Asiatische Option
Als asiatische Option bezeichnet man in der Finanzwelt eine besondere Form einer exotischen_Option, die dem Käufer eines solchen Derivats einen Durchschnittswert des Underlyings über eine gewisse Laufzeit auszahlt. Man unterscheidet dabei mehrere Typen von asiatischen Optionen, die sich in der Art der Durchschnittsbildung voneinander unterscheiden:Arithmetische Asiatische Optionen
Sei ein Underlying (etwa eine Aktie oder ein Index gegeben. Eine arithmetische Asiatische Option Aus S mit Laufzeit (Maturität) T>0 (meist angegeben in Jahren) ist ein Kontrakt, der den Verkäufer der Option (auch "short-position" genannt) verpflichtet, zum Zeitpunkt T dem Käufer (long-position) den arithmetischen_Mittelwert des Kurses im Zeitraum [0,T] auszuzahlen. Dieser Wert ist dabei definiert als
:,
wobei die Zeitpunkte eine Einteilung des Intervalls [0,T] beispielsweise in Tage angibt (bei einer Laufzeit von zwei Jahren ergäbe das etwa n=730). Dafür muss der Käufer dem Verkäufer bei Vertragsabschluss eine gewisse Prämie entrichten, die die Erwartungen an den Kursverlauf zum Ausdruck bringt. Das arithmetische Mittel stellt eine Approximation des eigentlichen Mittelwertes dar, der nicht exakt berechnet werden kann (da der Kurs einer Aktie nur zu endlich vielen Zeitpunkten ausgegeben wird).
Geometrische Asiatische Optionen
Die geometrische asiatische Option funktioniert dementsprechend, nur wird dabei anstatt des arithmetischen der geometrische_Mittelwert zur Durchschnittsbildung herangezogen. Zum Zeitpunkt T zahlt der Verkäufer also den Betrag
:
an den Käufer aus, der dafür wieder eine festgelegte Prämie entrichtet. Eine fundamentale Beziehung zwischen arithmetischer und geometrischer Option erkennt man, wenn man den Wert des Underlyings durch logarithmiert: Dann gilt nämlich
:.
Das geometrische Mittel stellt analog eine Approximation des Integrals dar. Mit Hilfe der Jensenschen_Ungleichung lässt sich zeigen, dass stets gilt. Dementsprechend wird die Prämie für eine geometrische Option geringer ausfallen als die für eine arithmetische Option der selben Laufzeit.
Bewertung von asiatischen Optionen
In der Finanzmathematik ist man stets daran interessiert, den Erwartungswert der Auszahlung bezüglich eines bestimmten Wahrscheinlichkeitsmaßes zu berechnen. Dies ist bei pfadabhängigen Optionen, also solchen, bei denen die Auszahlung nicht nur vom Schlusskurs abhängt (dies ist beispielsweise bei normalen Call- und Put-Optionen der Fall), oft schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Das gilt für asiatische Optionen in verstärktem Maße, da diese, etwa bei dreijähriger Laufzeit und täglicher Beobachtung, die Berechnung eines Durchschnitts von über tausend voneinander abhängigen Zufallsvariablen bedeuten kann. In solchen Fällen hilft meist nur noch eine Monte-Carlo-Simulation zur Schätzung des Erwartungswertes.
Ein Ausweg hieraus kann oft die Strategie sein, statt des tatsächlich ausgezahlten Mittelwerts das tatsächliche Integral zu betrachten. In einigen Kapitalmarktmodellen wird S durch spezielle stochastische_Prozesse modelliert, deren Integrale zumindest in ihrer Verteilung bekannt sind. Besonders oft ist dies bei der geometrischen asiatischen Option der Fall, da zumeist (beispielsweise in Lévy-Modellen) angenommen wird, wobei X ein "einfacher" Prozess ist. Im bekanntesten Kapitalmarktmodell, dem Black-Scholes-Modell, ist dies zum Beispiel eine Brownsche_Bewegung.

