Spanische Partie
Bei der Spanischen Partie handelt es sich um eine Eröffnung des Schachspiels. Sie zählt zu den Offenen_Spielen.
Die Spanische Partie mit ihren Untervarianten wird mit den ECO-Codes C60 bis C99 klassifiziert.
Die Namensgebung der Spanischen Partie geht auf den spanischen Priester Ruy López de Segura zurück, der im Jahre 1561 ein detailliertes Buch über sein Studium dieser Schacheröffnung präsentierte. Nach ihm wird die Zugfolge (hauptsächlich) im englischen Sprachraum Ruy-Lopez-Eröffnung genannt.
Auf Turnieren ist die spanische Partie unter den offenen Spielen die am häufigsten von Großmeistern und anderen starken Spielern gespielte Eröffnung. Aufgrund ihrer langen Geschichte und Prominenz ist sie neben der Sizilianischen_Verteidigung und dem Damengambit die vielleicht am besten analysierte Eröffnung des Schachspiels überhaupt, in einigen Varianten ist sie bis über den 20. Zug hinaus beschrieben.
Die Idee hinter der Spanischen Partie ist ein indirekter Angriff auf den Bauern e5, durch den Angriff auf seinen Verteidiger, den Damenspringer auf c6.
Die Spanische Partie entwickelt sich aus dem Königsspringerspiel und beginnt mit den Zügen:
: 1. e2-e4 e7-e5
: 2. Sg1-f3 Sb8-c6
: 3. Lf1-b5
Hauptvarianten
Varianten ohne 3. ... a7-a6
Dritte schwarze Züge außer 3. ... a7-a6 sind in der aktuellen Turnierpraxis auf höherem Spielniveau seltener anzutreffen. Nur die Berliner Verteidigung hat aufgrund der Bemühungen von Wladimir Kramnik in der Großmeisterpraxis Anfang des 21. Jahrhunderts eine ?Renaissance? erfahren.
= Steinitz-Verteidigung
=Die Steinitz-Verteidigung oder auch Alte Steinitz-Verteidigung der Spanischen Partie entsteht nach den Zügen:
: 1. e2-e4 e7-e5
: 2. Sg1-f3 Sb8-c6
: 3. Lf1-b5 d7-d6
Die Variante wird in den Großmeistern als Überraschungswaffe genutzt.
Eng verwandt mit dem Jänisch-Gambit ist die Schliemann-Verteidigung (auch Cordel-Gambit genannt), bei der das Zugpaar 3...Lf8-c5 4.c2-c3 vor 4...f7-f5!? eingeschoben wird. In Wirklichkeit ist diese Variante, die Schliemann in den 1860ern spielte, eine Gambitvariante der Cordel-Verteidigung.
= Fianchetto-Variante
=Die Fianchetto-Variante, auch Smyslow-Verteidigung, (ECO-Code: C60, nicht zu verwechseln mit der Smyslow-Variante) entsteht nach der Zugfolge:: 1.e2-e4 e7-e5
: 2.Sg1-f3 Sb8-c6
: 3.Lf1-b5 g7-g6
Die Fianchetto-Variante ist ein ruhiges positionelles System, das gelegentlich von Wassili Smyslow und Boris Spasski gespielt wurde. Es wurde in den 1980er-Jahren populär, als gezeigt wurde, dass nach 4.c2-c3 a7-a6! Schwarz gutes Spiel hat. Später wurde jedoch herausgefunden, dass Weiß nach 4. d2-d4 e5xd4 5. Lc1-g5 Vorteil hat, sodass die Variante heute selten gespielt wird.
Ein interessantes Gambit ist die Variante 4.d2-d4 e5xd4 5.c2-c3, die auch von Alexander Khalifman vorgeschlagen wurde, obwohl einige der entstehenden Positionen noch gründlich getestet werden müssen.
= Cozio-Variante
=Die Cozio-Variante (ECO-Code: C60) entsteht nach den Zügen:: 1. e2-e4 e7-e5
: 2. Sg1-f3 Sb8-c6
: 3. Lf1-b5 Sg8-e7
Die Cozio-Variante ist eine altmodische Variante und vielleicht die am wenigsten populäre Variante der offenen Verteidigungen im Spanier. Obwohl Bird-Verteidigung (Spanische Partie).
Varianten mit 3. ... a7-a6
Der dritte schwarze Zug 3. ... a7-a6 ist die am häufigsten anzutreffende Erwiderung in der Spanischen Partie. Der Läufer auf b5 wird sogleich befragt und kann gegebenenfalls mit b7-b5 weiter abgedrängt werden.
= Abtausch-Variante und Verzögerte Abtauschvariante
=Die Abtausch-Variante entsteht nach der Zugfolge:
: 3. ... a7-a6
: 4. Lb5xc6
Siehe den Hauptartikel Spanische Partie (Abtauschvariante).
= Moderne Steinitz-Verteidigung
=Die Moderne Steinitz-Verteidigung (auch verzögerte Steinitz-Verteidigung oder Neo-Steinitz-Verteidigung) (C72?C76) entsteht nach den Zügen:: 3. ... a7-a6
: 4. Lb5-a4 d7-d6
Im Gegensatz zur Alten Steinitz-Verteidigung schaltet Schwarz das Zugpaar 3...a7-a6 4.Lb5-a4 ein, bevor er 4...d7-d6 spielt. Die Möglichkeit der Blockade der Fesselung des Läufer frühzeitig abzutauschen. Mit 6. Lb3xf7+?! und nachfolgendem Sf3xe5+ kann Weiß nun ein spekulatives Figurenopfer für zwei Bauern bringen, was dem schwarzen König die Rochade zerstört. Aber mit akkuratem Spiel ist es Schwarz möglich, seine Stellung zu konsolidieren und die Mehrfigur zu behaupten. Die Norwegische Verteidigung ist seit den 1880ern bekannt und wurde von Carl Schlechter im Jahre 1901 wieder eingeführt.
= Russische Verteidigung
=Die Russische Verteidigung entsteht nach der Zugfolge:: 3. ... a7-a6
: 4. Lb5-a4 Sg8-f6
: 5. 0-0 d7-d6
Die Russische Verteidigung kann als eine verzögerte Moderne Steinitz-Verteidigung angesehen werden. Mit dem Einschub des Zugpaares 4. ...Sg8-f6 5.0-0 wartet Schwarz mit dem Zug ...d7-d6, bis Weiß Tschigorin spielte die Russische Verteidigung in den 1890er-Jahren, und später wurde sie auch von Akiba Rubinstein angewandt. Der letzte bemerkenswerte Gebrauch der Russischen Verteidigung war in den 1950ern, als sie von einigen russischen Meistern gespielt wurde.
= Archangelsk-Variante
=Die Archangelsk-Variante (C78) entsteht nach den Zügen:: 3. ... a7-a6
: 4. Lb5-a4 Sg8-f6
: 5. 0-0 b7-b5
: 6. La4-b3 Lc8-b7
Die Archangelsk-Variante wurde von Archangelsk erfunden und führt oft zu scharfen Positionen. Weiß hat einige Optionen, darunter den Aufbau eines idealen Bauernzentrums mit c2-c3 und d2-d4, die Verteidigung des e-Bauern mit Tf1-e1 oder eine einfachere, schnellere Figurenentwicklung.
= Offene Verteidigung
=Die Offene Verteidigung war in den 1980er Jahren eine beliebte Variante von Viktor Kortschnoi, die er unter anderem in seinen beiden Weltmeisterschaftskämpfen gegen Anatoli Karpow mehrmals angewandt hat. Sie entsteht nach den Zügen:
:3. ... a7-a6
:4. Lb5-a4 Sg8-f6
:5. 0-0 Sf6xe4
Siehe den Hauptartikel Offene_Verteidigung.
= Geschlossene Verteidigung
=Die ?geschlossene? Behandlung der Spanischen Partie erreicht man nach den Zügen:
: 3. ... a7-a6
: 4. Lb5-a4 Sg8-f6
: 5. 0-0 Lf8-e7
Die Entwicklung des Königsläufers im fünften Zug nach e7 leitet einen der bedeutendsten Bereiche im ?Spanier? ein. Siehe dazu den Hauptartikel Geschlossene_Verteidigung.
Seltene Systeme
Dritte Züge des Schwarzen wie Lf8-b4 oder g7-g5 sind in der aktuellen Turnierpraxis so gut wie nicht anzutreffen.
= Alapin-Variante
=: 3. ... Lf8-b4
Die Alapin-Variante ist nach dem russischen Schachmeister Simon Sinowjewitsch Alapin (1856?1923) benannt. In seiner 1896 in St. Petersburg herausgegebenen Broschüre ?Zur Theorie der Spanischen Partie? untersucht Alapin unter anderem diese neue Idee, den Läufer auf ein eher ungewöhnliches Feld zu entwickeln: Ein zu fesselnder Springer auf c3, analog dem schwarzen auf c6, ist nicht vorhanden, und der Läufer kann außerdem sofort mit c2-c3 befragt werden, womit gleichzeitig der Zentrumsvorstoß d2-d4 vorbereitet wird. Alapins Hauptgedanke zeigt seine Wirkung erst einige Züge später; nach dem stärksten Zug 4. c2-c3 folgt
: 4. ... Lb4-a5
: 5. 0-0 Sg8-e7, dieser Springerzug nach e7 statt nach f6 ist ein weiteres Merkmal dieses Abspiels, ein künftiger Bauernvorstoß e4-e5 geschähe nun ohne Tempogewinn.
: 6. d2-d4 e5xd4
: 7. c3xd4 d7-d5 (!, Alapin) siehe Diagramm, nach dem Tausch auf d5 nimmt Schwarz mit der Dame zurück und hat gleichwertiges Spiel. Greift Weiß danach mit Sb1-c3 die Dame an, kann der Schwarze mit La5xc3 seine Zentralstellung behaupten.
Alapin selbst hat ?seine? Variante in zahlreichen Partien mit unterschiedlichem Erfolg angewandt, allein im ?Kaiser-Jubiläums-Turnier? in Wien 1898 in acht seiner Schwarzpartien. Etwa 50 Jahre später wurde mit 5. oder 6. Sb1-a3 eine anspruchsvollere Methode gegen den schwarzen Aufbau erprobt, die heute noch als aussichtsreich gilt. Mit nachfolgendem Sa3-c4 soll der Druck auf das Zentrum verstärkt und der La5 evtl. abgetauscht werden (Vorteil des Läuferpaares).
= Brentano-Variante
=: 3. ... g7-g5
Diese ungewöhnliche Erwiderung von Schwarz geht auf den deutschen Philosophen und Psychologen Johann Berger ? einem der Herausgeber ? stark kritisiert, indem er bereits in der ersten Hauptvariante zahlreiche Unzulänglichkeiten aufzeigt. Erst drei Jahre später veröffentlichte Brentano einen dritten und letzten Teil seines Artikels in der Wiener Schachzeitung.
In den in Schachdatenbanken enthaltenen Meisterpartien um die Jahrhundertwende findet sich nur eine Partie von 1904, in der Carl Schlechter ? neben Berger damals der zweite Herausgeber der Deutschen Schachzeitung ? in einem Wettkampf gegen Richard Teichmann Brentanos Zug anwendet. Die Partie endete nach 25 Zügen mit einem Remis.
Die prinzipielle weiße Fortsetzung gegen den Flügelangriff besteht nun in dem Zentrumsvorstoß 4. d2-d4, womit der Bauer g5 ein zweites Mal angegriffen wird. Brentano schlägt nun 4. ... Sc6xd4 vor (nach 4. ... e5xd4 5. Lc1xg5 f7-f6 6. Lg5-f4 steht Weiß aufgrund des Entwicklungsvorsprungs und der schlechten schwarzen Königsstellung klar besser). Nach 5. Sf3xd4 e5xd4 6. Dd1xd4 Dd8-f6 7. e4-e5 (Teichmann zog hier schwächer Lc1-e3) steht Weiß wiederum besser.

