Mirin Dajo
Arnold Gerrit Henske (6. August 1912 in Rotterdam; ? 26. Mai 1948) war ein holländischer Schwertschlucker. Bekannt wurde er unter dem Pseudonym Mirin Dajo.Er war der älteste von vier Söhnen, dessen Vater Postbeamter und Mutter Pfarrerstochter waren.
Frühe Jahre
Dajo erwarb an der Akademie für bildende Künste ein Diplom und war bis zur Besetzung Hollands durch die deutsche Wehrmacht als Grafiker in Rotterdam tätig. Da er der Besatzungsmacht den Arbeitsdienst verweigerte, wurde er verhaftet und erlitt bei einem Gefangenentransport schwere Verletzungen. Während dieser Zeit wurde er mit den in ihm schlummernden Kräften bekannt und in unwahrscheinlich kurzer Zeit auch vertraut; bereits im Januar 1946 konnte er sie vor einem grösseren Kreis in Zaandam unter Beweis stellen.
Im April 1946 erschienen in der holländischen Presse die ersten Berichte über Durchstechungen, also lebensgefährliche Experimente, die er bis zu diesem Zeitpunkt seinen Eltern, um sie nicht zu beunruhigen, verheimlichte. Es waren bereits die gleichen Experimente, die Mirin nochmals weit über fünfhundertmal vor einem breiten Publikum, vor Ärzten und Professoren in der Schweiz an sich vornehmen liess.
Dann zog es ihn in die Schweiz.
Unerklärliches
Zürich am 31. Mai 1947. Im Universitätsspital_Zürich bereitet sich die Ärzteschaft und eine Reihe von Studenten auf ein sensationelles Experiment vor. Dem Theaterchef Hans Hubert ist es gelungen, den rätselhaften Künstler Mirin Dajo dort für eine Präsentation seines Könnens unterzubringen. Vor dem versammelten Publikum im Krankenhaus lässt sich Dajo ein 80 Zentimeter langes und sieben Millimeter breites Florett von seinem Assistenten von hinten durch den gesamten Körper stoßen.
Ungläubig sehen die Professor, Ärzte und Medizinstudenten dem Spektakel zu. Dajo steht mit freiem Oberkörper vor ihnen und in Höhe der Nieren wurde ihm der Degen von hinten durch den Oberkörper und die Organe gestochen. Deutlich ist es zu sehen, wie er auf seiner Brust wieder herausragt. Dabei fließt kein Tropfen Blut und der Wundermann aus Holland hat scheinbar keinerlei Schmerzen. Professor Albert Brunner, Leiter der Klinik, wittert einen geschickten Betrug und bittet Dajo, sich mit dem Florett im Körper röntgen zu lassen. So macht sich die Gruppe auf in den Röntgenbereich des Spitals und einige Aufnahmen werden angefertigt. Danach besteht kein Zweifel, dass die Waffe in der Tat durch den Oberkörper von Dajo gestoßen wurde. Die Ärzte können nicht glauben, was sie da sehen.
Die Zeitungen der Schweiz berichten am Folgetag über diese medizinische Sensation. Das Florett war nicht steril, doch es durchbohrte Niere, Magen, Leber und das äußere Bauchfell ohne, dass es scheinbar zu Verletzungen kam. Mirin Dajo wurde mit einem Schlag berühmt.
Internationaler Ruhm
Am 3. Juni 1947 begann im Zürcher Theater eine neue Show mit Dajo als Hauptattraktion. Die Zeitungsberichte zeigten Wirkung, denn die Menschenmassen überrannten die Vorführungen des Wundermannes. Staunend und ungläubig sahen sie zu, wie sich Dajo durchbohren ließ: durch den Oberarm, den Rücken und Bauch und durch die Lendenregion.
Und das alles ohne Blutvergießen. Die Zuschauer jubeln, eine Dame fällt sogar schreiend in Ohnmacht. Doch der Höhepunkt der Vorstellung sollte noch folgen. Dajo ließ sich nun von drei Floretts durchstechen. Die Waffen waren jedoch innen hohl und die Spitzen konnten abgeschraubt werden. Nun leitete man von hinten durch die Griffe Wasser hindurch, dass durch die drei Spitzen an der Brustseite im hohen Bogen wieder austrat. Dabei verzieht Dajo niemals eine Mine, sondern erträgt die Torturen scheinbar vollkommen schmerzlos.
Nun war Dajo endgültig der Star und Tag für Tag war das Theater voll. Am 15. September 1947 sollte der Künstler in der Bürgerklinik in Basel erbeut unter der Leitung von namhaften Ärzten untersucht werden. Professor Max Lüdin, Professor Hans Staub und Professor Rudolf Massini leiteten die Untersuchungen. Alles wurde gefilmt und genau dokumentiert. Doch auch hier zeigten sich keinerlei Anzeichen für einen Schwindel. Deutlich war zu sehen, dass die Waffen ohne Zweifel durch den Körper von Dajo verliefen.
Die Warnungen von Freunden, den Bogen nicht zu überspannen, die Experimente abzubrechen und sich in die Stille zu begeben, befolgte er nicht, womit er dann die Katastrophe und sein tragisches Ende heraufbeschwor.
Früher Tod
Immer komplizierter wurden die Experimente. Er steigerte seine Versuche, obwohl seine Konzentrationsfähigkeit infolge der inneren und äusseren Hast und Unruhe absank. So liess er sich in Bern an Stelle der Spiesse ein 50 cm langes, 2,5 cm breites und 5 mm dickes Schwert von hinten nach vom durch den Leib stossen; es ergoss sich nur für einen Augenblick etwas Blut aus der vorderen Wunde, sonst hatte das Experiment keine Folgen. Nach dem Herausziehen des Schwertes erfolgte auch hier sofort Schliessung und Vernarbung der Wunde.
Alle inneren Organe, deren Durchbohrung ansonsten unweigerlich den Tod nach sich gezogen hätte, waren schon mehrfach durchbohrt worden... eine Unzahl von Narben waren die einzigen sichtbaren Spuren!
Man forderte von ihm weitere und noch schwerere Experimente. Und er vollführte sie. Zum Zwecke der Auflösung verschluckte er einen ca. 35 cm langen, dolchartigen Spiess, von konischer Form, mit einer haarscharfen Spitze und einer Kugel als Griff, der sich nur mit erheblicher Gewaltanwendung - Griff voran - ruckweise durch Schlund und Mageneingang pressen liess.
Das war zu viel! Brechreiz befiel ihn, er musste sich niederlegen. So lag er in tiefster seelischer Not, eine mörderische Waffe im Leib, Schweissperlen auf der Stirn, schwer atmend, den Mund halb geöffnet, blass, mit unbewegtem Brustkorb. Wenige Stunden später erklärte er: "Man verlangt von mir, dass ich sofort weitere Beweise liefere. Da mein fernes Wirken davon abhängt, muss ich alles auf eine Karte setzen... "
Wieder quälte ihn heftiger Brechreiz. Dann aber setzte er sich mit Appetit zum Essen und griff zu, war fröhlich, ja übermütig und zu Spässen aufgelegt.
Noch zwei Tage hatte er die Waffe im Leibe und wartete die festgesetzte Frist ab, zu der er sein Experiment zum Abschluss bringen konnte. Er erbrach jedoch Blut - und dies veranlasste ihn, die Hilfe eines bewährten Chirurgen in Anspruch zu nehmen.
48 Stunden nach der Operation verliess er das Spital, um seine aufreibende Tätigkeit wieder aufzunehmen, war noch einige Tage lebhaft und frohgemut, aber von erschreckender Blässe. - Bei Gesprächen über seine Zukunftspläne brach er, im Lehnstuhl sitzend, wie vom Blitz getroffen zusammen.
Er musste sich niederlegen, erschien aber nach einer halben Stunde wieder und nahm Abschied. Wieder stellte sich das schon oft an ihm beobachtete Phänomen des Austretens aus dem Körper ein, und die Freunde warteten Tag um Tag auf das Wiedererwachen - sie warteten vergebens. Nach dem am 11. Mai 1948 durchgeführten Experiment mit dem Dolch, das am 13. Mai 1948 dessen operative Entfernung notwendig gemacht hatte, trat am 26. Mai 1948 der Tod ein.
Bis heute ist das Wunder Mirin Dajo ein medizinisches Rätsel geblieben.
Weblinks
• Englischer Bericht
• Video eines Auftrittes

