Arno Stern
Arno Stern (23. Juni 1924 in Kassel) ist ein deutscher Pädagoge.
Leben
Arno Stern besuchte drei Jahre lang die Herkules Schule in Kassel, bevor er mit seinen Eltern nach der Machtergreifung Hitlers aus Deutschland emigrierte. Nach jahrelanger Staatenlosigkeit wurden die Sterns französische Staatsbürger.
Zwischen den Jahren 1942 und 1946 hielt sich Stern in verschiedensten Flüchtlingslagern in der Schweiz auf, bevor er im Jahre 1946 als 22-Jähriger in einen Pariser Vorort reiste, wo er in einem Kriegswaisenheim für Kinder eine Stelle als ?Erziehungshandlanger? annahm. In diesem Heim waren 150 Kinder untergebracht und Sterns Hauptaufgabe bestand darin, diese Kinder zu beschäftigen.
Aus der Not, nicht zu wissen, was er mit den Kindern anfangen könne, lies er sie am Tage malen, zeichnen, modellieren und ausschneiden. Sterns Umgang mit den Kindern hatte Erfolg. Allerdings wurde dieser Erfolg nicht von allen mit Freude begutachtet.
Wünsche und Vorstellungen von einer ?Donnerstagsakademie? ? einer Kinderakademie ? wuchsen in ihm (zur Erklärung: Der Donnerstag war damals ein schulfreier Tag in Frankreich). So kam es, dass Stern im Jahr 1949 ein Malatelier für Kinder im berühmten Pariser Stadtviertel Sain-Germain-des-Prés eröffnete. Dieses Atelier Académie du Jeudi wurde alsbald ein großes Medienprojekt.
Aber Sterns Wunsch war es nicht ein medienwirksames Atelier zu haben, sondern sein Traum war es, einen Ort zu schaffen, an dem die Kinder ihr Innerstes Ausleben können und dies abgesondert von der Öffentlichkeit.
In dieser Zeit begann für Stern der, für ihn, wichtigste Entwicklungsprozess. Bisher beschrieb Stern, das Malen der Kinder, als ?Kinderkunst?. Im Laufe der Zeit distanzierte sich Stern immer mehr von diesem Begriff und entwickelte den Begriff der Formulation.
An diesen Begriff gekoppelt entstand für Arno Stern ein neuer Forschungszweig, dem er im Jahre 1987 einen festen Rahmen gab. Er gründetet das I.R.S.E ? ?Institut de Recherche en Sémiologie de l'Expression? - Forschungsinstitut für Ausdruckssemiologie). Das Institut beschäftigte sich mit der Entwicklung dieser Formulation.
Die Académie du Jeudi blieb 33 Jahre am gleichen Ort, bevor Stern in ein noch zentraleres Viertel in Paris umzog. In der Nähe der ?Madeleine? eröffnete Stern dann die ?Closlieu?, und definierte die deutsche Übersetzung Malort.
Aber nicht nur in seinem Malort machte Arno Stern wichtige Erfahrungen für seine Forschungsarbeiten. Stern reiste um die Welt und erlebte in Ländern wie Mauretanien, Peru, Niger, Mexiko, Afghanistan, Äthiopien, Guatemala, Neu-Guinea wie auch dort die Kindern im Rahmen des Malortes anfingen, der Formulation freien Raum zu lassen.
Auch die UNESCO wurde auf Stern aufmerksam und delegierte ihn als Experten zum ersten Internationalen Kongress über Kunsterziehung nach Bristol.
Sterns Ansatz liegt nicht im therapieren und im Aufarbeiten des Gemalten. Stern beschreibt dies mit folgenden Worten: ?Die Äußerung selbst verliert ihre unersetzliche Rolle, die keinesfalls eine der Kommunikation dienliche sein kann.?

