Archäometrie
Die Archäometrie (von griech. ????/árche: Anfang und ??????/métron = Maß) untersucht mit naturwissenschaftlichen Methoden und Verfahren archäologische Funde und Befunde.
Die Archäometrie arbeitet in enger Verzahnung mit den Methoden der Archäologie. Wesentlich ist auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Montanarchäologie, Mineralogie, Geologie, Geophysik, Werkstoffkunde, Bergbaukunde, Prähistorischen_Anthropologie, Biologie und Chemie.
Die Archäometrie lässt sich grob anhand ihrer Forschungsgegenstände in einen anorganischen und einen organischen Teil gliedern.
Anorganischer Zweig
Ersterer erforscht z.B., in welchen geographischen Regionen zu welchen Zeiten Werkmaterialien (z.B. Feuerstein, Kupfer, Bronze, Gold, Silber, Eisen, Mörtel, Keramik etc.) gewonnen und verarbeitet wurden und wie sich die Herstellungs- und Verarbeitungstechniken entwickelt haben. Die Untersuchung von Metallgegenständen erfolgt durch Massenspektroskopie und identifiziert das für jede Abbaustelle spezifische Isotopenverhältnis der Metalle. Für diese spezielle Fragestellung werden z.B. am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) der Reiss-Engelhorn-Museens ein Magnetic-Sector ICP-MS VG-Axiom Massenspekrtrometer verwendet.
Eines der aktuellen Forschungsziele dieses Zweiges der Archäometrie ist es, den Beginn der Metallverarbeitung durch Menschen überhaupt örtlich und zeitlich zu bestimmen. Gediegenes Erz wurde seit 10.000 Jahren verwendet. Offen ist, wann Erze zum erstenmal geschmolzen wurden. Die ältesten bisher gefundenen Erzschlacken bei Arisman und Tappe Sialk wurden bisher auf das 4. Jahrtausend vor Christus datiert.
Als führender Forscher auf dem Teilgebiet Metalluntersuchung gilt Prof. Ernst Pernicka, der ausgehend von Untersuchungsmethoden, die er am Heidelberger Max-Planck-Institut für Kernphysik für die Analyse von Mondgestein und Meteoriten entwickelte, diese Erkenntnisse für die Archäometrie anwandte und weiterentwickelte. Nach Berufung auf eine Stiftungsprofessur für Archäometrie der Volkswagenstiftung an der Bergakademie Freiberg wurde er 2004 an die Universität Tübingen berufen und leitet zusätzlich das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) der Reiss-Engelhorn-Museen. Pernicka wurde einem breiteren Publikum bekannt durch die Untersuchung der Himmelsscheibe von Nebra, die er in Freiberg durchführte..
Ob tote Menschen in ihrer ursprünglichen Heimat aufgefunden wurden, wird z.B. mit der Strontiumanalyse untersucht. Strontium in Spuren baut der Körper anstelle von Calcium in das Calciumcarbonat sowohl des Zahnschmelzes als auch das der Knochen ein. Nun unterscheiden sich die Isotopenverhältnisse der natürlichen Strontiumvorkommen charakteristisch von Gegend zu Gegend. Da Zahnschmelz nicht umgebaut wird, zeigt das dort aufgefundene Isotopenverhältnis der Strontiumspuren im Zahnschmelz das Isotopenverhältnis der Ursprungsgegend in der ein Mensch aufgewachsen ist (zur Zeit der Bildung des Zahnschmelzes). Findet sich im Strontium der Knochen ein anderes Isotopenverhältnis, so ist der Mensch in die Gegend, in der sein Leichnam aufgefunden wurde, eingewandert.
Die Herkunft des in der Nähe von Stonehenge beerdigten Bogenschützen_von_Amesbury aus dem nördlicen Alpenvorland konnte durch den Vergleich der Sauerstoffisotopenverteilungen im Zahnschmelz gefunden werden.
Organischer Zweig
Der organische Zweig wird im Artikel "Molekulare Archäometrie" erläutert. Im englischsprachigen Raum wird die Archäometrie als Archaeometry, Archaeological Science oder auch Scientific Archaeology bezeichnet.
Literatur
Übersichtswerke
* Bernd Herrmann (Hrsg.), Archäometrie. Naturwissenschaftliche Analyse von Sachüberresten. Berlin, Heidelberg, New York (1994). (mittlerweile z.T. veraltet, trotzdem knappe und gute Einführung)
* D.R. Brothwell & A.M. Pollard (Eds.), Handbook of Archaeological Sciences. John Wiley and Sons Ltd. (2001; Paperback Edition: 2005) (wesentlich umfangreicher als Herrmann, aktueller)
* Manfred Reitz: Auf der Fährte der Zeit. Mit naturwissenschaftlichen Methoden vergangene Rätsel entschlüsseln. Verlag Willey-VCH, 2003
* Rolf C. A. Rottländer: Einführung in die naturwissenschaftlichen Methoden in der Archäologie. Tübingen 1983
Fachartikel zu speziellen Methoden
* Ina Reiche, Martin Radtke, Christian Brouder: Röntgenanalyse in der Kunst: Antike Gläser und versteinertes Elfenbein. Physik in unserer Zeit 34(2), S. 80 - 86 (2003),
* Günther A.Wagner, Steffen Greilich, Anette Kadereit: Lumineszenzdatierung: Kaltes Leuchten erhellt die Vergangenheit. Physik in unserer Zeit 34(4), S. 160 - 166 (2003),
Die wichtigsten Zeitschriften
* Archaeometry (vierteljährlich, [http://www.blackwellpublishing.com/journal.asp?ref=0003-813X Online-Version])
* Journal of Archaeological Science (monatlich, [http://www.elsevier.com/wps/find/journaldescription.cws_home/622854/description#description Online-Version])
* Archäometrisches Nachrichtenblatt, herausgegeben von der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie/Archaeometrie
Weblinks
* http://www.mpi-hd.mpg.de/archaeometry/
* http://www.archaeometrie.de/
* http://www.iskp.uni-bonn.de/gruppen/mommsen/top.html (Archäometriegruppe der Universität Bonn)
* http://www.cez-archaeometrie.de

