Ardistan und Dschinnistan
Ardistan und Dschinnistan ist eine zweiteilige Romanreihe des deutschen Schriftstellers Karl May, die ungewöhnlicherweise nicht auf der Erde, sondern auf dem Stern ?Sitara? spielt, welcher der Phantasie des Autors entspringt.Handlung
Zusammen mit seinem treuen Begleiter Hadschi Halef Omar reist Kara Ben Nemsi, das Alter Ego Karl Mays, in eine geheimnisvolle Welt mit den verfeindeten Reichen Ardistan und Dschinnistan und erlebt dort eine gleichnishafte, komplexe Handlung.
Die Reise beginnt in Sitara und endet an den Grenzen Dschinnistans. Jenseits von Dschinnistan sollen die Tore zum Paradies liegen. Unterwegs trifft der Erzähler auf verschiedene Völker, die unterschiedliche Stadien dieser Entwicklung repräsentieren; da die Erzählung in einen orientalischen Kontext eingebettet ist, tragen die beschriebenen Personen und Gemeinschaften arabische und indische Züge. Die sehr eindrucksvoll beschriebenen Landschaften machen eine parallele Veränderung durch und finden Vorbilder in Zentralasien und Südasien.
Kara Ben Nemsi erhält von Mahrah_Durimeh den Auftrag einen drohenden Krieg zwischen den Ländern Ardistan und Dschinistan zu verhindern. Der Erzähler und sein Begleiter beginnen ihre Reise in Ikbal.
Zunächst treffen sie auf das Volk der Ussul (asl ??? ?Ursprung?), einem großwüchsigen Menschenschlag, der unter anarchistisch-pazifistischen Bedingungen des Edlen_Wilden in einem Sumpfgebiet lebt. Ein junger Ussul, dem innerhalb des Romans der Aufstieg zu Edelmenschen und dem neuen Mir von Dschinnistan bevorsteht, schließt sich den Reisenden an.
Als nächstes kommt es zu einer kriegerischen, aber unblutigen Auseinandersetzung mit den Tschoban (jaub ???? ?Hirte, Nomade?), einem muslimischen Nomadenvolk, das unter der Herrschaft des Mirs von Ardistan steht. Dieser Mir (amir ???? ?Fürst?) hat einen Ruf als grausamer, verdorbener Herrscher, erweist sich bei direktem Kontakt aber als ein Suchender, der in der Stadt Ard seine grundsätzlich positiven Charakteranlagen nicht entfalten kann, weil er unter dem Einfluss seiner unmenschlichen Familientradition und einer verknöcherten lamaistischen Priesterkaste steht. Die buddhistischen Lamas sind im Roman die einzigen Figuren mit durchwegs negativer Charakterisierung.
Die weiteren Ereignisse führen zu einer Emanzipation des Mirs von Ardistan von Fremdeinflüssen und einer Charakterbildung, so dass er zukünftig seiner Aufgabe als gerechter Herrscher entsprechen kann. Dabei verwendet May eine große Anzahl von äußerlich orientalischen, innerlich aber christlichen Metaphern. Ein Beispiel sind engelförmige Monumentalskulpturen in der Wüste, die sich bei näherer Betrachtung als Stufenbrunnen entpuppen. Die Kernszene spielt in der verlassenen ehemaligen Hauptstadt Ardistans, in der der Mir von Ardistan eine mystische Begegnung mit der Vergangenheit seiner Familie hat und sich von deren Grausamkeit und Verantwortungslosigkeit lossagt. Als Belohnung werden ihm große Vorräte, die die Mire von Dschinnistan vor Generationen für ihn angelegt haben, übergeben, mit der er die Geisterstadt in Zukunft wieder beleben kann.
Nach seiner Läuterung ist der Mir von Ardistan für die letzte Auseinandersetzung mit seinen Feinden, den Lamas und einigen Abtrünnigen, gerüstet. Dieser Kampf findet an der Grenze zwischen Ardistan und Dschinnistan statt, wobei ihm die als fast übernatürlich beschriebene Armee des Mirs von Dschinnistan zur Hilfe kommt. Damit wird die alte Feindschaft zwischen Ardistan und Dschinnistan überwunden.
Rezeption
Ardistan und Dschinnistan gehört zu den bedeutendsten Spätwerken Mays, in denen er sich immer mehr von der munteren Welt seiner abenteuerlichen Reiseerzählungen, durch die er seinen Ruhm erlangte, entfernt und in geheimnisvollen Geschichten seiner Weltanschauung Ausdruck verleiht.
Das zentrale Thema von Ardistan und Dschinnistan ist die Entwicklung des Menschen vom niedrigen ?irdischen? Anfang (arabisch ard ??? ?Erde, Boden?) zur ?höheren Stufe? des bewussten ?geistigen? Menschen, den May als ?Edelmenschen? bezeichnet (arabisch jinn ?? ?Geist?). Entsprechend Mays eigener Auffassung ist der Edelmensch ein zugleich monotheistisch-religiös und humanistisch handelnder Intellektueller.
Die Bücher, die dieser Romanreihe angehören sind unter folgenden Einzeltiteln erschienen:
# Ardistan
# Der Mir von Dschinnistan
Literatur
Die Romane sind bei mehreren Verlagen im Bestand. Hier nur eine Auswahl
*Karl May, Hans Wollschläger: Ardistan und Dschinnistan I. Kritische Ausgabe (gebundene Ausgabe), Karl May Verlag 2005- ISBN 3780206501
*Karl May, Hans Wollschläger: Ardistan und Dschinnistan II. Kritische Ausgabe (gebundene Ausgabe), Karl May Verlag 2005- ISBN 378020651X
*Karl May: Ardistan und Dschinnistan, Bd.1 - Ardistan, Verlag Neues Leben (1993) - ISBN 3355013714
*Karl May: Ardistan und Dschinnistan, Bd.2 - Der Mir von Dschinnistan, Verlag Neues Leben (1993) - ISBN 3355013722
* Joachim Dietze: Der Wortschatz Karl Mays. Ein Frequenzwörterbuch zum ?Waldröschen? und zu ?Ardistan und Dschinnistan?, Georg Olms Verlag 1999 - ISBN 3487105357

