Arvaniten
Als Arvaniten (albanisch: Arvanitë, griechisch: ?????????, Arvanite) werden die ethnischen Albaner in Griechenland, die Angehörige der Nachfahren von Zuwanderern aus Südalbanien sind. Arvaniten bezeichnen sich selbst als Arbërorë, ein früher gesamtalbanisches Ethnonym. Der Volksname stammt aus griechischen mittelalterlichen Chronisten, die das aus Arvanon (alter Ort in Zentralalbanien, der zwischen den Flüssen Drin und Shkumbi vermutet wird) stammende Volk erstmals genannt haben. Andere Versionen des Ethnonyms aus den historischen Texten sind u.a.: Alvanites, Albanesen, Arvonite, Albanenses (lat.), Arbanasi (slaw.), Arnaut (türk.). Die heutigen Namen des Nationalstaates Albanien und ihrer Einwohnern, Shqipëria und Shqiptarë, waren diesen Aussiedlern des Mittelalters nicht mehr bekannt. Heute leben die meisten Arvaniten im Südgriechenland, aber auch auf einigen Ägäisinseln und auf der Peloponnes, im heutigen Dreiländereck in Thrakien, sowie in Çameria von Epirus, wobei letzteren, im Unterschied zu den Arvaniten, über ein albanisches Bewusstsein verfügen. Im Gegensatz zu den Çamen sehen sich die Arvaniten selber, aufgrund ihrer Protagonistenrolle beim Befreiungskampf der Griechen gegen den Osmanen, nicht als Minderheit. Nach den Kriterien des Sprachgebrauchs leben in Griechenland schätzungsweise zwischen 150.000 und 200.000 Arvaniten. Laut eigener Angaben der griechisch-orthodoxen_Kirche angehörenden Arvaniten ist die Zahl der arvanitischstämmigen Einwohner deutlich höher und erreicht bis zu zwei Millionen.Geschichte
Im Laufe des Mittelalters (1350-1450) führte die Besetzung Albaniens von den Osmanen, die militärische Mitarbeit zwischen christlichen Albanern und byzantinischen Herrschern und eine internbalkanische Wanderungstradition zu einer Einwanderung und Niederlassung albanischer Bevölkerungsgruppen in gewissen griechischen wie auch süditalienischen Provinzen. Die Arvaniten haben sich allmählich in der hellenischen Schmelztiegelnation assimiliert und sind zu flammenden Patrioten während des Aufstandes der Griechen gegen die Osmanen (1821) geworden.
Herkunft
Dem Dialekttypus und der Volkskultur aber auch der Orts- und Menschennamen zufolge kommen die Arvaniten aus der toskischen Volksgruppe, die zum größten Teil im Griechenland angrenzenden südalbanischen Teil wohnen, der unter den historischen Namen Illyria, Neuepirus bekannt war.
Sprache
Arvanitika heißt der in Griechenland heute nur noch begrenzt gesprochene albanische Dialekt. Er gehört zum toskischen Subdialekt des Albanischen und hat in sämtlichen Sprachebenen beträchtliche Einflüsse von verschiedenen historischen griechischen Dialekten bekommen. Derartige Einflüsse bezeugen die verschiedenen sozialen Umgebungen, in denen sich die Sprecher des Arvanitika im Laufe ihrer Geschichte befanden. Der Name der Sprache selber ist eine Anpassung an die griechische Grammatik und heute auch von den Sprechern selber adoptiert, wobei der alte Sprachname arbërisht kaum mehr gebraucht wird.
Heute gilt das Arvanitika zu den [http://www.uni-koeln.de/gbs/ bedrohten Sprachen Europas] und wird vom griechischen Staat nicht anerkannt. Der rasante Rücktritt der Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg und noch stärker nach den 1970er Jahren ist auf verschiedenen sozioökonomischen Gründen und nicht zuletzt auf den negativen Status in der griechischen Gesellschaft einschließlich der Sprachgemeinschaften selber zurückzuführen.
Literatur
*Breu, Walter: Sprachliche Minderheiten in Italien und Griechenland. Aus: Spillner, Bernd (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation. (Forum angewandte Linguistik. Bd. 21). Frankfurt a. M. / Bern / N.Y. / Paris (Lang). 1990. S. 169-170.
*Ducelier, Alain: Traveaux et memoires. Bd. 3. L? Albanon et les Albanais au 16 siècle. S. 354-368. Paris (Centre de recherches d? histoire et civilisation byzantine). 1968.
*Haebler, Claus: Grammatik der albanischen Mundart von Salamis. Albanische Forschungen. Bd. 3. Wiesbaden (Harrassowitz). 1965.
*Hamp, Eric P.: On the Arvanitika Dialects of Attica and the Megarid. In: Balkansko Eznikoznanie III. 2. 1961. S. 101-106.
*Jochalas, Titos P.: Über die Einwanderung der Albaner in Griechenland. Eine zusammenfassende Betrachtung. München (Dr.Dr. Rudolf Trofenik). (Sonderdruck aus Dissertationes Albanicae). 1971.
*Sasse, Hans-Jürgen: Arvanitika. Die albanischen Sprachreste in Griechenland. Wiesbaden. 1991.
*Stadtmueller, Georg: Forschungen zur albanischen Frühgeschichte. (Albanische Forschungen. Bd. 2). Wiesbaden (Otto Harrassowitz). 1966.
*Tsitsipis, Lukas D.: Language change and language death in albanian speech communities in Greece. A sociolinguistic study. University of Wisconsin-Madison (Dissertation). 1981.
Weblinks
• Albanischsprachige und Albaner in Griechenland
• Albanian Language, Arvanitika
* Doktorarbeit über das Arvanitika: http://www.ub.uni-konstanz.de/kops/volltexte/2004/1292
* Europäisches Büro für weniger verbreitete Sprachen: http://www.eblul.org
Minderheitensprachen in Europa

