Arthur Lourié
Arthur Vincent Lourié (* 1. Oktober/ 14. Oktober 1893 in Sankt Petersburg; ? 12. Oktober 1966 in Princeton (New Jersey)) war ein russischer Komponist.Leben
Lourié wurde in einer jüdischen Familie als Sohn eines Holzfabrikanten geboren (das in manchen Quellen genannte Geburtsdatum 14. Mai 1892 ist falsch) und erlernte schon in früher Kindheit das Klavierspiel. 1913 konvertierte er zum katholischen Glauben. Er studierte am Konservatorium in St. Petersburg u.a. bei Anatoli Drosdow und Maria Barinova (einer Busoni-Schülerin) und gehörte dort mit Prokofjew zu den pianistischen Spitzentalenten. Allerdings verließ er das Konservatorium ? mit Alexander_Glasunow in kompositorischen Fragen uneins ? vor dem Examen. Lourié bildete sich autodidaktisch weiter fort und schloss sich der Gruppe der russischen Futuristen an. Er schloss Freundschaft mit Alexander_Blok sowie Anna_Achmatowa und war einer der ersten, der Texte dieser Autorin vertonte. Als begeisterter Anhänger der Oktoberrevolution wurde er 1918 als Musikbeauftragter in das Volkskommissariat für Aufklärung berufen. 1922 kehrte er allerdings von einer Dienstreise nach Berlin nicht mehr in die Sowjetunion zurück und lebte ab 1923 in Paris, wo er freundschaftliche Kontakte mit Igor_Strawinski pflegte (woraus später allerdings Feindschaft wurde). 1941 übersiedelte er auf Einladung von Serge_Kussewitzky in die USA, wurde dort jedoch kaum verstanden und war bei seinem Tode auch in Europa vergessen.
Werke
Louriés frühe Werke sind von Debussy und Skrjabin beeinflusst; bald jedoch entwickelte er expressionistische Ausdrucksmittel, die ihn zur Atonalität, mikrotonalen Experimenten und 1912 zu Zwölftonkomplexen führten. Daher gilt Lourié heute als einer der ersten und wichtigsten Vertreter des musikalischen Futurismus. Als Reaktion auf ein Manifest der italienischen Futuristen um Marinetti schlug Lourié eine Musik der Interferenzen und Ultrachromatik vor. Vielleicht am bekanntesten sind heute die (Pablo Picasso gewidmeten) Formes en l'air für Klavier (1915).
Bereits um 1917 wandte Lourié sich jedoch wieder deutlich vereinfachten, diatonischen Ausdrucksformen zu. Seine späteren Werke (u.a. zwei Opern nach Puschkin) sind vielfach von einer Archaik des Ausdrucks und Traditionen des russischen Volks- und Kirchengesangs geprägt.
Hauptquelle
* Gojowy, G. (1980): Neue sowjetische Musik der 20er Jahre. Laaber-Verlag.
Weblinks
• Werkverzeichnis des russischen Musikarchivs

