Asabiyya
Der arabische Ausdruck asabiyya bedeutet wörtlich das Stammeszugehörigkeitsgefühl, in der weiteren Bedeutung die Bereitschaft der Mitglieder einer Gemeinschaft, in jedem Fall gegenüber Nicht-Stammesmitgliedern zusammen stehen.Bei den arabischen Eroberungen mittels Dschihad, euphemistisch futuh ("Öffnungen") genannt, spielte die asabiyya eine wesentliche Rolle als einigendes Element unter den islamischen Glaubenskriegern. Im 14. Jahrhundert erweiterte der Historiker Ibn Chaldun die Bedeutung auf die (neben der wirtschaftlichen Verfassung bestehende) gemeinsame Werte-Orientierung einer Gesellschaft und machte den Begriff dadurch nicht nur zu einem Instrument für die Analyse des Zustandes von Gesellschaften, sondern auch zu einem Schlüsselbegriff für die Vorstellung von einer durch gemeinsame Werte geeinigten (nicht notwendig islamischen) Zivilisation. In islamischen theologischen und politischen Debatten wurde dagegen der Begriff der umma ins Feld geführt.
In jüngerer Zeit wurde die asabiyya im Verständnis Ibn Chalduns durch den Politologen Bassam Tibi als ein früher Vorläufer moderner Konzepte von Leitkultur in die Debatte einer deutschen oder europäischen Leitkultur eingebracht.
Literatur
* Jonas Grutzpolk, ?Umma und Asybiya?, in: Tönnies-Forum, Jg. 16, H. 1, 2007, S. 29-44
Siehe auch:
Umma, Dar al-Islam, D?r al-Harb
Weblinks
*Marietta Stepaniants, [http://www.dartmouth.edu/~crn/crn_papers/Stepaniants2.pdf Ethnicity and Religion], [http://www.dartmouth.edu/~crn/groups/religion_group.htm CRN Russia], 9. April 2001
*Akbar S. Ahmed, [http://www.history-compass.com/viewpoint.asp?section=8&ref=109 Toward a Global Paradigm: The Challenge for Islam], Religion Compass, Winter 2004
*Bassam Tibi, [http://cms.ifa.de/Zivilisatorischer_Niedergang.tibi.0.html Die Macht der Moral: Zivilisatorischer Niedergang], Zeitschrift für KulturAustausch 2/2005

