Arnold Mendelssohn
thumb|right|Arnold_Ludwig_MendelssohnArnold Ludwig Mendelssohn (26. Dezember 1855 in Ratibor; ? 18. Februar 1933 in Darmstadt) war ein deutscher Komponist und Musikpädagoge.?Arnold Mendelssohn war eine der markantesten Persönlichkeiten seiner Zeit, als Musiker und Mensch von großer Weite des Horizontes, gleich beschlagen in Musik, Literatur, Theologie und Philosophie, wie eigenwilliger Denker.?
(MGG, Musik in Geschichte und Gegenwart)
Biografie
Arnold Ludwig Mendelssohn kommt am 26. Dezember 1855 als ältestes von fünf Kindern der Eltern Wilhelm Mendelssohn und Aimée Louise Mendelssohn, geborene Cauer, im schlesischen Ratibor
zur Welt.
Als Neunjähriger erhält Arnold Mendelssohn den ersten Klavierunterricht und beweist großes Talent. Auch in der Schule lernt er schnell. Durch eine vorzeitige Versetzung in die höhere Klasse wird er zum jüngsten Schüler der Sexta seines Gymnasiums. Eine unbeschwerte Kindheit ist ihm jedoch nicht lange beschieden. Die Flucht mit der Mutter und den jüngeren Schwestern nach Potsdam, als der Preußisch-Österreichische Krieg ausbricht, und der frühe Tod des in Ratibor zurückgebliebenen Vaters, der sich bei der freiwilligen Pflege verwundeter Soldaten mit der Cholera angesteckt hatte, diese Erlebnisse prägen den damals elfjährigen Arnold Mendelssohn.
Die Mutter sucht und findet mit ihren fünf Kindern Zuflucht in Berlin. Hier lebt die Familie ihrer Schwester Emma Cauer und auch Alexander Mendelssohn, ein Vetter ihres verstorbenen Mannes.
Arnold Mendelssohn besucht das Gymnasium und erhält schon bald Klavierunterricht bei Carl August Haupt, dem späteren Direktor des Königlichen Instituts für Kirchenmusik. Haupt gilt als hervorragender Bach-Interpret und Organist, er übt entscheidenden Einfluss auf Mendelssohn
aus. 1871 gerät Arnold Mendelssohn durch zunehmende schulische Konflikte und eine langwierige Typhuserkrankung in eine innere Krise. Man hält eine örtliche Veränderung für das Beste und im Jahr 1872 wechselt Arnold Mendelssohn auf das Gymnasium seines Onkels Eduard Cauer nach Danzig. In dieser Zeit entstehen Mendelssohns erste kompositorische Werke. Besonders Mozarts Musik verehrt er in dieser frühen Zeit.
1876 legt er das Abitur ab und beginnt auf Wunsch der Mutter, die aus wirtschaftlichen Gründen eine Ausbildung zum Musiker nicht billigt, ein Jura-Studium in Tübingen, das er jedoch gleich zu Beginn wieder abbricht. Mit den ?angepaßten Lebensplänen der gegenwärtigen Konventionen?, die für einen jungen Mann die Ausbildung zum Arzt, Richter, Lehrer oder Offizier vorsah, kann er sich nicht anfreunden. Noch im selben Jahr kehrt Mendelssohn zurück nach Berlin und beginnt sein Studium am Königlichen Institut für Kirchenmusik unter anderem erneut bei Carl August Haupt (Orgel). Parallel studiert er auch an der Akademischen Hochschule für Musik bei Wilhelm Tauber, Friedrich Kiel und August Eduard Grell. 1878 erreicht Mendelssohn den Abschluß am Institut, 1880 dann auch an der Hochschule. Grell bescheinigt ihm ein ?bedeutendes Talent für Composition?.
Seine erste Anstellung nach dem Studium bekommt Arnold Mendelssohn 1880 an der Neuen Evangelischen Kirche in Bonn (heutige Kreuzkirche). Er ist als Organist und Chordirigent tätig und erhält gleichzeitig einen Lehrauftrag für Orgelspiel und Musiktheorie an der Universität.
Hier gehören die evangelischen Theologie-Studenten zu seinen Schülern. Zu den besonderen Freundschaften und Bekanntschaften aus seiner Bonner Zeit zählen die Begegnungen mit Friedrich Spitta, damaliger Hilfsprediger an der Kreuzkirche, und Julius Smend, dessen Nachfolger. In diesem Dreierbündnis entsteht der Anstoß zur Wiederaufführung der Werke Heinrich Schütz?.
?Ich werde jetzt oft gelobt, weil ich einer der ersten Vorkämpfer für Schütz gewesen sei. Dabei komme ich mir ein wenig wie der Klein Zaches des E.T.A. Hoffman vor. Diesem üblen Zwerg wird alles gut geschrieben, was andere in seiner Gegenwart leisten. In meinem Falle war es Spitta, der mich auf Schütz hinwies und zur Aufführung von dessen Werken bestimmte. Er war der Bauherr, der die Pläne machte, die ich als Maurermeister handwerklich ausführte.?
Die Wiederaufführungen und Erstaufführungen der Werke Schütz? erlangten weithin große Aufmerksamkeit. In den drei Bonner Jahren kamen unter anderem zur Aufführung:
die Matthäuspassion, die ?Apostolischen Worte? und die Johannespassion von Schütz sowie die Motette ?Hodie Christe? von Schütz? Lehrer Gabrieli.
1883 nimmt Mendelssohn Abschied von Bonn und wendet sich für drei Jahre nach Bielefeld. Die Beschäftigung und das Komponieren weltlicher Musik tritt nach der kirchenmusikalischen Bonner Zeit nun in den Vordergrund. Er beschäftigt sich mit Chor- und Orchesterarbeit, sowie der Organisation von Abonnementkonzerten. Am 12.11.1885 heiratet Mendelssohn in Kreuznach die Graphikerin Maria Helene Louise Cauer. Ursprünglich hatte der Vater der Braut starke Einwände gegen diese Verbindung erhoben, er verstarb jedoch kurz vor der Verlobung, die am 3.8.1885 stattfand.
Ein Jahr später erfolgt durch Franz Wüllner der Ruf nach Köln als Lehrer für Orgel und Theorie am dortigen Musik-Konservatorium. Aus dieser Zeit stammen enge Freundschaften mit Engelbert Humperdinck, dem Librettisten Hermann Wette und auch Hugo Wolf.
Das familiäre Leben Arnold Mendelssohns ist durchzogen von Schicksalsschlägen, unter denen er Zeit seines Lebens litt. In vielen seiner Tagebucheinträge, aber auch in einigen seiner Kompositionen spiegelt sich diese bittere Lebenserfahrung wieder. Drei seiner vier Kinder sterben in unterschiedlichen Jahren an Hirnhautentzündung, nur die älteste Tochter Dora überlebt, behält jedoch durch die Krankheit eine immer stärker werdende geistige Beeinträchtigung zurück.
Arnold Mendelssohn sucht Zuflucht in seiner kompositorischen Arbeit und beginnt mit einer bis zu seinem Tode kontinuierlich durchgeführten Niederschrift seiner Gedanken.
Direkte biographische Bezüge lassen sich beispielsweise in Mendelssohns Oper ?Elsi, die seltsame Magd? finden. Der Komponist schreibt:
?Maria (Mendelssohns Frau) fand immer viel Ähnlichkeit zwischen mir und Gotthelfs Joggeli (...) Wahrscheinlich stellt Gotthelf in dieser Figur dieselbe Psychose dar, die mich besitzt; denn Gotthelfs Nachkommenschaft (...) ähnelt in den geistigen Erkrankungs-Symptomen der meinen.?
Die Oper wird 1896 im Kölner Stadttheater uraufgeführt und erscheint auch im Druck. Wie sämtliche Opern Mendelssohns steht sie jedoch in Bekanntheit und Beliebtheit hinter seinen übrigen Kompositionen zurück.
1891 nimmt Mendelssohn in Darmstadt die neue Funktion eines Kirchenmusikmeisters für die Evangelische Landeskirche Hessen an. Mendelssohn wird dieser Stadt bis zu seinem Tode treu bleiben. Seine neue Aufgabe gibt Anlass zur verstärkten Komposition geistlicher Werke. Auch führt er wieder Passionen und Kantaten von Heinrich Schütz und J.S. Bach auf.
Den Durchbruch als Liedkomponist und eine gesteigerte Anerkennung in der breiten Öffentlichkeit beschert ihm die Fürsprache des Musikkritikers Ernst Otto Nodnagel im Jahre 1898. Nodnagel publiziert nicht nur über Mendelssohns Werk, sondern arrangiert 1898 auch einen sehr erfolgreichen Liederabend in Berlin. Wirklich bekannt wird Mendelssohns Liedschaffen in den Jahren nach der Jahrhundertwende. Zwischen 1900 und 1915 entstehen 80 der insgesamt 170 komponierten Lieder. 1899 wird Arnold Mendelssohn der Professorentitel verliehen.
Aus der Bekanntschaft mit dem Librettisten Hermann Wette, dem Schwager Engelbert Humperdincks, war zu Beginn der 90er Jahre bereits die Idee zur Oper ?Der Bärenhäuter? nach dem Grimm'schen Märchen entstanden. Arnold Mendelssohn sollte die Vertonung übernehmen.
1896 erhält er den fertigen Text zu den ersten beiden Akten. Durch eine Unvorsichtigkeit Humperdincks soll Siegfried Wagner auf den Stoff aufmerksam gemacht worden sein, woraus sich eine Konkurrenzsituation zwischen den Komponisten ergab. Dadurch angespornt beendet und veröffentlicht Mendelssohn die Oper noch im gleichen Jahr. Erst 1900 kommt es jedoch im Berliner ?Theater des Westens? zur Uraufführung. Wagners gleichnamige Oper war bereits 1898 erfolgreich uraufgeführt worden.
Dennoch verzeichnet Mendelssohn mit dem ?Bärenhäuter? einen größeren Erfolg als mit seiner Oper ?Elsi?.
Eine besonders fruchtbare Arbeitsgrundlage entsteht aus der Freundschaft mit dem Thomaskantor Karl Straube, der 1906 in Darmstadt Mendelssohns Bekanntschaft macht. Etliche Chorwerke komponiert Mendelssohn auf Wunsch Straubes direkt für den Leipziger Thomanerchor.
Während Mendelssohns Lehrtätigkeit am Hoch?schen Konservatorium in Frankfurt 1912, wird Paul Hindemith sein Schüler im Fach Kontrapunkt. Er sprach stets anerkennend
von Arnold Mendelssohn. Als Hindemith sein Bratschen-Konzert, op. 36/4 komponiert, widmet er es ?Herrn Professor Arnold Mendelssohn?.
Erst sehr spät in seinem Schaffen, etwa um 1914, wendet sich Arnold Mendelssohn verstärkt der Komposition reiner Instrumentalmusik zu. Im Laufe der Zeit entstehen kammermusikalische Werke, aber auch drei Sinfonien. Das geistliche vokale Werk bleibt bis zuletzt der Schwerpunkt in seinem Oeuvre. 1914 wird Mendelssohn durch den Großherzog von Hessen das Ritterkreuz des Ludwigsordens verliehen. Es folgen noch etliche weitere Auszeichnungen: 1917 der Ehrendoktor der Universität Gießen, 1919 die Ernennung zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin,1923 die Verleihung des allerersten Büchner-Preises durch das Land Hessen, 1925 die Ehrendoktorwürde der Stadt Leipzig und die Wahl zum ?Mitglied des Ausschusses der Neuen Bachgesellschaft, 1927 der Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät an der Universität Tübingen, 1928 die Verleihung des Beethovenpreises durch die Preußische Staatsakademie und die Berufung in den ?Direktorialausschuss der Heinrich-Schütz-Gesellschaft. 1930 wird Arnold Mendelssohn schließlich zum Ehrenbürger der Stadt Darmstadt ernannt.
Neben Paul Hindemith gehören Günter Raphael und Kurt Thomas zu seinen prominentesten Schülern.
Am 19. Februar 1933 erliegt Arnold Mendelssohn in seinem Haus in Darmstadt einem Herzschlag. Etwa 26 Nekrologe würdigen den verstorbenen Komponisten, einige davon erscheinen auch im europäischen Ausland.
Werke
Mendelssohn wurde vor allem als Liederkomponist bekannt. Mit seiner geistlichen Chormusik begann die Erneuerung der evangelischen Kirchenmusik. Zu seinen Werken gehören zahlreiche Chorwerke, Volkslieder, Streichquartette, Sonaten und Opern.
Opern
* 1896: Elsi, die seltsame Magd
* 1900: Der Bärenhäuter
* 1909: Die Minneburg
Ehrungen
Für seine Werke und die Verdienste um die evangelische Kirchenmusik erhielt Arnold Mendelssohn zahlreiche Ehrungen:
* 1899 Verleihung des Professorentitels
* 1914 Verleihung des Ritterkreuzes des Ludwigsordens durch den Großherzog von Hessen
* 1917 Ehrendoktorat der Theologischen Fakultät der Universität Gießen
* 1919 Ernennung zum Mitglied der Berliner Akademie_der_Künste
* 1923 Verleihung des Georg-Büchner-Preises
* 1925 Ehrendoktorwürde der Stadt Leipzig und Mitglied der Neuen Bachgesellschaft
* 1927 Ehrendoktorat der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen
* 1928 Beethovenpreis der Preußischen Staatsakademie
* 1928 Berufung in den Direktorialausschuss der Heinrich-Schütz-Gesellschaft
* 1930 Ehrenbürger der Stadt Darmstadt
Literatur
Thomas Lackmann: Das Glück der Mendelssohns. Geschichte einer deutschen Familie. Berlin: Aufbau-Verlag, 2005. ISBN 3-351-02600-5
Weblinks
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