ATS (Formel 1)
ATS war ein deutsches Formel-1-Team, das von dem gleichnamigen Felgenhersteller Auto Technisches Spezialzubehör gegründet wurde. Das Team war, wie die Firma, in Bad Dürkheim nahe des Hockenheimrings ansässig und von 1977 bis 1984 in der Formel 1 aktiv.
Der Besitzer von ATS, Günther Schmidt, hatte bereits verschiedene nationale Motorsportveranstaltungen gesponsert, bevor er feststellte, dass Grand-Prix-Rennen eine gute Möglichkeit seien, um seine Marke zu bewerben.
Die Siebziger
In der ersten Saison in der Formel 1 1977 setzte ATS das PC4-Chassis von Penske ein. Jean-Pierre Jarier fuhr das Auto beim Debüt-GP USA-West und wurde auf Anhieb Sechster.
Beim Großen_Preis_von_Deutschland wurde für den deutschen Tourenwagen-Piloten Hans Heyer ein zweites Auto eingesetzt.
Heyer verfehlte zwar die Qualifikation, nahm aber dennoch illegal vor seinem Heimpublikum am Rennen teil. Die Rennkommissare bemerkten dies erst, als er mit einem Fehler an der Kraftübertragung aufgab. Hans Binder übernahm für den Rest der Saison das zweite Auto. Für die letzten drei Rennen der Saison konnte sich das Team allerdings nicht qualifizieren.
1978 konstruierte Robin Herd, der von March angeworben wurde, den ersten Formel-1-Eigenbau von ATS. Dieser Wagen wurde HS1 genannt und von von Jarier und Jochen Mass gefahren. Jarier wurde 8. beim Großen_Preis_von_Südafrika, wurde aber nach einem Streit mit Schmidt gefeuert und durch Alberto Colombo beim Großen_Preis_von_Belgien ersetzt. Aber nachdem er es nach zweimaligen Versagen im Qualifying nicht schaffte, sich zu qualifizieren, wurde er ebenfalls gefeuert, und bis zum Großen Preis von Deutschland durch den späteren Weltmeister Keke Rosberg ersetzt. Dort kehrte Jarier zurück, nachdem er die Differenzen zwischen ihm und Günther Schmidt ausgeräumt hatte, konnte sich aber nicht qualifizieren. Hans Binder kehrte für ein Rennen zurück, bevor er durch Michael Bleekemolen ersetzt wurde.
Nachdem sich Jochen Mass beim Testen einen Beinbruch zugezogen hatte, wurde er durch Harald Ertl ersetzt. Dieser fuhr eigentlich für Ensign, schaffte jedoch beim Großen_Preis_der_Niederlanden nicht die Vorqualifikation. Beim nächsten Lauf in Italien bekam er aber bei ATS eine zweite Chance. Er schaffte es aber nicht, sich zu qualifizieren, weshalb er bei den letzten beiden Rennen wieder durch Rosberg ersetzt wurde. Der Mangel an Kontinuität half dem jungen Team, trotz der Einführung des neuen D1 Chassis, nicht weiter.
In der Saison_1979 wurde lediglich ein Wagen mit Hans-Joachim Stuck am Steuer eingesetzt. Der neue Wagen wurde von Giacomo Caliri konstruiert. Zum Ende der Saison wurde der von Nigel Stroud konstruierte D3 erstmals eingesetzt. Stuck konnte damit im letzten Lauf, dem Großen Preis der USA, mit einem 5. Platz die einzigen Punkte der Saison für das Team erringen.
Die Achtziger
Das Team wurde 1980 wieder zu einem Zwei-Auto-Unternehmen, mit Marc Surer und Jan Lammers als Fahrer. Als einziges einigermaßen gutes Ergebnis kann Surers siebter Platz, der erste nicht bepunktete Platz, beim Großen_Preis_von_Brasilien gezählt werden, während Lammers als Vierter beim Großen_Preis_der_USA_West startete, dann aber ausschied. Das Team blieb weiterhin nur im Mittelfeld, auch nach der Einführung des neuen von Gustav Brunner geplanten D4.
Vom GP USA-West an trat ATS wieder mit nur einem Auto an, das Jan Lammers steuerte. Allerdings wurde er bereits nach drei Rennen beim Großen_Preis_von_Frankreich wieder durch Marc Surer ersetzt, dem beim Großen Preis von Deutschland Harald Ertl einmalig als Teamkollege zur Seite gestellt wurde. Auch 1980 schaffte es das Team nicht, Punkte zu holen.
1981 durfte sich Lammers wieder als Stammfahrer hinter das Steuer des D4 setzen und bekam zum Großen_Preis_von_San_Marino Slim Borgudd als Teamkollegen, der dann den Rest der Saison ohne Teamkollege zu Ende fuhr. Der Schwede konnte beim Großen_Preis_von_Großbritannien mit dem seit dem Großen_Preis_von_Spanien eingesetzten und von Hervé Guilpin geplanten HGS1 einen sechsten Platz und damit einen Punkt einfahren. In den anderen Rennen war das Team aber nicht besonders erfolgreich und Nichtqualifikationen kamen häufig vor. In diesem Jahr wurde das Team von der schwedischen Pop-Band ABBA gesponsert. Slim Borgudd war bei einigen Aufnahmen Drummer der Band.
Schmidt machte einen großen Aufwand, um das Team 1982 zusammenzubekommen. Zwei D5-Wagen (stark verbesserte HGS1) wurden für Manfred Winkelhock und Eliseo Salazar eingesetzt. Dies brachte bessere Ergebnisse, einen fünften Platz von Manfred Winkelhock beim Großen Preis von Brasilien und einen weiteren fünften Platz von Eliseo Salazar beim Großen Preis von San Marino. Winkelhock wurde beim Großen Preis von San Marino Sechster, wurde aber wegen Untergewichts seines Wagens disqualifiziert. Das Rennen wurde wegen einer politischen Krise innerhalb des Sports von den meisten britischen Teams boykottiert. Das Team verbesserte sich zwar in dieser Saison, blieb aber weiterhin im Mittelfeld hängen. Der bekannteste Moment war wohl, als Nelson Piquet vor laufenden Kameras Salazar beim Großen Preis von Deutschland angriff, weil der ATS-Fahrer mit dem führenden Brasilianer kollidiert war.
Für das Jahr 1983 bezog das Team jenen BMW-Turbomotor, den auch das Brabham-Team fuhr. Als Fahrer war weiterhin Manfred Winkelhock im Einsatz, als Konstrukteur verpflichtete man den jungen Östrreicher Gustav Brunner. Weltneuheit des Modells mit der Bezeichnung D6 war ein unverkleidetes Kohlefaser-Monocoque. Es zeigte sich, dass das Auto zwar schnell war, das Team aber mit dem technisch anspruchsvollen Auto überfordert war. Trauriger Höhepunkt war das Freitagtraining zum Rennen 1983 auf dem Hockenheimring, an dem Manfred Winkelhock wegen mehrerer technischer Defekte sowohl mit dem Einsatz- als auch mit dem Ersatzauto keine einzige fliegende Runde drehen konnte und Regen im samstäglichen Abschlusstraining eine Zeit verhinderte, die Manfred Winkelhock die Qualifikation ermöglicht hätte. So standen als Saisonfazit zwar mehrere Top-10-Startplätze, aber nur ein achter Platz im Rennen in Brands Hatch und somit keine WM-Punkte zu Buche.
Für 1984 setzte man den auf dem gleichen Konzept aufbauenden D7 ein. Das Muster der Saison blieb das gleiche, Manfred Winkelhock war mit dem ATS-BMW oft schnell unterwegs, das Auto blieb jedoch defektanfällig. Zum Großen Preis von Österreich 1984 debütierte der junge Österreicher Gerhard Berger in einem zweiten Wagen, der auf Anhieb eine Zielankunft schaffte. Daraufhin wurde Gerhard Berger auch für den Großen Preis von Italien eingesetzt, bei dem es zum Eklat kam: An Manfred Winkelhocks Fahrzeug brach noch vor dem Start der erste Gang, worauf Manfred Winkelhock sein Auto abstellte. Teamchef Günter Schmid legte ihm das als Arbeitsverweigerung aus und feuerte den Fahrer.
Gerhard Berger im zweiten Auto hatte zwar ebenfalls Getriebeprobleme, wurde aber gegen Rennende von vielen Ausfällen begünstigt bis auf den sechsten Platz vorgespült. Den fälligen WM-Punkt bekamen Team und Fahrer jedoch nicht anerkannt, da ATS zu Saisonbeginn nur ein Auto (Winkelhock) eingeschrieben hatte und das zweite erst während der Saison nachnominiert hatte.
Von der Ausfallserie der letzten beiden Jahre enttäuscht, stoppte BMW die Motorenlieferung an ATS. Da es Günter Schmid nicht gelang, einen alternativen Motorenlieferanten aufzutun, wurde das Team am Ende der Saison 1984 aufgelöst.
Comeback mit Rial
Nachdem er mit Rial einen neuen Felgenhersteller aufgebaut hatte, stieg Schmidt 1988 mit diesem als Formel-1-Team wieder in die Formel 1 ein. Aber schon 1989 zog sich das Team mit mageren 6 in beiden Jahren erzielten Punkten wieder zurück.
Siehe auch
Portal:Motorsport
Rial (Formel 1)
Weblinks
• ATS Website mit Motorsport-Geschichte

