Obrigheim (Baden)
Obrigheim ist eine Gemeinde im Codex Laureshamensis aus dem Jahr 773 wird die Schenkung des Ortes Ubarachheim von einem gewissen Reginhard an das Kloster Lorsch erwähnt. Obrigheim wurde abermals im Jahr 976 im Zusammenhang mit der Verleihung des Stifts Mosbach an Worms durch Kaiser Otto II. erwähnt. Die erste Erwähnung des Ortsteils Mörtelstein datiert um das Jahr 1000, die des Ortsteils Asbach um 1100.
Mittelalter
Etwa im Jahr 970 wurde auf einem steil aufragenden Felsen des Neckartalhanges oberhalb des Ortes Burg Hohinrot errichtet und wurde ab 976 von der Abtei Mosbach als Lehen des Bistums Worms genutzt. Eine weitere Burg, die Mettlenburg (auch Alte Burg), wurde an der Stelle der heutigen evangelischen Kirche im 11. Jahrhundert errichtet. Um 1290 wurde Burg Hohinrot durch einen größeren Neubau ersetzt, der sich zunächst im Besitz derer von Obrigheim, später derer von Helmstatt befand. 1401 erwarb Ruprecht von der Pfalz den seit 1384 Neuburg genannten Bau. Asbach war bereits bis 1380 pfälzisch, Mörtelstein ebenso vor 1400.
Im 14. Jahrhundert wurde vermutlich auf dem neckaraufwärts gelegenen Karlsberg als dritte Burg noch Burg Landsehr errichtet, die ebenfalls kurpfälzisch war und von der keine Fragmente mehr erhalten sind. Im 15. Jahrhundert waren die Herren von Rossau Lehnsherren der Neuburg und gestalteten diese zu einem Schloss um, das bis heute das von fern zu sehende Wahrzeichen der Stadt ist. Kirchen sind in Obrigheim und Mörtelstein seit 1371 nachgewiesen.
Dreißigjähriger Krieg
Im Dreißigjährigen_Krieg wurde Obrigheim 1635 praktisch ausgelöscht. Die weitere Existenz des Ortes ist nur der Ansiedlung von mehrheitlich Schweizer Einwanderern durch die Pfalzgrafen zu verdanken. Lehnsherr der Neuburg war während des Krieges mehrere Jahre der kurfürstlich-bayerischen Kanzler Georg Friedrich von Iselbach. Der ohnehin von Kriegen und Seuchen nicht verschonte Ort sollte nach dem Dreißigjährigen Krieg über 200 Jahre von Armut und großem Elend geprägt sein.
Aufklärung
1786 bestanden im Ort Obrigheim drei Kirchen, eine Schule und 118 Häuser. 1803 kam der Ort zum Fürstentum Leiningen, 1806 Übergang zum neu geschaffenen Großherzogtum Baden. Das Elend der Einwohner verursacht eine Auswanderungswelle, überwiegend nach Amerika. Der Bau der Eisenbahn im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts brachte einen bescheidenen Aufschwung. 1845 erwarb Graf Carl von Leiningen-Billigheim Schloss Neuburg, 1869 das Haus von Cetto.
NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg 1933-1945
1935 wurde Schloss Neuburg Kreisschulungsburg der NSDAP. In Neckarelz war von 1944 bis 1945 ein Außenlager_des_KZ_Natzweiler-Struthof. Die Häftlinge haben in die Obrigheimer Gipsstollen Fabrikationsräume gehauen. Gefangen waren sie zunächst in der Schule im Ortsteil Mosbach-Neckarelz auf der gegenüberliegenden Neckarseite. Der Lagerkomplex wuchs schnell. In der unterirdischen Bomberflugzeugmotorenfabrik in Obrigheim arbeiteten fast 10.000 Menschen, viele von ihnen Gefangene verschiedener Art. Unter ihnen bildeten die 5.000 KZ-Häftlinge die Hauptgruppe. 900 konnten April 1945 befreit werden. Die Eisenbahnverbindungen und die nahen Rüstungsbetriebe waren der Anlass mehrerer Luftangriffe während des Krieges.
Gegenwart
Nach dem Krieg wurden Heimatvertriebene in Schloss Neuburg untergebracht. 1961 wurde die Gemeinde als Standort des ersten kommerziell genutzten Kernkraftwerks in Deutschland auserwählt. Die Gründung der Kernkraftwerk_Obrigheim_GmbH_(KWO) mit einem Stammkapital von 100 Mio. DM setzte ab 1964 wichtige wirtschaftliche Impulse in der Region, war aber auch umstritten. Das Kraftwerk wurde auch als eines der ersten 2005 stillgelegt.
Religionen
Seit der Reformation ist Obrigheim überwiegend evangelisch geprägt. Neben den drei evangelischen Gemeinden besteht heute jedoch auch eine römisch-katholische Gemeinde im Ort.
Eingemeindungen
• Mörtelstein
*1973]: Asbach
Politik
Gemeinderat
Der Gemeinderat setzt sich aus 18 Mitgliedern zusammen, die für jeweils fünf Jahre gewählt werden. Die Gemeinderatswahl am [[13. Juni 2004 brachte folgendes Ergebnis:
#CDU 37,8% (-7,4) - 7 Sitze (-2)
#FWO 35,8% (+2,9) - 6 Sitze (-1)
#SPD 26,4% (+4,5) - 5 Sitze (+1)
Wappen
Die Blasonierung des Wappens lautet: Durch eine aufsteigende, eingebogene rote Spitze, worin ein schmaler, in drei beieinanderliegende Kugeln (1:2) auslaufender silberner (weißer) Göpel, gespalten; vorn von Blau und Silber (Weiß) schräglinks gerautet, hinten in Schwarz ein rot bewehrter und rot bezungter goldener (gelber) Löwe.
Seit dem 18. Jahrhundert wurden die pfälzischen heraldischen Embleme Rauten und Löwe neben dem nicht zu deutenden Fleckenzeichen Obrigheims in den Siegeln geführt, wobei das Fleckenzeichen entweder wie im Gemeindewappen oder umgekehrt, als aus einem Dreiberg wachsende schmale Deichsel, dargestellt ist.
Gemeindepartnerschaften
Obrigheim unterhält partnerschaftliche Beziehungen mit
* Krsko, Slowenien seit 1982 und
* Chantepie, Frankreich seit 1998.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
* Heimatmuseum Obrigheim
* Goldfischpfad der KZ-Gedenkstätte_Neckarelz, Geschichtslehrpfad zu den Tunnelanlagen "Goldfisch" und "Brasse"
Bauwerke
* Burghotel Schloss Neuburg, das Wahrzeichen des Ortes liegt hoch über dem Neckar
* Georgskapelle mit Fresken aus dem 15. Jahrhundert (Mörtelstein)
* Kirche im Weinbrenner-Stil, erbaut 1832 von Johann Ludwig Weinbrenner, dem Neffen des Namensgebers für den badischen Klassizismus Friedrich Weinbrenner
Sport
Die Gewichtheber des SV Germania Obrigheim kämpfen in der 1. Bundesliga. 2003 konnte die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewonnen werden. In den Jahren 2005 und 2007 wurde jeweils die Vizemeisterschaft errungen.
Wirtschaft und Infrastruktur
Kernkraftwerk
Der Reaktor des Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) (Druckwasserreaktor, 345 MW) wurde am 11. Mai 2005 außer Betrieb gesetzt, der aufwändige Rückbau soll etwa 25 Jahre benötigen.
Verkehr
Von Obrigheim führt eine Brücke über den Neckar nach Diedesheim, einem Stadtteil von Mosbach.
Die Bundesstraße 292 führt durch Obrigheim in Richtung Sinsheim. Die Schwarzbachtalbahn, die einst auch durch Obrigheim führte, ist in diesem Abschnitt inzwischen stillgelegt.
Bildungseinrichtungen
Obrigheim verfügt über eine Realschule und eine Grund- und Hauptschule. Für die jüngsten Bewohner gibt es zwei evangelische und einen römisch-katholischen Kindergarten.
Weblinks
• Offizielle Homepage der Gemeinde Obrigheim
• KZ-Gedenkstätte in Mos-Neckarelz zur Fabrik in den O. Gipsstollen
• Die Obrigheimer Kirche im Weinbrenner-Stil auf badischewanderungen.de

