Arbeiterbewegung in Deutschland
Die Arbeiterbewegung ist ein zusammenfassender Begriff für Zusammenschlüsse und Organisationen, die sich seit Beginn der Industrialisierung bildeten, um sich um die Belange der Arbeiter zu kümmern.Geschichte und Entwicklung
Ihr Ziel ist vornehmlich, die wirtschaftliche und soziale Situation der Arbeiter und ihrer Familien zu verbessern, aber auch die Arbeiter zur Umgestaltung der Gesellschaft durch Revolution (Sozialismus) oder Reformen (Sozialdemokratie) zu organisieren.
Zur klassischen Arbeiterbewegung in Deutschland gehörten vor allem die Gewerkschaften, gesellschaftliche_Zusammenschlüsse wie Bildungs-, Sport- und Gesangsvereine, Naturfreunde, Waldheimvereine, soziale Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und schließlich Genossenschaften, die vorrangig der Versorgung der Arbeiter mit Nahrungsmitteln, Wohnungen u.ä. dienten.
Partei, Gewerkschaften und proletarische Selbsthilfeorganisationen werden auch als die "3 Säulen der Arbeiterbewegung" bezeichnet. Diese linken Organisationen werden oder wurden oft mit dem Adjektiv "frei" verknüpft.
Eine andere Richtung stellen konfessionelle Gruppierungen wie die katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) oder das ebenfalls katholische Kolpingwerk dar. Daneben entstand auch eine Evangelische Arbeiterbewegung. Generell betonen konfessionelle Gesellschaftskonzeptionen allerdings den sozialen Ausgleich gegenüber sozialen Konfliktstrategien.
Die Entstehung der Arbeiterbewegung ist eng mit den Barrikadenkämpfen der Märzrevolution von 1848 verbunden.
Karl Marx und Friedrich Engels waren die Theoretiker der Arbeiterbewegung. Ferdinand Lassalle, August Bebel und Wilhelm Liebknecht begründeten zwischen 1860 und 1876 die sozialdemokratische Richtung. Die Verantwortung der Kirche für die Arbeiter wurde zuerst durch Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler als "Innere Mission" begriffen.
Die Arbeiterinnenbewegung als Bestandteil der Arbeiterbewegung entstand ebenfalls im Zusammenhang mit der Märzrevolution. Eine ihrer Protagonistinnen war die Publizistin Louise Otto-Peters, die in der 1848 von ihr gegründeten politisch motivierten Frauenzeitung den Zusammenschluss von Arbeiterinnen nach dem Vorbild der Assoziationen männlicher Gesellen forderte. Die ersten Arbeiterinnenvereine wurden jedoch vom Staat verboten. Bedeutende Schrittmacherinnen der sozialistisch-kommunistischen Bewegung waren Clara Zetkin, Rosa Luxemburg und Louise Zietz.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es sozialdemokratische, evangelische und katholische, sowie sozialistische, kommunistische und anarchistische Arbeiterinnenvereine.
Forderungen
Zu den wichtigsten Forderungen der frühen Arbeiterbewegung gehörten ein menschenwürdiges Dasein, also Mindestlöhne, der "Achtstundentag", die "Fünf-Tage-Woche", Arbeitsschutz, der Kündigungsschutz und die Sicherung bei Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit. Diese Errungenschaften wurden mit Streiks Stück für Stück erkämpft. Daneben spielte die Arbeiterbildung eine wichtige Rolle.
Seitdem diese Hauptziele erreicht schienen, spielte die Arbeiterbewegung bei Arbeitern und Angestellten nicht mehr eine so große Rolle. Der Organisationsgrad in Gewerkschaften und Parteien sank. Organisationen wie Arbeitersportvereine oder Arbeitergesangsvereine existieren kaum noch, seit sie im Faschismus zerschlagen wurden.
Siehe auch
• Kapitalismuskritik], [[Kapitalismus, Industrialisierung, Arbeitersport in Deutschland, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung, Museum der Arbeit
Literatur
*Arno Klönne: Die deutsche Arbeiterbewegung, Geschichte - Ziele - Wirkungen. Broschiert, 390 Seiten, DTV, Mchn 1989, ISBN 3-423-11073-2
*Peter Decker / Konrad Hecker: [http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/prol/prolix.htm Das Proletariat], ISBN 3-929211-05-X
*Karl Heinz Roth, Die "andere" Arbeiterbewegung und die Entwicklung der kapitalistischen Repression von 1880 bis zur Gegenwart ; Ein Beitr. zum Neuverständnis d. Klassengeschichte in Deutschland. Mit ausführl. Dokumentation zu Aufstandsbekämpfung, Werkschutz u.a., 2. Auflage, Trikont-Verlag, München 1976
• Grebing]: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. dtv, 1974, ISBN 3-423-00647-1
*Wolfgang Abendroth: Einführung in die Geschichte der Arbeiterbewegung. Von den Anfängen bis 1933. Distel Verlag, 2. Auflage, Heilbronn 1988, ISBN 3-923208-19-7
Weblinks
• Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis 1918
• Symbole und Traditionen der ArbeiterInnenbewegung
• Archiv der Münchner Arbeiterbewegung
Jugendorganisationen, die aus der Arbeiterbewegung entstanden sind:
• SJD Die Falken
• Naturfreundejugend
• DGB Jugend

