Artikulatorische Phonetik
Die artikulatorische Phonetik beschäftigt sich mit dem Sprechvorgang, also der Bildung von Sprachlauten durch die Sprachorgane.Lautbildung
Der Prozess der Lautbildung erfolgt in drei Schritten:
Beim ersten Schritt, der so genannten Initiation, wird zunächst ein Luftstrom gebildet. Zur Produktion der meisten Laute wird der exspiratorische Luftstrom genutzt - also jener, der beim Ausatmen entsteht. Da die Ausatemluft aus den Lungen kommt, spricht man auch von pulmonal eggressiv.(lat. Pulmo -onis m. =Lunge)
In einem weiteren Schritt, der sogenannten Phonation, erfolgt die Lautgebung. Hierbei führt eine Verengung der Glottis im Kehlkopf, der Öffnung zwischen den Stimmlippen, dazu, dass die austretende Luft die Stimmbänder (Stimmlippen) in Schwingung versetzt. Dazu müssen diese teilweise geschlossen (in Phonationsstellung im Gegensatz zur Atemstellung: geöffnet) sein. Die entstehende Vibration überträgt sich anschließend wieder auf den austretenden Luftstrom. Durch Schwingen der Stimmlippen erfolgt somit die Lautgebung.
In dem letzten Schritt, der Artikulation, wird der Luftstrom im Ansatzrohr (Nasen-, Rachen- oder Mundraum) behindert (modifiziert). Der Luftstrom wird durch die Modulation verändert. Diese Änderungen sind als Klänge und Geräusche (Laute) wahrnehmbar.
Artikulation
Bei der Artikulation wird der Luftstrom im Sprechtrakt (Ansatzrohr) entweder durch eines der Artikulationsorgane behindert oder er kann ungehindert ausströmen. Erfolgt eine Behinderung durch eines der Organe, so werden Konsonanten produziert, kann der Luftstrom ungehemmt ausströmen, so werden Vokale gebildet.
Konsonanten
Für die Produktion von Konsonanten wird der Luftstrom durch eine Verengung oder Blockade im Sprechtrakt behindert. Konsonanten werden nach zwei Hauptkriterien klassifiziert: a) der Art wie der Luftstrom behindert wird (Artikulationsart) b) der Stelle an der die Behinderung erfolgt (Artikulationsort).
Vokale
Bei der Bildung von Vokalen wird der Luftstrom im Ansatzrohr nicht behindert oder gebremst. Anstatt den Raum zu verengen oder zu blockieren werden mit Hilfe der Zunge und der Lippen verschiedene Resonanzräume geformt. Die daraus entstehenden Laute bilden die unterschiedlichen Vokale.
Vokale werden nach den Kriterien a) Zungenhöhe und b) Zungenstellung (oder Zungenlage)klassifiziert. Dazu kommt die Stellung der Lippen.
Die Zungenhöhe bezeichnet die vertikale Lage der Zunge im Mundraum (hoch, mittel, tief), die Zungenstellung bezieht sich auf die horizontale Ausrichtung der Zunge im Mund(vorn, zentral, hinten).
Diphthonge
Diphthonge oder Doppellaute (im Deutschen: "ei", "au" und "eu") bilden bei der Artikulation eine Sondergruppe. Während der Bildung dieser Laute bewegt sich die Zunge vom Artikulationsort des einen Lautes zur Vokalposition des Anderen.
Hierbei ist die Anfangsposition der Zunge relativ genau festgelegt, der Endpunkt der Bewegung ist jedoch variabel. Ausserdem entspricht der gesprochene Laut nicht immer dem geschriebenen. So sprechen wir in der Deutschen Hochsprache beispielsweise beim geschriebenen "Ei" ein "a-e".
Quellen
Jörg Maibauer u.a. : "Einführung in die germanistische Linguistik". Stuttgart 2002. ISBN 3-476-01851-2
Online-verfügbare Literatur:
Kröger BJ (2007) Artikulatorische und akustische Phonetik (Internet-Skript) http://www.logopaedie.rwth-aachen.de/personen/dozenten/bkroeger/documents/Kroeger_PhonetikSkript_2007.pdf

