Arie Goral-Sternheim
Arie Goral-Sternheim (16. Oktober 1909 in Rheda (Westfalen); ? 23. April 1996 in Hamburg; auch Arie Goral; geborener Walter Lovis Sternheim) war ein deutscher Schriftsteller, Maler und Publizist.Leben
Jugend in Deutschland 1909 bis 1933
Walter Lovis Sternheim wird 1909 in Rheda (Westfalen) als Kind deutsch-jüdischer Eltern geboren. Die Familie zog bald nach Hamburg, wo er sich schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg in zionistischen Jugendverbänden engagierte. Die Konfrontation mit dem erstarkenden Antisemitismus führte ihn zum zionistisch-sozialistischen ?Jung-Jüdischen Wanderbund?.
Ab 1925 absolvierte Sternheim eine kaufmännische Lehre in Hamburg, und bereitete sich gleichzeitig systematisch auf die Auswanderung nach Palästina (?Alija?) vor, u.a. besuchte seine Jugendgruppe mehrfach Martin Buber in Heppenheim.
Ab 1927 wurde Sternheim auf Ausbildungs-Kibbuzim in Norddeutschland systematisch landwirtschaftlich ausgebildet.
Emigration in Frankreich, Palästina und Israel, Aufenthalt in Italien 1933 bis 1953
Anfang 1933 erlebt Sternheim noch die Machtergreifung in Deutschland und wanderte dann bereits im Mai 1933 zunächst nach Frankreich aus, von wo er schließlich 1934 die Genehmigung zur Einwanderung nach Palästina erhielt.
In Palästina nimmt Sternheim den Namen ?Arie Goral? an. (Arie = hebr. für ?Löwe?; Goral = hebr. für ?Schicksal?'). Er übt verschiedene Berufe aus, entdeckt aber schon bald seine künstlerischen Interessen. Goral beginnt zu dichten, lernt in Jerusalem Arnold Zweig und Else Lasker-Schüler kennen, und eröffnet in Rehovot ein Kindermalstudio.
Nach der Teilnahme am Unabhängigkeitskrieg 1948 entschließt sich Goral 1950 zu einem Studienaufenthalt in Italien, der bis 1953 dauert. 1951 wird Goral wieder Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland.
In der Bundesrepublik Deutschland 1953 bis 1996
Goral hält sich zunächst für kurze Zeit in München auf, wohin er von Erich Kästner eingeladen worden ist, um seine Sammlung von israelischen Kinderbildern in der dortigen Internationalen_Jugendbibliothek zu präsentieren. Die IJB wurde von der jüdischen Schriftstellerin Jella Lepman im Auftrag der US-Militärbehörden nach dem Krieg gegründet. Er lernt dort Leonhard Frank, Alfred Polgar, Fritz Kortner, Max Steffel, Luise Rinser und den in die DDR übergesiedelten ehemaligen US-Offizier Stefan Heym kennen. Anschließend kehrt Goral im Oktober 1953 in seine Heimatstadt Hamburg zurück, wo er als Künstler und Kunstpädagoge tätig wird, und sich am Grindel niederlässt, der vor 1933 Zentrum des jüdischen Lebens in Hamburg gewesen war, und zu dessen Chronisten er in den folgenden Jahren wird.
Ab 1956 ist Goral auch wieder literarisch tätig und wird bald ein scharfer Kritiker des oberflächlichen ritualisierten Philosemitismus der Adenauer-Ära (?Woche_der_Brüderlichkeit?) bei gleichzeitiger Rehabilitierung von Personen wie Hans Globke und Theodor Oberländer, die trotz ihrer Verwicklung in den Nationalsozialismus in hohe Staatsämter aufsteigen. Gleichzeitig engagiert er sich für die Friedensbewegung in Deutschland, und Ende der sechziger Jahre zunehmend gegen den wiedererstarkenden Rechtsextremismus.
Goral macht sich in Hamburg durch seine zahlreichen Aktionen in der Kunstszene (1975 Kontroverse um den Hamburger Kunstverein) einen Namen, und besonders durch sein Engagement für ein Heinrich-Heine-Denkmal und die Benennung der Staats- und Universitätsbibliothek nach dem Hamburger Publizisten und Pazifisten Carl von Ossietzky.
Im Jahre 1979 veröffentlicht Goral einen Beitrag in dem von Henryk M. Broder herausgegebenen Sammelband ?Fremd im eigenen Land?. Dort rechnet er u.a. selbstkritisch mit seiner eigenen Rolle als ?philosemitische Kunstfigur? (Zitat Goral) in den fünfziger Jahren ab. In den achtziger Jahren kritisiert Goral, wie jüdische Themen und jüdische Kultur immer mehr zum trendigen Unterhaltungsobjekt der deutschen Intelligenz werden. Scharf greift er in diesem Zusammenhang immer wieder sowohl Broder als auch den Hamburger Theater-Intendant Peter Zadek an.
Arie Goral bleibt bis zu seinem Tode sowohl seinen pazifistischen Überzeugungen als auch seiner jüdischen Identität treu. Er protestiert zum Beispiel 1991 gegen die US-Intervention_im_Irak, gleichzeitig lehnt er 1988 während der ?Ersten_Intifada? vehement Boykottaufrufe gegen Israel ab, und diagnostiziert einen zunehmenden linken Antisemitismus.
Im Jahre 1982 erhält er vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg die Biermann-Ratjen-Medaille für seine künstlerischen Verdienste um die Stadt.
Goral starb am 23. April 1996 in Hamburg. Der Nachlass liegt im Ludwig-Meidner-Archiv des Jüdischen Museums Frankfurt [http://www.juedischesmuseum.de]
Literatur
* http://www.goral-gesellschaft.de/literat.htm Literaturliste auf der Webseite der Arie-Goral-Gesellschaft
* A. G.: Ich bin Jude, also bin ich in: Fremd im eigenen Land. Juden in der Bundesrepublik Hg. Henryk M. Broder und Michel R. Lang, Vorwort von Bernt Engelmann, Fischer_Taschenbuch_Verlag 1979 ISBN 3596238013, S. 203 - 221, mehrere Neuaufl. bis 1987
Ausstellung
* Frankfurt: 15.2. bis 20.5. 2007. Jüdisches Museum, Judengasse: ca. 100 Gemälde, Arbeiten auf Papier, Druckgrafiken, Aufsätze und Gedichte. (Rezension: Frankfurter Rundschau 16. 2. 2007, Kultur Rhein-Main)
Weblinks
*• Arie-Goral-Gesellschaft Hamburg e.V.
• Zur Ausstellung 2007
• Suche -> Goral (2 Art., davon einer sehr ausführlich)

