Arkah
Arkah (auch Harabale; türkisch Ucköy) ist ein Dorf in der Provinz_Mardin im Südosten der Türkei im Tur Abdin Gebirgszuges. Der Ort hat ungefähr 140 Einwohnern und wird auch heute immer noch von Aramäern bewohnt.
Geographie
Lage
Das Dorf Arkah ist erstmals in der Lebensgeschichte des heiligen Malke, der im vierten Jahrhundert gelebt hat, erwähnt. Es ist eines der Dörfer der früheren Diözese Beth Rische. Es liegt in der Nachbarschaft zum Kloster Mor Malke von Kluzma, an der Nordseite der Izlo_Berge. Östlich davon liegt das Dorf Arbo, südöstlich Hbob, südlich Beth Debe, Saydari und Harabemischka. Nördlich von Arkah kommt man nach Kafro Tahtayto und nordwestlich nach Anhel.
Landschaftsbild
Die natürliche Vegetation ist eher spärlich. Es gibt kaum Bäume, nur Sand und trockenes Gras. Die türkische_Armee hat im Krieg gegen kurdische Separatisten regelmäßig die verbliebenen Wälder abgebrannt um den Kämpfern die Deckung zu nehmen. Im ganzen Tur Abdin herrschen die mediterranen Hartlaubgewächse vor.
Klima
Die Jahreszeiten sind sehr ausgeprägt. Viele Niederschläge im Frühling und Herbst; heißer und trockener Sommer, kalter und stark verschneiter Winter. Die Temperaturschwankungen belaufen sich zwischen -10°C im Winter bis +52°C im Sommer.
Bevölkerung
In dem Buch von Patriarch Abdallah von Sadad mit dem Namen ?Statistiken?, das er im Jahre 1870 zusammengestellt hat, erwähnt er die drei Priester des Dorfes: Schemun, Gawriye und Michael. Bürgermeister war Yakup Makko. Die Statistik enthält die Namen von 41 Familien im Dorf.
Wie mündlich berichtet wird, wurde das Dorf im Verlauf der politischen Auseinandersetzungen zwischen 1900 und 1926 dreimal niedergebrannt und von den Bewohnern jedes Mal wieder aufgebaut. Zur selben Zeit verließen viele das Dorf und die Izloberge und wanderten nach Syrien, in den Libanon und in den Irak aus. Während dieser Periode der Auswanderung ging eines Nachts ein schweres Unwetter nieder und 27 Personen, auch der Bischof Severius Schmuel von Beth Debe, der in Malke residierte, starben infolge des kalten Wetters. Nicht lange nach dieser Flucht taten sich die maßgeblichen Männer des Dorfes zusammen und beschlossen, in das Dorf zurückzukehren. Doch manche blieben in Syrien, im Libanon und im Irak. Heute gibt es mindestens 70 Familien in Qamischli und in Kabre Hewore in Syrien.
In der Zeit des Völkermordes 1914/1915 lebten hier rund 70 aramäische Familien. Im Jahre 1980 gab es im Dorf 80 Familien, von denen 35 bis heute (2007) im Dorf verblieben sind. Gegenwärtig leben etwa 1.000 Familien von Arkah in Europa und in Syrien. (Das kann aber nicht bedeuten, dass 1.000 aus Arkah stammende Familien ausgewandert sind!)
Geschichte
Ortsnamensforschung
Zur Deutung des Namens Arkah haben einige die etwas vage Vermutung aufgestellt, ihn von einer Kombination des griechischen ?arché? und des syrischen Buchstabens ?h? abzuleiten, was im syrischen auch die Zahl 8 bedeutet. Das würde die Bedeutung ergeben: ?Haupt von acht (Dörfern)?. Oder: Harabale ist eine Zusammenziehung des vollen Namens ?Harbath Ayle?, was ?das zerstörte Dorf der Hirsche? bedeutet. Der türkische Name des Dorfes ist Ucköy mit der Bedeutung von ?Hauptdorf?.
Bedeutung
Arkah war einst der Mittelpunkt einiger Dörfer der Umgebung und der Ort, wo sich die Menschen einfanden, um ihre Probleme zu lösen. Jetzt ist es eines der wenigen aramäischen Dörfer, die im Tur Abdin übriggeblieben sind. Man sagt, es wurde beschützt durch die Vorsehung Gottes gemäß dem Bibelwort: ?Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst (Ps 127,1).
Bekehrung von Heiden- zum Christentum
Wie im Leben des Mor Malke berichtet wird, war Arkah in der Mitte des vierten Jahrhunderts ein syrisches heidnisches Dorf. Man liest dort, dass Schlemun, der Sohn des Vachbun, durch den Heiligen einem Drachen entrissen wurde. Dies bezeugt sein Freund Rhimo, der Sohn von Zabday. Dieses Wunder führte zur Bekehrung des ganzen Dorfes zum Christentum. Schlemun wurde der erste Schüler von Mor Malke. Sie erbauten das Kloster, und er lebte dort bis zu seinem Tod.
Religion
Es existieren zwei Dorfkirchen.
In der einen, Mor Afrem, befindet sich eine alte Handschrift in Estrangela. Von der anderen Kirche, Mor Theodorus, stehen nur noch Ruinen.
Geistliche, Lehrer und Bürgermeister
Im Folgenden wird ein Überblick über die Namen der Priester, Lehrer und Bürgermeister des Dorfes seit 1920 gegeben.
Priester waren:
Pfarrer Dimet, der Sohn von Pfarrer Schemun,
Pfarrer Aho aus dem Hause des Pfarrers Gawriye,
Pfarrer Schabo von Aynwardo,
Pfarrer Aho,
Pfarrer Lahdo,
Pfarrer Afrem von Aynwardo,
Pfarrer Qawme in Mor Malke,
Pfarrer Eliyo, Sohn des Marawge von Beth Hawshab, der gegenwärtig die Gläubigen von Arkah und Anhel betreut.
Lehrer waren:
Malfono Gabriel,
Malfono David,
Malfono Fawlus,
Malfono Marawge,
Malfono Shabo,
Malfono Mushe,
Malfono Ishok,
Malfono Shlemun.
Bürgermeister waren:
Yusuf Henno,
Tade von Beth Cheni,
Elyas von Beth Goge,
Patte von Beth Patte,
Aho von Beth Henno,
Ello von Beth Gamsho,
Abdulmesih von Beth Enes
Marawge von Beth Gamsho.
Völkermord 1915
Das Dorf liegt nördlich vom Mor Malke-Kloster und 20 min zu Fuß vom Kloster entfernt. Die Anführer des Dorfes waren Josef und Gaurije Enz. Auch in diesem Fall verließen die Bewohner, als sie von den Massakern an den Christen hörten, ihr Dorf, nahmen alle tragbaren Sachen mit und fanden im Mor Malke-Kloster Zuflucht. Sie blieben dort, bis die Verfolgungen der Christen aufgehört hatten.
Wirtschaft und Infrastruktur
Landwirtschaft
Das Dorf ist durch seine Trauben, die ?Drayso? genannt werden, bekannt. Sie werden frisch oder getrocknet als Rosinen verkauft und sind im Vergleich zu anderen sehr teuer. Diese Art von Trauben findet man sonst nirgends im Tur Abdin. Sie sind viel größer als die sonstigen Weintrauben und schmecken ausgezeichnet. Die wichtigste Erwerbsquelle sind die Weintrauben und die Tierzucht.
Infrastruktur
Die staatliche Schule wurde im Jahre 1961 eröffnet.
Die Militärstation verlegte man 1975 vom Dorf Hbob nach Arkah.
1984 wurde ein Tiefbrunnen gebohrt, um das Dorf und die Militärstation mit Wasser zu versorgen.
Das Dorf kann auf drei Straßen erreicht werden:
Eine Straße führt durch die Dörfer Maare, Harabemischka, Sederi, Beth Debe und Hbob.
Die zweite Straße kommt von der Hauptstraße Midyat nach Cizre und führt durch die Dörfer Barekwe, Kafnas, Daywan und die jesidischen Dörfer.
Die dritte Straße wird von den Dorfbewohnern hauptsächlich benützt. Sie zweigt bei Anhel von der Straße Nusaybin nach Midyat ab und führt über Kafro Tahtayto ins Dorf. Sie wurde 2003 neu planiert und asphaltiert.
Das Dorf erhielt 1986 Strom und 1988 Telefon. Der nicht aufgeklärte Mord von Aydin von Beth Patte und seinen Begleitern im Jahre 1993 in einem Minibus hat viele aus dem Dorf und den Nachbardörfern bewogen, das Dorf zu verlassen.
Zur Zeit wird für die Jugend des Dorfes ein neuer Fußballplatz errichtet: Der Boden ist planiert, um den Platz ist eine Mauer, ebenso sind Duschräume und Toiletten gebaut worden.
Weblinks
• Arkah

