Kernkraftwerk Krümmel
Das Kernkraftwerk Krümmel (KKK) liegt südöstlich von Hamburg an der Elbe, direkt am Geesthachter Ortsteil Krümmel. Es wird betrieben von der Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co OHG. Gesellschafter: E.ON_Kernkraft (50 %), Vattenfall_Europe_Nuclear_Energy (50 %)
Geschichte
Das Kraftwerk wurde 1983 durch die Eigentümer HEW und PreussenElektra in Betrieb genommen und befindet sich seit 1984 im Leistungsbetrieb (rechnerische Laufzeit bis 2016). Durchschnittlich werden pro Betriebszyklus 9,5 Milliarden Kilowattstunden erwirtschaftet. Insgesamt hat das Kraftwerk schon über 200 Milliarden Kilowattstunden erbracht.
Im Jahre 2005 wurden zwei Niederdruckturbinen gegen neue ausgetauscht. In der Revision beginnend ab August 2006 wurde die dritte und letzte Turbine ausgetauscht. Mit der Erneuerung der Turbinenanlage wurde der Wirkungsgrad deutlich verbessert. Bei unveränderter Reaktorleistung wurde die elektrische Leistung des Kraftwerks um 72 Megawatt (MW) erhöht. Die Leistungserhöhung wird durch das geänderte Turbinendesign möglich, Brennstoffverbrauch und Abfallaufkommen werden dadurch nicht erhöht. Die Kosten dieses Projekts betragen rund 50 Millionen Euro.
Neben dem Kernkraftwerk wurde im Jahre 2006 ein Zwischenlager fertiggestellt. Es dient der Lagerung von 80 Castor-Behältern für ca. 40 Jahre.
Leistung
Das Kernkraftwerk ist vom Typ Siedewasserreaktor mit einer elektrischen Bruttoleistung von
1.402 MW (netto 1.356 MW) zuvor 1.316 MW (netto 1.264 MW).
Durch einen Einbau von Generatorsätzen der neusten Generation wurde die elektrische Bruttoleistung bis Anfang September 2006 auf 1.415 MW erhöht. Krümmel ist seit dem Wiederanfahren am 8. September 2006 das weltweit leistungsstärkste Kernkraftwerk mit Siedewasserreaktor.
Leukämiehäufung
Hauptartikel: Leukämiecluster Elbmarsch
Seit Ende 1989 gab es in der unmittelbarer Umgebung des Kraftwerks eine signifikante Häufung von Leukämieerkrankungen: In den Jahren 1990 bis Dezember 2005 sind 16 Leukämie-Neuerkrankungen bei Kindern aufgetreten, ein Vielfaches dessen, was statistisch zu erwarten gewesen wäre.
Das Kraftwerk wurde als eine der möglichen Ursachen für diesen sogenannten Leukämiecluster Elbmarsch in Betracht gezogen, jedoch konnten hierfür bisher keine eindeutigen Beweise vorgelegt werden. Möglicherweise liegt die Ursache dafür auch im in der Nähe befindlichen GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht. Von zuständigen Stellen wird teilweise bestritten, dass überhaupt ein Zusammenhang zwischen der Leukämiehäufung und den kerntechnischen Anlagen in Geesthacht besteht. Dem steht entgegen, dass außerhalb des Geländes des Forschungszentrums und des Kernkraftwerks Materialien gefunden worden sein sollen, die angeblich nur aus kerntechnischen Anlagen stammen können.
Auch ist es denkbar, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Leukämieerkrankungen und den kerntechnischen Anlagen nicht besteht und es sich bei der Zuschreibung einer solchen Kausalität um einen Fall des Zielscheibenfehlers handelt. Verfechter dieses Standpunktes argumentieren, dass bei der Vielzahl der nukleartechnischen Anlagen in Deutschland es auch ohne kausalen Zusammenhang zwingend einzelne geben müsse, bei welcher die Erkrankungsrate mit Leukämie messbar oberhalb des Mittelwertes liegt - ebenso wie es einzelne geben müsse, bei denen selbige Erkrankungsrate unterhalb des Mittelwertes liegt.
Im April 2007 beschäftigte sich der Sozialausschuss des Niedersächsischen Landtags in nichtöffentlicher Sitzung im Rahmen einer Expertenanhörung mit den nicht aufgeklärten Leukämiefällen, deren Häufigkeit oberhalb eines durch Fehlerwahrscheinlichkeit erklärbaren Signifikanzniveaus liegt. Eine abschließende Klärung war nicht möglich. Die Untersuchung der im Boden der Elbmarsch gefundenen Kügelchen an der Sacharow-Universität in Minsk ergab keine Hinweise auf natürliche Produkte, auch atmosphärische Atomwaffentests, die Katastrophe von Tschernobyl und herkömmliche Kernkraftwerke wurden als Ursache ausgeschlossen. Die Kügelchen enthalten der Analyse zufolge Spuren von angereichertem_Uran, Plutonium und Thorium sowie Tritium. Wegen des Vorkommens von Tritium sehen die Kritiker ihren Verdacht erhärtet, dass die Kügelchen aus Experimenten am GKSS stammen könnten.
Siehe auch
GKSS-Forschungszentrum
Liste der Kernreaktoren in Deutschland
Liste der Kernkraftwerke
Störfälle in deutschen Atomanlagen
Dynamitfabrik Krümmel
Weblinks
• Chronik AKW Krümmel
• BUND-Information zum Kernkraftwerk Krümmel
Betreiber
• Kernkraftwerk Krümmel
Untersuchungsberichte
• Informationen des Gesundheitsministeriums von Schleswig-Holstein
• Abschlußbericht der Kommission der Niedersächsischen Landesregierung (Kurzfassung) (PDF, 300 kB)
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Presse
• DIE ZEIT 49/2004 über die ungeklärte Ursache der Leukämiefälle
• Deutschlandfunk vom 14.08.2005: "Die Leukämiekinder von Krümmel"
• WOZ vom 29.03.2007: "Mikrokügelchen mit brisantem Inhalt"

