Asozialität
Asozialität bezeichnet die Unfähigkeit zum Leben in der Gemeinschaft.Begriff
Der Begriff asozial ist als Gegenbegriff zu ?sozial? gebildet, wird jedoch oft im Sinne von ?antisozial? (=gemeinschaftsschädigend) verwendet. Beides sind Kunstworte, aus griech. ?a-? (deutsch ?un-?) bzw. ?anti-? (deutsch ?gegen-?) plus lat. ?socialis? (für ~ ?gemeinschaftlich?).
?Asozial? bezeichnet an sich ein von der geforderten oder anerkannten gesellschaftlichen Norm abweichendes Individual-Verhalten: Ein Individuum vollzieht seine persönlichen Handlungen ohne die geltenden gesellschaftlichen Normen und die Interessen anderer Menschen zu berücksichtigen.
Der Begriff ?asozial? wird aber auch häufig auf Gruppen bezogen, die in ihren Verhaltensweisen von den geforderten gesellschaftlichen Normen (z.T. bewusst) abweichen (z.B. Hippies). In der NS-Diktatur und in der DDR haben die Machthaber den Begriff ?asozial? zum Rechtsbegriff gemacht und daraus die Verfolgung von unangepassten sozialen Gruppen juristisch abgeleitet (siehe unten).
Sprachgebrauch
Der Ausdruck ?Asoziale? war in der Zeit des Nationalsozialismus (jedoch auch schon früher) eine politisch genutzte Sammelbezeichnung für als minderwertig eingeschätzte Menschen aus der sozialen Unterschicht. Als ?Asoziale? wurden (und werden teilweise bis heute) insbesondere Bettler, Landstreicher, Obdachlose, Prostituierte, Zuhälter, Fürsorgeempfänger, Suchtkranke (z. B. Alkoholiker), deklassierte Unterschichtsfamilien (von den Nazis als ?asoziale Großfamilien? bezeichnet), Homosexuelle, Zigeuner und andere Unangepasste (z. B. Swingjugend) bezeichnet. In den Konzentrationslagern wurden sie mit einem schwarzen_Winkel gekennzeichnet.
In den 60ern wurde der Begriff dann häufig herabsetzend auf Hippies (Gammler, Langhaarige), in den 80ern auf Punks angewendet. Den so Bezeichneten wurde vorgeworfen, sie stellten sich außerhalb der Gemeinschaft, lebten nicht wie der ?Mainstream?, seien verwahrlost und damit in unvertretbarem Maße unkultiviert.
In der DDR konnten Personen, die nach Ansicht der staatlichen Organe die öffentliche Ordnung durch asoziales Verhalten gefährdeten, nach Paragraph 249 StGB/DDR zu Haft- oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt werden.
Heute findet der Begriff im wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs sowie in der gehobenen Umgangssprache kaum mehr Verwendung. Aufgrund seiner belasteten Geschichte gilt er vielen als problematisch, mit ungewollten Assoziationen bestückt und somit als politisch_nicht_korrekt. Menschen, die am unteren Rand als außerhalb der Gesellschaft stehend wahrgenommen werden, werden statt dessen oft z. B. als ?Ausgegrenzte? o.ä. bezeichnet, damit geht auch eine andere Bewertung einher, die Ursache der Ausgegrenztheit wird somit nicht mehr nur beim betreffenden Individuum oder der betreffenden Gruppe gesehen, sondern auch oder vor allem in Prozessen der Gesellschaft.
Manchmal findet der Begriff asozial allerdings in anderer Form Verwendung, zur Kennzeichnung von gesellschaftlich destruktivem Verhalten gänzlich anderer Art, nämlich durch Menschen_an_der_Spitze_der_Gesellschaft, die sich gegenüber dem Allgemeinwohl, ihren Mitarbeitern, ihren Kunden, ihren Wählern etc. un-sozial verhalten. Um diesen Sachverhalt besonders zugespitzt zu verbalisieren, wird das Verhalten dann asozial genannt mit anderer Betonung (auf der ersten Silbe): ?a-sozial?.
In der einfachen Umgangssprache findet der Begriff allerdings weiterhin als abwertende, diskriminierende Bezeichnung oder als Schimpfwort Verwendung. In leicht gemilderter Form fungiert hier statt dessen zum Teil auch der Begriff "Proll": Im Gegensatz zu den Begriffen ?asozial? oder ?asi? (siehe unten), die Lebensformen und Verhaltensmuster assoziieren, die schon jenseits des in der Gesellschaft tolerierten stehen, assoziiert ?Proll? in einer seiner Bedeutungsfacetten Lebensformen und Verhaltensweisen am äußersten unteren Rand des gesellschaftlichen Spektrums. Umgangssprachlich wird die Attributierung asozial auch für Situationen und Dinge eingesetzt, die in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes schlicht ?unsinnig? sind. Der Sinnbezug auf gemeinschaftliches Zusammenleben wird dabei häufig zugunsten eines Bezuges auf eine ästhetisch sehr unangenehme Erscheinung aufgegeben, die vom Verwender des Begriffs meist als peinlich, manchemal sogar als ekelerregend empfunden wird.
Im umgangssprachlichen Gebrauch werden darüberhinaus oft die Kurzformen Asi (Substantiv) oder asi (Adjektiv) benutzt. Das Substantiv Asi wird oft für Proleten, Unruhestifter, usw. verwendet. Entsprechend ist das Adjektiv asi auf asoziale Verhaltensweisen oder Gegebenheiten, auch ohne Bezug auf ein menschliches Verhalten, bezogen.
Siehe auch
Soziale Randgruppe
Exklusion
Obdachlosigkeit

