Arbeitsarmee
Gründung, Geschichte, Auflösung, Organisation, wichtige Personen, Statistiken über die Zahl der Betroffenen/Gestorbenen etc. dieser Organisation fehlen. -- Karsten11 18:42, 4. Mai 2007 (CEST)Die Arbeitsarmee (russ.: ???????? ????? Trudowaja armija, kurz ????????? Trudarmija) war eine militarisierte Form der Zwangsarbeit in der ehemaligen Sowjetunion, während und nach dem Zweiten_Weltkrieg von 1941 bis 1946. [http://www.emc.komi.com/01/18/047.htm] Stichwort Arbeitsarmee Auf: Geschichtswebseite der Komi Betroffen davon waren vor allem Russlanddeutsche aber auch die finno-ugrischen Komi, sowie Rumänen, Ungarn und Italiener.
Ursprünge des Begriffs Arbeitsarmee
Abteilungen mit dem Namen Arbeitsarmee entstanden schon im Gefolge des Russischen_Bürgerkrieges. Die 1. Revolutionäre Arbeitsarmee ist für Anfang 1920 dokumentarisch belegt. Nach offizieller sowjetischer Geschichtsschreibung handelte es sich dabei um eine Wiedereingliederung der Soldaten des Bürgerkrieges ins zivile Arbeitsleben und eine Maßnahme zum schnelleren Aufbau der durch den Bürgerkrieg zerstörten Wirtschafstzweige. Es handelte sich um Abteilungen der Roten Armee, die statt zum Kämpfen zum Arbeiten abkommandiert wurden. In diesen Arbeitsarmeen dienten Rotarmisten aller Nationalitäten, sie wurden 1922 aufgelöst. [http://hronos.km.ru/organ/rossiya/trud_armii.html] Stichwort Arbeitsarmeen auf der russischen Geschichtswebseite chronos.
Den aus der Frühzeit der Sowjetunion herrührenden Begriff übernahmen diejenigen Angehörigen der nationalen Minderheiten, die während und nach dem Zeiten Weltkrieg - von 1941 bis 1946 - einer militarisierten Form der Zwangsarbeit unterworfen wurden: Sie bezeichneten sich als Angehörige der Arbeitsarmee. G. A. Gontscharow: Die Arbeitsarmee in der Periode des Großen Vaterländischen Krieges: Eine russische Historiografie In Ekonomitscheskaja istorija, Nr. 7. Moskau 2001, S. 154-162 Russisch: ?.?.????????: "???????? ?????" ??????? ??????? ????????????? ?????:
?????????? ?????????????, In: ????????????? ???????, ?????????,
?????? 7, ????? ????????????? ??????? ??? ???????????? ?????????? ??? ??. ?.?.??????????, ??? ????????? ?.?.????????? online hier [http://www.hist.msu.ru/Labs/Ecohist/OB7/goncharov.htm#5] In offiziellen Dokumenten dieser Zeit taucht der Begriff Arbeitsarmee nach Ansicht russicher Historiker nicht auf. Gontscharow S. 154 In der Umgangssprache war er geläufig, doch die russische Geschichtsforschung hat sich erst Ende der achtziger Jahre mit der Arbeitsarmee des Zweiten Weltkrieges auseinander gesetzt.
Ablauf
Zunächst wurden die russlanddeutschen Angehörigen der Roten_Armee aus den regulären Einheiten in Bautrupps versetzt, gemäß einer von Stalin am 8. September 1941 erlassenen Direktive. Für die Deutschen im Gulag wurde - auf Anraten des NKWD - Anfang des Jahres 1942 eine eigene eine Kategorie gefunden: trudmobilisowanny nemez (deutsch: arbeitsmobilisierter Deutscher); dies wurde zur offiziellen Bezeichnung für die Deutschen in der Arbeitsarmee. Im Oktober 1942 übertrug man die für die Deutschen geltenden Bestimmungen auf andere Minderheiten: Wehrpflichtige Männer aus den Ethnien der in Russland ansässigen Finno-Ugrier, Ungarn, Rumänen und Italiener wurden ebenfalls zur Arbeitsarmee eingezogen.
Der russische Historiker Kurotschkin hat für die Formierung der Arbeitsarmee aus den Reihen der Russlanddeutschen folgenden zeitlichen Ablauf rekonstruiert: In der ersten Periode von September 1941 bis Januar 1942 wurden die russlanddeutschen Männer im wehrfähigen Alter einberufen. Grundlage war ein Beschluss des Politbüros des ZK der Kommunistischen_Partei vom 31. August 1941 Über Deutsche, die auf dem Territorium der Ukrainischen_SSR wohnen. In der zweiten Periode wurden Russlanddeutsche Männer im Alter von siebzehn bis 50 Jahre einberufen - zunächst diejenigen, die in den asiatischen Teil der Sowjetunion zwangsumgesiedelt wurden, dann auch diejenigen, die schon im asiatischen Teil der Sowjetunion lebten. Von Oktober 1942 bis Dezember 1943 folgte eine massenhafte Einberufung der Russlanddeutschen, darunter auch der Frauen. In der letzten Periode von Januar 1944 bis zur Auflösung der Arbeitsarmee im Jahr 1946 erfolgten nur noch sporadische Einberufungen, es wurden im wesentlichen Russlanddeutsche aus den von der Roten Armee eroberten Gebieten in die Arbeitsarmee geschickt. Zitiert nach Gontscharow S. 160
Das Leben in der Arbeitsarmee
In die Arbeitsarmee zwangsrekrutiert wurden vor allem die Wolgadeutschen in der ehemaligen Sowjetunion.
Der rechtliche Status war eine Mischung aus Lagerhäftling, Bauarbeiter und Militärangehöriger, bei Dominanz der Lagermerkmale. So wurden Lebensmittel und Industriewaren nach den Richtlineien für Sträflinge des Gulag, die Arbeitstrupps standen unter NKWD-Aufsicht. Ähnlich wie Gulag-Häftlinge wurden Deutschen der Arbeitsarmee für Schwerstarbeit beispielsweise beim Bau von Eisenbahnlinien und Industrieanlagen, im Bergbau oder beim Holzfällen eingesetzt. In den Lagern war Angehörigen anderer Nationalität der Umgang mit Deutschstämmigen außerhalb der für die Arbeit notwendigen Kontakte streng verboten.
Von Oktober 1942 an wurden russlanddeutsche Frauen zwischen 16 und 45 Jahren in die Arbeitsarmee einberufen. Von der Einberufung freigestellt waren nur schwangere Frauen und Mütter von Kindern unter drei Jahren. Die führte zur Verwahrlosung oder zum Tod eines Teils der zurückgebliebenen älteren Kinder.
Auflösung der Arbeitsarmee
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Einheiten der Arbeitsarmee aufgelöst, ihre Angehörigen wurden in die reguläre Belegschaft der Betriebe oder Organisationen eingegliedert, in denen sie gearbeitet hatten. Die Russen deutscher Abstammung durften nun - wenn genügend Wohnraum vorhanden war, ihre Familien an den Arbeitsort nachkommen lassen. Die Zusammenführung der Familien war erst in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre abgeschlossen.
Die Russlanddeutschen durften nach der Auflösung der Arbeitsarmee - allerdings nur mit Genehmigung durch Betriebe und Behörden - an die Orte (im wesentlichen im asiatischen Teil der Sowjetunion) zurückkehren, in denen sie vorher zwangsweise nach der Vertreibung aus dem ursprünglichen Siedlungsgebieten (im europäischen Teil der Sowjetunion) angesiedlelt worden waren. Sie erhielten allerdings den Status von Sondersiedlern und waren bis 1955 der örtlichen Kommandantur des NKWD unterstellt. Eine Rückkehr in die ursprünglichen Siedlungsgebiete blieb verboten, sie mussten schriftlich auf Entsschädigung für das enteignete Vermögen verzichten.
Siehe auch:
Wolgadeutsche, Russlanddeutsche
Wolgadeutsche Republik
Weblinks
• Geschichte der Russlanddeutschen und ihrer Unterdrückung in der Stalinzeit Auf: Webseite von Memorial (russisch)
• Die Arbeitsarmee in der Republik Komi (russisch)
• Stichwort Arbeitsarmee Auf: Die Deutschen im Altai - Webseite der Universität Omsk
Literatur
Dokumente
Folgende Erlasse des Staatlichen_Verteidigungskomitee_der_UdSSR beziehen sich auf die Einberufung in die und Einsatz der Deutschen in der Arbeitsarmee:
* Erlass ? 1123?? Über den Einsatz deutscher Umsiedler im wehrfähigen Alter von 17 bis 50 Jahren 10. Januar 1942 (russisch: ?? ??????? ????????????? ??????-???????????? ?????????? ???????? ?? 17 ?? 50 ???? ?? 10 ?????? 1942 ?.)
* Erlass ? 1281??: Über die Mobilisierung der deutschen Männer im wehrfähigen Alter von 17 bis 50, die einen ständigen Aufenthaltsort in den Bezirken, Kreisen, Autonomen Republiken und Unionsrepubliken haben 14. Februar 1942 (russisch: ?? ??????????? ??????-?????? ?????????? ???????? ?? 17 ?? 50 ???, ????????? ??????????? ? ????????, ?????, ?????????? ? ??????? ???????????? ?? 14 ??????? 1942 ?
* Erlass ? 2383 Über die zusätzliche Mobilisierung der Deutschen für die Volkswirtschaft der UdSSR 7. Oktober 1942 (russisch: ?? ?????????????? ??????????? ?????? ??? ????????? ????????? ????? ?? 7 ??????? 1942).
* Dazu kommt noch die NKW-Direktive ? 0083 vom 12.Januar 1942: Über die Organisation der Einheiten der mobilisierten Deutschen in den Lagern des NKWD der UdSSR (russisch: ??? ??????????? ??????? ?? ?????????????? ?????? ??? ??????? ???? ?????)
Forschung
* Alfred Eisfeld, Viktor Herdt (Hg.): Deportation, Sondersiedlung, Arbeitsarmee: Deutsche in der Sowjetunion 1941 bis 1956. Köln Verlag Wissenschaft und Politik 1996, ISBN 3-8046-8831-4
* Viktor Krieger: Personen minderen Rechts: Rußlanddeutsche in den Jahren 1941-46 Sonderdruck aus: Heimatbuch der Deutschen aus Rußland 2004 Stuttgart 2004 online hier [http://www.viktorkrieger.homepage.t-online.de/Entrechtung2003.pdf]
* Arkadij A. German 1948, Aleksandr N. Kurockin: Nemcy SSSR v "Trudovoj armii":(1941 - 1945) Moskau Gotika 1998, ISBN 5-7834-0029-7

