Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik
Die Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik (, englisch: Al-Shifa Pharmaceutical Factory) in al-Chartum Bahri war bis 1998 der größte Hersteller pharmazeutischer Produkte in Sudan. Sie wurde am 20. August 1998 durch einen Angriff der USA mit Marschflugkörpern zerstört.Bedeutung
Die Asch-Schifa-Arzeimittelfabrik wurde zwischen 1992 und 1996 unter Verwendung von Komponenten aus USA, Schweden, Italien, der Schweiz, Deutschland, Indien und Thailand erbaut. Die Fabrik beschäftigte über 300 Arbeiter. Produziert wurden Arzneimittel für den tierärztlichen und menschlichen Bedarf. Die Einrichtung war leicht für ausländische Besucher zugänglich.
Bombardierung
Am 20. August 1998 wurde die Fabrik durch einen US-amerikanischen Anschlag mit drei von Militärschiffen abgeschossenen Tomahawk-Marschflugkörpern zerstört, bei dem eine Person getötet und 10 Personen verletzt wurden. Drei Gebäude der Fabrik wurden vollständig zerstört, das vierte schwer beschädigt. Die Bombardierung von asch-Schifa war Teil der Operation Infinite Reach, die als Vergeltungsschlag für die am 7. August 1998 verübten Anschläge auf US-amerikanische Botschaften in Daressalam in Tansania und Nairobi in Kenia durchgeführt wurde. Die Clinton-Regierung gab als offizielle Begründung die Produktion chemischer Waffen und Verbindungen mit der gewalttätigen islamistischen Gruppierung al-Qaida an.Ein Schlüssel-Beweisstück für die Produktion chemischer Waffen war die Entdeckung von EMPTA in einer auf dem Gelände genommenen Erdprobe während einer geheimen CIA-Operation. EMPTA, oder O-ethylmethylphosphonothioic-Säure, ist laut der "Chemical Weapons Convention" als "Schedule 2B compound" und als "VX precursor" eingestuft. Obwohl verschiedene theoretische Verwendungsmöglichkeiten und patentierte Prozesse mit Verwendung von EMPTA angegeben wurden, wie die Produktion von Kunststoffen, sind bisher keine industriellen Verwendungen dokumentiert. EMPTA ist jedoch nicht von der "Chemical Weapons Convention" verboten worden, wie von der US-Regierung behauptet wurde.
"Under-Secretary of State" Thomas Pickering behauptete, es hätten ausreichende Beweise gegen Sudan vorgelegen, darunter Kontakte zwischen Offiziellen von asch-Schifa und irakischen Waffenexperten. Die Nationale Demokratische Allianz NDA, eine sudanesische Oppositionspartei in Kairo angeführt von Mubarak al-Mahdi, bestand ebenfalls darauf, dass in asch-Schifa Komponenten für chemischen Waffen hergestellt würden. Der frühere Anti-Terrorismus-Berater der Clinton-Regierung, Richard Clarke, und der frühere Berater für nationale Sicherheit, Sandy Berger, wiesen auf die Verbindungen der Fabrik zur früheren irakischen Regierung hin. Clarke zitierte hierzu einen Vertrag zwischen asch-Schifa und dem Irak über $ 199,000 für tierärztliche Medizin unter dem UN-?Öl-für-Nahrung?-Programm.
Unmittelbar nach dem Anschlag forderte die sudanesische Regierung den UN-Sicherheitsrat auf, eine Untersuchung des Geländes in Bezug auf die Produktion von chemischen Waffen durchzuführen. Die USA lehnten eine solche Untersuchung von Anfang an ab. Auch wurde die EMPTA-Bodenprobe nie von einem unabhängigen Labor untersucht. Damit existiert kein Beweis für die Produktion chemischer Waffen in asch-Schifa. Heute ist bekannt, dass viele der anfangs vorgebrachten US-amerikanischen Anschuldigungen falsch sind.
Folgen der Bombardierung
Werner Daum (der deutsche Botschafter in Sudan von 1996?2000) schätzt, dass der Anschlag wahrscheinlich zu zehntausenden Toten in der sudanesischen Zivilbevölkerung geführt hat. Der regionale Direktor der "Near East Foundation" veröffentlichte einen Brief im Boston Globe mit derselben Schätzung. Zu diesem Zeitpunkt hatten die USA ihre Sanktionen in Bezug auf den kommerziellen Verkauf medizinischer Produkte an Sudan gelockert.
Die Regierung Sudans will die Reste der Fabrik als Mahnmal des amerikanischen Anschlages in ihrem Zustand belassen und bot an, das Gelände auf chemische Substanzen untersuchen zu lassen ? ein Angebot, das von den USA abgelehnt wurde.
Sudan verlangt eine Entschuldigung der USA, welche diese jedoch unter Hinweis auf mögliche Verbindungen zur Entwicklung von chemischen Waffen verweigern.
Weblinks
* Yannick Lemieux: [http://ptaff.ca/al-shifa/?lang=en_CA The al-Shifa pharmaceutical factory] 15. Oktober 2005 (engl.)
• al-Shifa Pharmaceutical Plant: Key Reports & Analyses of the U.S. Attack and CW Allegations (engl.)
* Michael Barletta: [http://cns.miis.edu/pubs/npr/vol06/61/barlet61.pdf Chemical Weapons in the Sudan: Allegations and Evidence] The Nonproliferation Review, Herbst 1998 (engl.)

