Astrium Bremen
Arbeitsschwerpunkt
EADS Astrium in Bremen baut und betreut im Auftrag der ESA das Wissenschaftslabor Columbus, der europäische Beitrag zur Internationalen Raumstation ISS. Das Labor ermöglicht, fast alle Experimente der Grundlagenforschung durchzuführen. In Bremen wurde dazu ein Nutzungszentrum eingerichtet, das den laufenden Betrieb des Columbus-Labors sowie die industrielle Nutzung der Forschungsanlagen im All betreut.
Bei Astrium in Bremen entsteht zudem die Oberstufe der Ariane 5, mit der kommerzielle Satelliten ins All transportiert werden. Außerdem bereitet das Bremer Werk den Einsatz wiederverwendbarer Transportsysteme vor.
In den Bremer Reinräumen wird neben Raketenstufen und dem Weltraum-Labor auch der Versorgungstransporter ATV für die ISS gebaut. ATV ist ein unbemannter Versorgungsgleiter, das bis zu 6,5 Tonnen Ausrüstung und Vorräte zur Raumstation bringen kann.
Geschichte
{| class="prettytable"
|Jahr
|Unternehmen
|-
|1961
|ERNO (Weser Flugzeugbau, Focke-Wulf, Hamburger Flugzeugbau)
/'>-
|1963
|Astrium
|-
|2003
|EADS Space Transportation
|-
|2006
|EADS Astrium
/'>}
Die Unternehmen Hamburger Flugzeugbau (HFB) gründeten 1961 die Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsring Nord (ERNO). Im Hinblick auf ein europäisches Trägerraketenprogramm sollten Kapazitäten gebündelt werden. Ab 1963 hatte dieser Verbund als ERNO-Raumfahrttechnik seinen Sitz in Bremen. Bereits Im April 1963 erhielt ERNO den ersten Entwicklungsauftrag im Triebwerksbereich.
Die Europäische Weltraumforschungsorganisation ESRO förderte ERNO. Vor allem auf dem Gebiet der Antriebsforschung machte sich die Firma schnell einen Namen. Europa_1-Rakete/'>ERNO}} erhielt den Auftrag, die Oberstufe einer [[Europa (Rakete)/'>Europa 1-Rakete (Trägerrakete ERNO das Spacelab, Europas Wissenschaftslabor für Experimente in der Schwerelosigkeit. Zu den zahlreichen Nutzern des Spacelabs zählt auch der erste deutsche ESA-Astronaut Ulf Merbold.
Im Januar 1981 ging die ERNO Raumfahrttechnik GmbH in der Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm_(MBB) auf und hieß fortan MBB/ERNO.
September 1989 wurde das Unternehmen Teil der neu von Daimler-Benz, AEG, Dornier und MTU gegründeten DASA.
Nach mehreren Umbenennungen brachte DaimlerChrysler seine Tochter Aerospace im Jahr 2000 in ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen mit Aérospatiale-Matra und CASA ein, der EADS. Seitdem ist das Bremer Werk Teil des Raumfahrtsektors Astrium der EADS.
Ariane_5_ECA
Im Februar 2005 belegte der erfolgreiche Flug der Ariane 5 ECA "Bremen" die Leistungsfähigkeit der deutschen Raumfahrtindustrie. EADS Astrium in Bremen ist das europäische Kompetenzzentrum für die Oberstufe dieser Rakete.
Die Oberstufe übernimmt nach der Abtrennung der Hauptstufe die Aufgabe, die Satelliten zielgenau auf die gewünschte Position in der Erdumlaufbahn auszusetzen. Sie arbeitet auf kryogener Basis, also mit tiefkalten, hochenergetischen Treibstoffen (Flüssigwasserstoff/Flüssigsauerstoff). Für diese Oberstufe wurde der bereits 130 Mal erfolgreich geflogene HM 7 Motor aus der Ariane 4 übernommen und teilweise ergänzt.
Die Oberstufe erreicht einen Schub von 65 kN (das entspricht etwa 180.000 PS). Die Standard Oberstufe EPS verfügte dagegen nur über 30 kN. Damit konnte die Nutzlast der Ariane-Rakete von sechs auf bis zu zehn Tonnen erhöht werden.
Wegen des großen Erfolgs wird Astrium von 2008 bis 2010 bis zu acht statt geplanter fünf Raketen pro Jahr abliefern. Zu den 160 Mitarbeitern, die zurzeit in Bremen mit der Oberstufe beschäftigt sind, kommen deshalb 20 weitere dazu.
Auch das «Gehirn» der Rakete, die Vehicle Equipment Bay (VEB), in der die komplette Steuerung der Rakete untergebracht ist, kommt aus Bremen.
Wegen der Kapazitätsausweitung entsteht bei EADS Astrium in Bremen ein neues Logistikgebäude. Das Gebäude wird künftig auch für die Serienproduktion des unbemannten Raumtransporters_ATV genutzt.
Zukunft
Vega
Bei Astrium in Bremen wird zur Zeit an der Entwicklung einer wiederzündbaren Oberstufe für die Ariane und einer Oberstufe für die italienische Kleinrakete Vega gearbeitet. Der Chef von EADS Astrium, Evert Dudok, bezeichnet die Vega "als europäisches Produkt der Zukunft".
ATV (Automated Transfer Vehicle)
Der unbemannte Raumtransporter ATV ?Jules Verne? für die Versorgung der Internationalen Raumstation ISS, hat seine letzte Testphase absolviert, und wird demnächst (2007) die Reise nach Kourou antreten, wo das Testmodell starten soll.
Hopper
Auf dem Weg zu einem wiederverwendbaren Raumtransporter entsteht bei Astrium Bremen zur Zeit auch das System Hopper. Dieses automatische Transportgerät soll wiederverwendbar sein und vergleichsweise geringe Missionskosten verursachen.
Äußerlich ähnelt Hopper dem Space Shuttle. Das Fluggerät ist allerdings deutlich kompakter.
Wesentlicher Unterschied: Der Startvorgang erfolgt horizontal während einer 4 Kilometer langen Schlittenfahrt. So erreicht Hopper bereits wenige Minuten nach dem Start eine Höhe von 130 km. An diesem Punkt wird die Nutzlast ? in der Regel ein Satellit zusammen mit einer Oberstufe ? aus dem Heck des Hoppers ausgesetzt.
Während die Oberstufe die Nutzlast in die gewünschte Orbitposition bringt, gleitet das Hopper zurück zum Landeplatz. Das wiederverwendbare Raumtransportsystem Hopper soll als bis zum Jahr 2015 realisiert werden.
Mitarbeiterzahl
Am Standort Bremen von EADS Astrium sind gegenwärtig (2007) rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im Zulieferbereich arbeiten in der Region Bremen rund 1.900 Beschäftigte.
Lage
EADS Astrium in Bremen befindet sich unmittelbar neben dem Airbus Werk in der Hünefeldstraße am Bremer Flughafen.
Führungen
Die [http://www.bremen-tourism.de/btz/material/BTZ_RaumfahrtFuehrung_D.pdf Bremer Touristik Zentrale bietet Führungen im Astrium Werk an. An einem 1:1 Modell können Besucher erleben, wie Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS leben, arbeiten und schlafen. Außerdem sind die Arbeiten am Weltraumlabor Columbus zu beobachten.
Unternehmen und Institute am Raumfahrt-Standort Bremen
OHB-System
Die "OHB-System AG" ist ein mittelständisches Unternehmen auf dem Markt der
Raumfahrttechnologie. Auf dem Sektor Kleinsatelliten ist die "OHB-System AG" deutscher Marktführer. Für die internationalen Raumstation ISS stattet das Unternehmen Forschungslabore und Experimentaleinrichtungen aus. Das erste satellitengestützte Radar-Aufklärungssystem Deutschlands wird von "OHB" als Hauptauftragnehmer entwickelt. Im Jahr 2003 Bei "OHB-System AG" in Bremen waren 330 Mitarbeiter beschäftigt.
ZARM_mit_Fallturm_Bremen
Das 'Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation' an der Universität Bremen erforscht unter anderem das Verhalten von Flüssigkeiten in Schwerelosigkeit.
[http://www.ee-aerospace.com/cms/ee/aerospace/home/index.html euro engineering AEROSPACE]
Ingenieurunternehmen mit Hauptsitz in Bremen und Niederlassung in Hamburg. Spezialisiert auf die besonderen Anforderungen der Produktentwicklung in den Branchen Luft- und Raumfahrt.
Space_Park
Aus Kreisen des Unternehmens kam Ende der 90er Jahre auch die Idee, Raumfahrt in Bremen erlebbar zu machen. Ein Investor griff diese Idee auf und entwickelte daraus den über 500 Millionen Euro teuren Space_Park_Bremen, der vor allem mit öffentlichen Mitteln gebaut wurde. Schon bald nach seiner Eröffnung 2003 musste der Space_Park_Bremen allerdings wegen zu geringer Besucherzahlen Insolvenz anmelden.
Quellen
[http://www.dglr.de/ Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt]
[http://www.dfg.de/aktuelles_presse/ausstellungen_veranstaltungen/raumtransportsysteme/index.html DFG - Raumtransporter der nächsten Generation]
[http://www.eads.net/ EADS]
[http://www.astrium.eads.net EADS Astrium]
[http://www.srv-ch.org/contrib/weginsweltall/weg_ins_weltall.htm Fred Richter - Der neue Weg ins Weltall]
[http://www.abendblatt.de/daten/2007/02/16/689806.html Hamburger Abendblatt]
[http://www.tu-berlin.de/zek/koop/bag_archiv/06_031.pdf Institut Arbeit und Wirtschaft der Uni Bremen]
[http://planetarium.hs-bremen.de/ Olbers Planetarium]
[http://www.raumfahrt-archiv-bremen.de Raumfahrt-Archiv Bremen]
[http://www.geschichte.aero Luft- und Raumfahrtgeschichte online]
Weblinks
• Astrium
• EADS

