Richard Stahlmann
Richard Stahlmann (15. Oktober 1891 in Königsberg; ? 25. Dezember 1974 in Berlin; eigentlich Artur Illner) war ein Funktionär der KPD/SED und Nachrichtendienstspezialist.Leben
Der aus einer Handwerkerfamilie stammende Illner machte eine Tischlerlehre. Nach Kriegsdienst und britischer Gefangenschaft wurde er 1919 Mitglied der KPD. Er machte eine rasche Karriere als Parteifunktionär und im militärpolitischen Apparat der Partei, seit 1923 im Militärischen Rat der KPD. 1924 emigrierte er in die Sowjetunion, nahm dort die sowjetische Staatsbürgerschaft an und wurde Mitglied der KPdSU. Nach weiterer militärpolitischer Ausbildung wurde er für einige Jahre als Agent der Komintern weltweit eingesetzt. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte er als Bataillonskommandeur bei den Internationalen Brigaden; seit dieser Zeit trug er den Kampfnamen Richard Stahlmann. Während des 2. Weltkriegs leitete er von Schweden aus mit Herbert Wehner den kommunistischen Widerstand in Deutschland. Nach dem Krieg übernahm er bei der SED wiederum militärpolitische und nachrichtendienstliche Aufgaben. Er organisierte u.a. den illegalen Grenzverkehr zwischen SED und westdeutscher KPD, besorgte bei Westreisen von Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl deren Personenschutz. 1951 wurde er amtierender Leiter des Außenpolitischen Nachrichtendienstes (APN), des Vorläufers der HVA des MfS ab 1953, zunächst getarnt als Institut für wirtschaftswissenschaftliche Forschung (IPW) in Berlin-Bohnsdorf. Er war unter den Leitern der Aufklärung Anton Ackermann und ab 1953 Markus Wolf stellvertretender Leiter. 1960 ging er als Oberst in den Ruhestand.
Stahlmann wurde mit mehreren Orden ausgezeichnet. Stasiintern erschien 1986 in Leipzig die Schrift "Aus dem Leben eines Berufsrevolutionärs. Erinnerungen an Richard Stahlmann", mit der Stahlmanns Verdienste um Partei und Staatssicherheitsdienst gewürdigt wurden; mit dem Ende der DDR wurde die Schrift öffentlich zugänglich. In der Deutschen Nationalbibliothek wird Richard Stahlmann als ?Spion? bezeichnet.
Peter Weiss gibt in der "Ästhetik des Widerstands" ein ausführliches Porträt Stahlmanns.
Stefan Heym machte Richard Stahlmann zum Vorbild seines in der DDR verbotenen Romans "Collin".
Literatur
* Erich Wollenberg: Der Apparat - Stalins fünfte Kolonne (Ost-Probleme, Nr. 19). Bonn: Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, 12. Mai 1951, 48 S. (mit Abbildungen von: Albert Schreiner, Wilhelm Zaisser, Hans Kippenberger, Arthur Illner = Richard Stahlmann, Wilhelm Pieck, Walter Ulbrich, Richard Steimer, Franz Dahlem, General Vinzens Müller, Karl Maron, Heinz Hoffmann, Max Reimann, Ernst Wollweber, Karl Schirdewan, Erich Glückauf)
* Aus dem Leben eines Berufsrevolutionärs. Erinnerungen an Richard Stahlmann, Leipzig, 1986
* Wilhelm Mensing: Zwischen Ost und West - Kuriere und Schleuser im Dienst von KPD und SED, in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat Ausgabe Nr. 18/2005
* Markus Wolf: Spionagechef im geheimen Krieg: Erinnerungen. Econ & List, München 1998, ISBN 3-612-26482-6
* Uhl, Michael, Die Internationalen Brigaden im Spiegel neuer Dokumente, in: IWK Heft 4/1999, S. 486-518
Weblinks
• BSTU-Biographie Richard Stahlmann

