Elementarsatz
Der Begriff des Elementarsatzes wurde von Ludwig Wittgenstein in seinem Tractatus_logico-philosophicus eingeführt. Der Elementarsatz behauptet das Bestehen eines Sachverhaltes. [Tractatus: 4.21] Als solcher ist er die sprachliche Abbildung des Sachverhaltes. (Abbildtheorie) Der Elementarsatz hat nach Wittgenstein die Eigenschaft bipolor zu sein, wahr oder falsch, und völlig unabhängig von anderen Elementarsätzen zu sein. Dies ist die Voraussetzung für die Möglichkeit der zentralen Behauptung ?Eines kann der Fall sein oder nicht der Fall sein und alles übrige gleich bleiben.? [1.21] Weil das so ist, gibt Wittgenstein kein Beispiel für einen Elementarsatz, ebensowenig wie für einen Namen (die im Elementarsatz verkettet sind) und wie für die (einfachen) Gegenstände, die durch die Namen bezeichnet werden. Für Wittgenstein ist die Forderung nach der Möglichkeit der einfachen Zeichen die Forderung nach der Bestimmtheit des Sinns. [3.23] Er nennt es ?offenbar, dass wir bei der Analyse der Sätze [der Umgangssprache] auf Elementarsätze kommen müssen, die in unmittelbarer Verbindung bestehen.? [4.221] Die Unabhängigkeit der Elementarsätze garantiert, dass jede Kombination von Elementarsätzen, wie sie in den Wahrheitstabellen ausgedrückt wird, mögliche Sachverhalte beschreibt.Obwohl der Elementarsatz lediglich eine logische Forderung zu sein scheint, wurde in der Folge, insbesondere vom Wiener Kreis versucht, durch Analyse zu echten Elementarsätzen zu gelangen. Die sollten als Basis für eine verifikationistische Weltsicht stehen. Für diese Sicht wurde auch Wittgenstein vereinnahmt, jedoch löste Wittgenstein sich schnell von eventuell vorhandenen verifikationistischen Tendenzen. Der Wiener Kreis sprach später anstelle von Elementarsätzen von Protokollsätzen. Die Unmöglichkeit zu Elementarsätzen zu gelangen, spielte aber für Wittgenstein eine nicht unwesentliche Rolle in der Abkehr von seiner Frühphilosophie.
Von der grammatischen Struktur her versteht man unter einem Elementarsatz oder einer Elementaraussage einen Satz, der den Aufbau Nominator - Kopula - Prädikator hat. Beispiel: "Peter ist glücklich." Sätze, die mehr als diese drei Elemente enthalten, gelten im allgemeinen nicht mehr als elementar. In der Spätphilosophie des deutschen Wissenschaftstheoretikers Paul Lorenzen wird dieser Auffassung nicht mehr gefolgt, sondern stattdessen auch Tatprädikatoren und Apprädikatoren zugelassen. Dort gilt sogar der Satz: "Tilman trägt mit Eimern Wasser ins Haus" als Elementarsatz oder Primaussage.
Sätze mit Nebensätzen oder die mit Junktoren oder Quantoren zusammengesetzten Aussagen sind keine Elementarsätze mehr: "Diese Enzyklopädie ist reichhaltig und die Mitarbeiter sind fleißig" ist also kein Elementarsatz.
Siehe auch
Logik
Propädeutik
Literatur
Christian Thiel, "Elementare Logik", Hagen 1982
Peter Prechtl, "Grundbegriffe der analytischen Philosophie", Stuttgart 2004
Paul Lorenzen, "Lehrbuch der konstruktiven Wissenschaftstheorie.", Mannheim 1987; reprint: Metzler, Stuttgart 2000 ISBN 3-476-01784-2

