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Arithmetisch-geometrisches Mittel
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Arithmetisch-geometrisches Mittel In der
Mathematik bezeichnet man als
arithmetisch-geometrisches Mittel zweier positiver
reeller_Zahlen eine gewisse Zahl, die zwischen dem
arithmetischen_Mittel und dem
geometrischen_Mittel liegt.
Definition
Es seien
a und
b zwei nichtnegative
reelle Zahl en. Ausgehend von ihnen werden induktiv zwei
Folgen (a_n) und
(b_n) mit
a_0=a ,
b_0=b definiert:
:
a_{n+1}=\frac{a_n+b_n}2 (
arithmetisches Mittel )
:
b_{n+1}=\sqrt{a_nb_n} (
geometrisches Mittel )
Die Folgen
(a_n) und
(b_n) konvergieren gegen einen gemeinsamen
Grenzwert M(a,b) , der als
arithmetisch-geometrisches Mittel von
a und
b bezeichnet wird.
Einfaches Beispiel
Sei
a_{0} = 4,0000\, und
b_{0}=9,0000\, . Dann ist
:
a_{1}=\frac{4+9}2=6{,}5000 und
b_{1}=\sqrt{4\cdot9}=6,0000
:
a_{2}=6{,}2500\, und
b_{2}\approx 6{,}2450\,
:
a_{3}\approx b_{3}\approx M(a,b)\approx 6{,}2475\,
Einfache Eigenschaften
Für zwei nichtnegative Werte
a und
b gilt:
*
M(a,b)=M(b,a)\,
*
M(ta,tb)=t\cdot M(a,b) für
t\geq0
*
\min\{a,b\}\leq\sqrt{ab}\leq M(a,b)\leq\frac{a+b}2\leq\max\{a,b\} ; Gleichheit gilt dabei genau für
a=b .
*
M(a,b)=M\bigg(\frac{a+b}2,\sqrt{ab}\bigg)
Wichtige Eigenschaften
*
Monotonie : Für zwei positive Startwerte
0 gilt nach der Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel stets auch a_n. Die Folge a_0,a_1,a_2,... wächst monoton gegen den Grenzwert M(a,b) und die Folge b_0,b_1,b_2,... fällt monoton gegen den Grenzwert M(a,b) . Oder anders formuliert:
: a_0
* Konvergenzgeschwindigkeit : Sei c_n := \sqrt . Wegen der Abschätzung
: c_{n+1} = \frac{1}{2}(a_n-b_n) = \frac{4{a}_{n+1}} \leq \frac{M(a,b)} liegt ein Verfahren mit quadratischer Konvergenz vor.
Alternative Darstellung
Man kann beide Folgen auch von einander entkoppeln: Sei a_0=a , b_0=b , a_1=\frac{a_0+b_0}2 und b_1=\sqrt{a_0b_0} . Dann kann man die obigen Gleichungen umformen zu:
: a_n = \sqrt{\frac{a_{n-1}(a_{n-1}^2 + a_{n-2}^2)}{2a_{n-2}}}
: b_n = \frac{\sqrt{(2b_{n-1} - b_{n-2})b_{n-2}}+b_{n-1}}{2}
Historisches
Das arithmetisch-geometrische Mittel wurde unabhängig voneinander von den Mathematikern Carl Friedrich Gauß und zuvor schon von Adrien-Marie Legendre entdeckt. Sie nutzten es, um die Bogenlänge von Ellipsen, d. h. also elliptische Integrale, näherungsweise zu berechnen. Gauß etwa notierte die Gleichung
: \frac{\pi}{2M(1,\sqrt{2})} = \int_0^1\frac{\mathrm dt}{\sqrt{1-t^4}}
in seinen mathematischen Tagebüchern.
Verfahren von Salamin und Brent
Das nachfolgende Verfahren zur Berechnung der Kreiszahl \pi wurde 1976 unabhängig voneinander von Richard Brent und Eugene Salamin publiziert. Es nutzt wesentlich die Erkenntnisse von Gauß über das arithmetisch-geometrische Mittel. Gauß bemerkte zu seiner Zeit allerdings nicht, dass sich damit auch ein schneller Algorithmus zur Berechnung der Zahl \pi konstruieren lässt. Dennoch wird das Verfahren oft auch als Methode von Gauß, Brent und Salamin bezeichnet.
Die Schritte des Verfahrens können folgendermaßen beschrieben werden:
* Initialisierung : Man verwendet als Startwerte
:a_0 = 1\qquad b_0 = \frac{1}{\sqrt{2}}\qquad s_0 = \frac{1}{2}\qquad
* Schleife : Für n = 1,2,... berechnet man
:a_{n} = \frac{a_{n-1} + b_{n-1}}{2} \,
:b_{n} = \sqrt{a_{n-1}b_{n-1}} \,
:c_{n} = a_{n}^2 - b_{n}^2 \,
:s_{n} = s_{n-1} - 2^{n}c_{n} \,
:p_{n} = \frac{2a_{n}^2}{s_{n}} \,
Die Folge der (p_n) konvergiert quadratisch gegen \pi , d. h. mit jedem Durchlaufen der Schleife verdoppelt sich etwa die Zahl der korrekt berechneten Ziffern. Damit konvergiert dieser Algorithmus deutlich schneller gegen \pi als viele klassische Verfahren.
Zahlenbeispiel
Mit den Startwerten
: a_0 = 1\qquad b_0 = \frac{1}{\sqrt{2}}=0{,}707106781186547\qquad s_0 = \frac{1}{2}=0{,}5\qquad
berechnet man rekursiv:
Nach drei Iterationen erhält man für das arithmetisch-geometrisches Mittel den Näherungswert M(1,1/\sqrt{2})\approx a_3 \approx 0{,}847213084.
Für die Zahl \pi ergibt sich die Näherung \pi\approx p_3 \approx 3{,}141592653.\,
Beziehung zu elliptischen Integralen
Es gilt:
: \frac{\pi/4}{M(a,b)}=\int_0^1\frac{\mathrm dt}{\sqrt{(1-t^2)((a+b)^2-(a-b)^2t^2)}}
Die rechte Seite ist ein vollständiges elliptisches Integral erster Art.
Weblinks und Literatur
• Christian W. Hoffmann: \pi und das arithmetisch-geometrische Mittel.
• David H. Bailey et al. The Quest for Pi
Jonathan M. Borwein, Peter B. Borwein: Pi and the AGM, A Study in Analytic Number Theory an Computational Complexity , John Wiley, New York, 1987, ISBN 0-471-31515-X.
VIDEO-NEWS UND ANGEBOTE