereinigte Staaten zuständig sind.Bestand
Anzahl der Sprengköpfe und geplante Verringerung
* 2002: 7.600 Sprengköpfe und ca. 3.000 ?inaktiv?
* 2004: 6.200 Sprengköpfe
* 2007: 3.800 Sprengköpfe
* 2012: 1.700 bis 2.200 Sprengköpfe
Organisation und Ausrüstung
Im Gegensatz zur französischen Force de frappe ist das Atomwaffenarsenal nicht vollständig zentral organisiert. Vielmehr wird es vom zuständigen Funktionalkommando_der_Streitkräfte für die strategische Planung, dem United States Strategic Command (USSTRATCOM) koordiniert, die Handhabung verbleibt aber bei den Streitkräften. Die USA unterhalten insgesamt 540 Interkontinentalraketen sowie 325 taktische Atomwaffen.
Luftstreitkräfte
Naturgemäß sind die Luftstreitkräfte der USA, die United States Air Force, für das Nukleararsenal in der Luft zuständig.
Dazu unterhält sie v. a. 94 B-52- sowie 21 B-2-Langstreckenbomber, darüber hinaus alle taktischen Sprengköpfe des Landes.
Strategische Bomber
Strategische Langstrecken-Bomberflugzeuge der USA
*20 Raketen für Bomber des Typs Boeing B-52H Stratofortress mit 400 Stück ALCM (Air-Launched Cruise Missile); Reserve: 100 der Typen AGM-86B oder ACM AGM-129A mit je einem Sprengkopf 1 x W80 mit bis zu 150 kt Sprengkraft. Insgesamt 860 Sprengköpfe für die Bomberflotte. Die Langstreckenbomber B-52 sind seit 1955 in Dienst. Die strategische Bomberflotte der B-52H ist auf der Barksdale Air Force Base (Louisiana) und der Minot Air Force Base (North Dakota) stationiert und soll durch Materialerhaltungsmaßnahmen bis 2044 im Einsatz bleiben.
*21 Raketen für die Bomber Northrop B-2 Spirit, deren Flotte 21 Bomber umfasst und auf der Whiteman Air Force Base in Missouri stationiert ist. In Dienst seit 1994 mit dem Sprengkopf 1 x B61-7 oder B61-11 oder als Bombe B83-1 mit bis zu 170 kt Sprengkraft. Insgesamt 800 Sprengköpfe für die B-2-Bomber. Sie soll als strategischer Bomber bis 2040 im Einsatz bleiben.
Die großen B-52H Stratofortress-Bomber können im Gegensatz zu der B-2 Spirit alternativ auch gleichzeitig Cruise Missiles oder frei fallende Nuklearbomben Typ B-61 mit sich führen. Die B-52H kann AGM-86 Cruise Missile oder AGM-129 Advanced Cruise Missile (beide mit W80 Sprengkopf) transportieren. Im Gegensatz zu der AGM-86 verfügt die weiterentwickelte AGM-129A über eine größere Reichweite und Stealth-Eigenschaften.
Die US_Air_Force verfügt insgesamt über 1.142 ALCMs und 460 ACMs.
Die Lockheed F-117 Nighthawk kann Atomwaffen mit sich führen, ist aber nicht vom Air Combat Command dafür vorgesehen. Stattdessen erfolgt nur das Training hiermit. Die gegenwärtig in der Entwicklung befindliche Lockheed Martin F-35, auch Joint Strike Fighter (JSF) genannt, wird voraussichtlich ab 2008 in Dienst gestellt und soll in die Planung zum Tragen von Atomsprengköpfen einbezogen werden. Auch NATO-Partner mit General Dynamics F-16 oder Panavia Tornado-Kampfflugzeugen verfügen über die potentielle Möglichkeit, Atombomben US-amerikanischer Herstellung abzuwerfen.
Taktische Atomwaffen
Taktische Atomstreitmacht (SLCM, Atombomben)
*325 Raketen Cruise Missiles TLAM/N Tomahawk mit Sprengkopf W80. In Dienst seit 1984.
*800 Atombomben, darunter die Typen B-61-3, B-61-4 und B-61-10. In Dienst seit 1979.
Insgesamt 1.120 Sprengköpfe als taktische Atomwaffen.
Nach Ende des Kalten Krieges wurden die taktischen Atomwaffen drastisch verringert. Die USA haben ungefähr 1.620 taktische Atomsprengköpfe, davon rund 1.300 B-61 in 3 verschiedenen Versionen und 320 TLAM/N (Tomahawk Land-Attack Cruise Missile), teilweise als Reserve oder "inaktiv". Die taktischen Nuklearbomben B-61 lagern auf der Kirtland Air Force Base (New Mexico) und der Nellis Air Force Base (Nevada) und stehen im Kriegsfall den Kampfflugzeugtypen F-16C, F-16D Fighting Falcon und F-15E Strike Eagle zur Verfügung. Ungefähr 150 der B-61 befinden sich in Europa, verteilt auf 10 Luftwaffenstützpunkten in 7 NATO-Ländern.
Die TLAM/N befinden sich seit 1997 nahe den U-Bootbasen Bangor (Washington/Westküste) und Kings Bay (Georgia/Ostküste).
Marine
Aufgrund ihrer strategischen Ausgangslage, in der die USA von den beiden größten Ozeanen der Welt umgeben sind, trägt die größte der amerikanischen Streitkräfte, die Marine, die Hauptlast der nuklearen_Abschreckung. Die United States Navy betreibt nicht nur die U-Boot-gestützten_ballistische_Raketen der Vereinigten Staaten, sondern auch die landgestützten strategischen Sprengköpfe.
Landgestützte Atomwaffen
Interkontinentalraketen (ICBM, Intercontinental Ballistic Missile, Reichweite über 5.500 km).
*150 Stück LGM-30G Minuteman III Mk 12 mit Sprengkopf 1 x W62 und einer Sprengkraft von 170 kt. In Dienst seit 1970 und stationiert auf der F.E. Warren Air Force Base in Wyoming.
*50 Stück LGM-30G Minuteman III Mk 12 mit jeweils drei Sprengköpfen 3 x W62 MIRV (= 150 Sprengköpfe) mit 170 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1970 und stationiert auf der Malmstrom Air Force Base im US-Bundesstaat Montana
*300 Stück LGM-30G Minuteman III Mk 12A mit jeweils drei Sprengköpfen 3 x W78 MIRV (= 900 Sprengköpfe) mit 335 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1979 und stationiert auf der Malmstrom Air Force Base in Montana und auf der Minot Air Force Base in North Dakota.
Insgesamt verfügten die USA im Jahr 2002 über 1.700 Sprengköpfe für landgestützte Interkontinentalraketen.
Alle LGM-30G Minuteman III-Interkontinentalraketen Mk12 und einige Mk12A sollen bis 2007/2009 durch den neuen Sprengkopf W87 ersetzt werden. Die 50 LGM-118A MX/Peacekeeper waren die modernsten US-Interkontinentalraketen, bis sie nach dem START II-Abkommen und neueren Vereinbarungen von Oktober 2002 bis September 2005 schrittweise deaktiviert wurden. Mit dem 250 Millionen US-Dollar teuren Umrüstprogramm SERV (Safety Enhanced Reenetry Vehicle) sollen noch Flugtests der Minuteman III mit W87-Sprengköpfen durchgeführt werden.
Ab 2018 plant das US-Verteidigungsministerium den Bau von neuen Interkontinentalraketen als Ersatz für die von Boeing entwickelten Minuteman III.
Seegestützte Atomwaffen
SLBM (Sea-Launched Ballistic (Cruise) Missile)
*168 Stück UGM-96A Trident I C4 mit jeweils sechs Sprengköpfen 6 x W76 MIRV (= 1008 Sprengköpfe)und je 100 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1979 und stationiert auf sieben Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse.
*216 Stück UGM-133A Trident II D5 Mk-4 mit jeweils acht Sprengköpfen 8 x W76 MIRV (= 1728 Sprengköpfe) und je 100 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1992 und stationiert auf neun Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse.
*48 Stück UGM-133A Trident II D5 Mk-5 mit jeweils acht Sprengköpfen 8 x W88 MIRV (= 384 Sprengköpfe) und je 475 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1990 und stationiert auf zwei Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse.
Insgesamt verfügen die USA über 3.120 Sprengköpfe für Atom-U-Boote.
Die seegestützte amerikanische Atomstreitmacht besitzt rund die Hälfte der strategischen Nuklearsprengköpfe der Vereinten Staaten und ist verteilt auf insgesamt 18 Atom-U-Boote der Ohio-Klasse. 7 U-Boote sind an der Pazifikküste stationiert und ausgerüstet mit UGM-96A Trident I C4. Im Rahmen des START I-Abkommens wurden die Sprengköpfe auf diesen U-Booten bis 2001 von 8 auf 6 verringert. Die anderen 11 U-Boote sind mit den moderneren und größeren UGM-133A Trident II D5 Mk-4- und Mk-5-Raketen ausgerüstet und befinden sich an der Ostküste.
Überwasserkampfschiffe: Mit Atomsprengköpfen ausgerüstete Marschflugkörper vom Typ BGM-109 Tomahawk befinden sich seit 1994 nicht mehr an Bord. Allerdings können die Schiffe die Versorgung von Angriffs-U-Booten (SSNs) mit Cruise Missiles übernehmen. Die Angriffs-U-Boote (SSN) der Seawolf- und Los-Angeles-Klasse sind nur noch mit konventionellen Tomahawks und Mk-48-Torpedos bestückt.
Um die seegestützten Marschflugkörper mit einem einheitlichen Sprengkopf auszustatten, entwickelt die US_Navy mit ihrem SWPP (SLBM Warhead Protection Program) einen neuen Sprengkopf, der die W76 und W88 ersetzen soll. Lockheed Martin produzierte seit 1976 rund 5.000 Sprengköpfe W76 für die Trident I C4 der amerikanischen und britischen U-Bootflotte.
*UGM-96A Trident I C4
Die seit 1976 im Einsatz befindliche Trident I C4 wird nach und nach ausgemustert. Bis 1986 wurden insgesamt 570 Stück produziert und 117 Flugtests mit 222 Trident I-Raketen durchgeführt. Die Trident I C4 hatte danach eine Startzuverlässigkeit von 85 % (188), 34 Teststarts (15 %) schlugen fehl. Ab 1990 wurden auch im Atlantik Tests durchgeführt und ab 1993 im Testgebiet bei Florida. Zuletzt verschoss unter anderem die USS Ohio (SSBN-726) vier SLBM des Typs Trident I C4 am 9. Dezember 2001.
*UGM-133A Trident II D5
Rund 390 Trident II D5 mit einer Reichweite von über 11.000 km sind im Besitz der USA und weitere 35 Stück sollen beschafft werden, vor allem wegen der Umrüstung einiger U-Boote. Von den 425 Stück sollen 228 Stück mit Sprengköpfen auf 12 U-Booten ausgerüstet werden, 137 Stück dienen zu Testzwecken bis 2014. Seit 1987 wurden 116 Tests durchgeführt und nur 5 Tests (4 %) schlugen fehl. Die Bestückung der Trident II D5 auf den US-Booten beträgt 8 Sprengköpfe, obwohl auch 12 möglich wären. Auch Großbritannien besitzt für seine strategische U-Bootflotte diesen Typ auf der Vanguard-Klasse, stationiert in Faslane, Schottland.
Die vier ältesten U-Boote der Ohio-Klasse (gebaut 1974-1976), die ihren Heimathafen an der Pazifikküste (Bangor, Washington) haben: USS Ohio (SSBN-726), USS Michigan (SSBN-727) USS Florida (SSBN-728) und USS Georgia (SSBN-729), wurden ab 2003 umgerüstet und mit 154 konventionellen Cruise Missiles bestückt. Bis 2006 sollen nur noch 14 U-Boote mit Atomsprengköpfen im Einsatz sein, u.a. auch um die jährlichen Unterhaltskosten von über 500 Millionen US-Dollar zu reduzieren. Durch die Verringerung verlegt die amerikanische U-Boot-Flotte 4 U-Boote der Ohio-Klasse von der Ostküste (Kings Bay, Georgia) zur Westküste (Bangor, Washington). Sodann verbleiben jeweils 7 strategische U-Boote an beiden US-Küsten. Ab 2029 sollen die ersten SSBN's mit Trident-SLBM's außer Dienst gestellt werden.
Ersetzt werden sollen diese U-Boote der Ohio-Klasse in naher Zukunft durch eine modifizierte Version der Angriffs-U-Boote (SSN) der Virginia-Klasse (u.a. SSN-774) mit ihrer vertikalen Abschussvorrichtung (VLS-System) oder durch einen völlig neuen U-Boottyp, der ab 2016 gebaut werden soll.
16 Flugzeuge des Typs Boeing E-6B Tacamo (steht für take charge and move out) sollen modernisiert werden und dienen als Kommando- und Verbindungsflugzeug zu den strategischen U-Booten (SSBNs).
Verweise
Weblinks
• Detaillierte Schilderung der Atomstreitkräfte der Welt beim amerikanischen Institute for Defense & Disarmament Studies (engl.)
• Überblick über die Nuklearstrategie bei Global Security (engl.)
• Arms Control zum Thema (engl)

