Arnold Bergstraesser
Arnold Bergstraesser (14. Juli 1896 in Darmstadt; ? 24. Februar 1964 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Soziologe und Politikwissenschaftler jüdischer Abstammung. Er gilt neben Wolfgang Abendroth, Theodor Eschenburg, Ernst_Fraenkel und Eric Voegelin als einer der Gründerväter der deutschen Politikwissenschaft nach dem 2. Weltkrieg.Leben
Bergstraesser studierte nach dem 1. Weltkrieg Geschichte, Soziologie und Nationalökonomie, unter anderem als Schüler von Eberhard Gothein, Max und Alfred Weber, und wurde 1923 in Heidelberg zum Dr. phil. promoviert. Während seines Studiums engagierte er sich in der Heidelberger Freistudentenschaft und war 1919 Mitbegründer und Vorstandsmitglied des AStA-Dachverbands Deutsche Studentenschaft. 1927 folgte seine Habilitation für Nationalökonomie bei Alfred Weber, und im darauffolgenden Jahr wurde er auf einen Lehrstuhl für Auslandskunde in Heidelberg berufen. Bereits 1925 hatte Bergstraesser zu den Gründern des Deutschen_Akademischen_Austauschdienstes gehört.
1938 verließ Bergstraesser Deutschland, weil seine jüdische Abstammung bekannt wurde, und ging in die USA. Dort wurde er indes zunächst von der FBI Enemy Control Unit zweimal als vermeintlicher Nazi-Spion inhaftiert. Hintergrund dieser Verhaftungen war, dass Bergstraesser nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 offenbar selbst an der Entlassung eines pazifistischen, ebenfalls jüdischen Kollegen aus dem Hochschulbetrieb beteiligt gewesen war. Zudem hatte er, der sich selbst als ?konservativ? verstand, in dieser Zeit mehrere von den Amerikanern als NS-freundlich eingestufte Publikationen veröffentlicht.http://www.clarku.edu/activelearning/present/gradcon06.pdf Später lehrte er bis 1953 an mehreren US-Universitäten ? zuletzt als Professor für Deutsche Literatur und Geschichte an der Universität_Chicago. Hier trug er maßgeblich zur deutsch-amerikanischen Verständigung bei, unter anderem als Mitherausgeber einer ?Deutschen Geschichte? (New York 1944) sowie als Veranstalter der Goethe Tagung 1954 in Aspen, Colorado (zusammen mit Albert Schweitzer). 1954 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde als Professor für Soziologie und Politikwissenschaft an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg berufen.
Von 1955 bis 1959 war Bergstraesser Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen_Gesellschaft_für_Auswärtige_Politik (DGAP) und Herausgeber des ?Jahrbuchs für Internationale Politik?. Daneben leitete er ab 1959 die studentische Forschungsgruppe Entwicklungsländer, aus der später das Arnold-Bergstraesser-Institut hervorging. Ferner war er Präsident der Deutschen_UNESCO-Kommission und maßgeblich an der Gründung der Politischen Akademie Tutzing/Bayern sowie an der Einführung des Gemeinschaftskundeunterrichts an höheren Schulen beteiligt. Die 1961 auf seine Initiative gebildete "Arbeitsgemeinschaft Wissenschaft und Politik" wurde im Folgejahr in die bis heute bestehende außenpolitische Denkfabrik und Politikberatung "Stiftung Wissenschaft und Politik" (SWP) umgewandelt.[http://www.tu-bs.de:8080/~umenzel/inhalt/forschungsberichte/BlaueReihe58.PDF]
Er war seit 1925 mit Erika Sellschopp verheiratet und hatte drei Kinder.
Werk
Bereits in seinem 1931 erschienenen Werk über ?Staat und Wirtschaft Frankreichs? dokumentiert sich Bergstraessers spätere Konzeption einer Politikwissenschaft als einer ?synoptischen?, das heißt volkswirtschaftliche, historisch-kulturelle und politisch-institutionelle Sichtweisen integrierenden Disziplin. Ein weiteres Element von Bergstraessers Politikverständnis findet sich in der Schrift ?Sinn und Grenzen der Verständigung zwischen Nationen? (München/Leipzig 1930). Darin geht es ihm um die Überwindung provinziellen nationalstaatlichen Denkens und um die Öffnung der eigenen geistigen Überlieferung für die Begegnung mit fremden Kulturen.
Nach seiner Berufung auf den Freiburger Lehrstuhl ging es ihm um die Durchsetzung eines ?normativen, in der geistigen Überlieferung beheimateten Politikverständnisses? (sog. ?Freiburger Schule? der Politikwissenschaft). Damit verbunden war das Bemühen um eine ?praxisbezogene, empirisch-synoptische Analyse der politischen Realität?. Einen besonderen Stellenwert gewannen in diesem Zusammenhang die Länder der Dritten_Welt, deren Bedeutung für die Weltpolitik Bergstraesser als einer der ersten erkannt und in die bundesdeutsche Politikwissenschaft eingebracht hat.
Veröffentlichungen (Auswahl)
*Nation und Wirtschaft. Hamburg. Hanseat. Verlagsanstalt. 1933
*Die weltpolitische Dynamik der Gegenwart, in: Die Internationale Politik 1955, München 1958, S. 1-51
*Politik in Wissenschaft und Bildung - Schriften und Reden, Freiburg 1961, 2 1966
*Goethe's Image of Man and Society, (Neudruck) Freiburg 1962 (urspr. Chicago 1949)
*Gedanken zu Verfahren und Aufgaben der kulturwissenschaftlichen Gegenwartsforschung, in: G.-K. Kindermann (Hrsg.), Kulturen im Umbruch, Freiburg 1962, S. 401-422
*Klassiker der Staatsphilosophie 1, Texte und Einführungen, Stuttgart 1962, 2 1975 (mit Dieter Oberndörfer)
*Weltpolitik als Wissenschaft. Geschichtliches Bewusstsein und politische Entscheidung, Köln und Opladen 1965 (hrsg. von Dieter Oberndörfer)
*Staat und Dichtung, Freiburg 1967 (hrsg v. Erika Bergstraesser)
Weblinks
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• Arnold-Bergstraesser-Institut e.V. in Freiburg

