Arnold Ruge (1881-1945)
Arnold Ruge (1. Januar 1881 in Görlitz; † 24. Dezember 1945 in Karlsruhe) war ein deutscher Hochschullehrer für Philosophie und völkischer Nationalist und Antisemit.Der Sohn des Bankiers Albrecht Ruge war der Großneffe des Schriftstellers Arnold Ruge. Weiterhin war er mit dem Chirurgen Rudolf Virchow verwandt. Nach dem Besuch der Gymnasien Düsseldorf, Frankfurt/Oder und Berlin studierte er Philosophie in Heidelberg, Zürich und Straßburg.
Mit dem Thema Die transzendentale Freiheit bei Kant erlangte er am 2. Februar 1908 die Promotion bei Wilhelm Windelband. Im Jahre 1910 erreichte er die Habilitation an der Universität Heidelberg mit der Arbeit Deduktion der praktischen und moralischen Freiheit bei Kant. Dort nahm er auch anschließend als Privatdozent eine Lehrtätigkeit auf, die die Bereiche der Gegenwartsphilosophie und der Philosophie Kants umfasste.
An der Universität Heidelberg fiel er durch seine antisemitischen Angriffe und Tätigkeiten auf, so dass im im Juli 1920 die Lehrbefugnis entzogen wurde. Er hatte sich öffentlich gegen die Auswüchse der Judenherrschaft geäußert. Das führte zu einer Beschwerde der Heidelberger Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr des Antisemitismus und des israelischen Oberkonsistoriums Karlsruhe.
Das badischem Ministerium des Kultus und Unterrichts leitete darauf hin ein Disziplinarverfahren gegen ihn ein. Weiterhin war er durch seine Gegnerschaft zur Frauenbewegung aufgefallen. In seiner biographischen Notiz bei Degener hatte Ruge angegeben, dass er bis April 1933 Privatdozent in Heidelberg war. Anschließend sei er der kulturpolitische Leiter der Hochschule für Politik in Berlin gewesen.
Politisch betätigte er sich bei dem Freikorps Oberland. Als sich eine Fraktion davon im Jahre 1922/1923 abspaltete, nahm er die führende Rolle durch die Bekanntschaft mit Rudolf Schäfer (* 1885) im Blücherbund ein. Ruge siedelte nach München über und lernte dort Heinrich Himmler kennen. Mit ihm gründete er einen Verlag Deutsche Verlagsgesellschaft GmbH in München.
Nach der Machtübernahme durch die NSDAP im Jahre 1933 konnte er durch die Nationalsozialisten im Generallandesarchiv_Karlsruhe ab 1934 als Archivrat tätig sein. An der TH Karlsruhe konnte er eine Lehrtätigkeit aufnehmen. Im Jahre 1936 verfasste er für Heinrich Himmler eine Schrift mit dem Titel "Die mittelalterlichen Hexenprozesse. Ein Abschnitt aus dem deutschen Kulturkampf" im Umfang von 87 Seiten.
Seit dem 28. März 1912 war er mit Elisabeth Kundt verheiratet, deren Vater eine bekannte Buchhandlung in Karlsruhe führte. Aus der Ehe ging der Sohn Albrecht Ernst Ruge (13. Januar 1913) hervor.
Schriften
* Kritische Betrachtung und Darstellung des Deutschen Studentenlebens, 1906
* Die Philosophie der Gegenwart, 1910 bis 1915, als Hrsg. eines internationalen Jahresberichts
* Das Wesen der Universität und das Studium der Frauen, 1912
* Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften, in Verbindung mit Wilhelm Windelband Ruge als Hrsg., Tübingen 1912
* Einführung in die Philosophie, 1914
* Wilhelm Windelband, 1917
* Völkische Wissenschaft, 1940
Quellen und Literatur
Emil Julius Gumbel, Verschwörer - Zur Geschichte und Soziologie der deutschen nationalistischen Geheimbünde 1918 - 1924, Frankfurt/Main 1984, S. 210 -212
* Hermann A.L. Degener, Wer ist's?, Berlin 1935
* Bruno Jahn,Biographische Enzyklopädie der deutschsprachigen Philosophen, München 2001
Klaus_Graf: Eine von Himmler angeregte antikirchliche Kampfschrift Arnold Ruges (1881-1945) über die Hexenprozesse (1936), in: Himmlers Hexenkartothek. Das Interesse des Nationalsozialismus an der Hexenverfolgung, hrsg. von Sönke Lorenz, Dieter R. Bauer, Wolfgang Behringer und Jürgen Michael Schmidt (= Hexenforschung 4), Bielefeld 1999. ([http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/ruge.htm Zusammenfassung])
Weblinks
• Ruges Rolle im Blücherbund

